Keine Einigung mit Banken und Großaktionären: Vapiano beantragt Eröffnung des Insolvenzverfahrens

Vapiano

02.04.20
Wirtschaft

Geldgeber ziehen bei Vapiano die Reißleine

Nach Liquiditätsengpass, Zahlungsunfähigkeit und Appell an die Bundesregierung hat die Restaurantkette Vapiano nun Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die finanzieren Banken scheinen auch nicht mehr mitgespielt zu haben.

Die Abwärtsspirale bei Vapiano steht nicht still. Wie die Restaurantkette bekanntgab, habe man sich dazu entschieden, beim zuständigen Amtsgericht Köln einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit zu stellen. Gleichzeitig prüfe das Unternehmen, ob auch entsprechende Anträge für die Töchter der Gruppe gestellt werden müssen. Deutsche und internationale Franchisenehmer seien von der Insolvenz unmittelbar nicht betroffen. Der Konzern betreibt nach eigenen Angaben weltweit 230 Restaurants, in Deutschland sind es 55 Filialen.

Vapiano: Keine Einigung mit Banken und Aktionären

Für den aufgrund der Coronakrise „nochmals signifikant gestiegenen“ Liquiditätsbedarf von zusätzlichen 36,7 Millionen Euro habe keine Lösung gefunden werden können, so CFO Lutz Scharpe. „Insbesondere konnte keine abschließende Einigung mit den finanzierenden Banken und wesentlichen Aktionären über die Beiträge zu der angestrebten umfassenden Finanzierungslösung erzielt werden“, ließ der Finanzchef wissen. Aufgrund dessen hätten die in Aussicht stehenden Finanzmittel aus den staatlichen Unterstützungsprogrammen nicht beantragt werden können.

Diese Entwicklung überrascht – denn bisher sah es so aus, als stünden die Banken und Großaktionäre hinter Vapiano. Bereits am 20. März hatte sich die trudelnde Systemgastronomiekette aufgrund des „drastischen Umsatz- und Einnahmerückgangs“ infolge des Coronavirus für zahlungsfähig erklärt. Einen Insolvenzantrag versuche man zu diesem Zeitpunkt allerdings noch zu vermeiden.

Denn die kreditgebenden Finanzinstitute und wichtigsten Aktionäre, mit denen Vapiano noch kurz vor Ausbruch des Coronavirus eigentlich schon eine Finanzspritze ausgehandelt hatte, waren zu dem Zeitpunkt nach wie vor bereit, die Restaurantkette finanziell zu unterstützen. Sie machten es allerdings zur Bedingung, dass Vapiano staatliche Unterstützung erhält, denn der Liquiditätsbedarf war durch Corona noch einmal zusätzlich stark angestiegen. Aus diesem Grund richtete Vapiano einen „dringenden Appell“ an die Politik, die Hilfen nun möglichst rasch zu gewähren, um keine Insolvenz von Vapiano zu riskieren.

FINANCE-Köpfe

Lutz Scharpe, Vapiano SE

Lutz Scharpe beginnt seine berufliche Laufbahn 1990 bei der Commerzbank in Düsseldorf mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann, zwischen 1994 und 1997 folgt ein Trainee-Programm im Bereich Firmenkundenbetreuung. Nach seinem BWL-Studium ist Scharpe 1998 bei Mannesmann als Manager im Bereich Corporate Finance tätig. Im Jahr 2000 gründet er die Investor-Relations- und Kommunikationsberatung IR.on mit, wo er bis 2003 den Posten des Finanzchefs übernimmt.

2003 wechselt Scharpe zur Deutschen Lufthansa. Dort ist er in verschiedenen Positionen tätig, unter anderem als Director Controlling Solutions & M&A bei der Tochter LSG Lufthansa Service, als Director Merger & Acquisitions für den Mutterkonzern und als Finanzchef Nord- und Osteuropa für LSG Sky Chefs Denmark in Kopenhagen. Im Jahr 2010 steigt er zum Europa-CFO der LSG Sky Chefs Europe in London auf. Im Dezember 2015 übernimmt er den Posten als Finanzvorstand bei der Restaurantkette Vapiano, die er im Juni 2017 an die Börse bringt.

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Vapiano musste sich bereits notfinanzieren

Doch nun scheint es gar nicht an den staatlichen Hilfen gescheitert zu sein. Einem Sprecher zufolge lagen sogar „positive Signale bezüglich staatlicher Unterstützungsprogramme“ vor. Offenbar haben die Geldgeber letztlich die Geduld verloren.

Dabei hielten sie Vapiano lange die Stange. So musste CFO Scharpe im Juni 2019 bereits eine Notfinanzierung arrangieren. Damals beteiligten sich neben den Banken auch die drei Großaktionäre Mayfair, Exchange Bioset und VAP Leipzig an der Finanzierung. Infolgedessen standen Vapiano rund 30 Millionen Euro zur Verfügung. Da das nicht ausgereicht hat, waren die Geldgeber sogar zu einer weiteren Spritze bereit und glaubten offenbar an die Zukunft der Restaurantkette, die sich schon lange in der Restrukturierung befindet – doch das war vor Corona.

An der Börse gab es denn auch heute für die Aktie kein Halten mehr. Der Kurs halbierte sich auf 0,41 Euro. Zu seinen Hochzeiten nach dem Börsengang im Juni 2017 lag der Titel noch bei über 25 Euro.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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Mehr über den Vapiano-CFO finden Sie auf dem Köpfe-Profil von Lutz Scharpe. Mehr zu der Restaurantkette lesen Sie auf unserer Themenseite zu Vapiano.