Der Flugzeugausstatter E.I.S. Aircraft Products and Services muss sich sanieren.

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12.10.20
Wirtschaft

Hannover Finanz muss Beteiligung E.I.S. restrukturieren

Erst Ende 2019 hatte die Hannover Finanz den Luftfahrtdienstleister E.I.S. übernommen. Nun muss das Unternehmen in die Insolvenz in Eigenverwaltung.

Schlechtes Timing für die Hannover Finanz: Der erst Ende 2019 übernommene Luft- und Raumfahrtdienstleister E.I.S. Aircraft Products and Services hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Aufgrund der Flugausfälle infolge der Coronavirus-Pandemie seien Umsatz und Ergebnis des Unternehmens eingebrochen, teilte der Minderheitsinvestor GBK Beteiligungen mit. Zudem seien „wesentliche“ Dienstleistungsverträge gekündigt worden.

E.I.S. Aircraft verzeichnete laut Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2018 in dem Jahr Umsatzerlöse von knapp 34,9 Millionen Euro und verbuchte einen Jahresfehlbetrag von 3,2 Millionen Euro. Wie groß das Volumen der nun gekündigten Dienstleistungsverträge ist, ist nicht bekannt.

Die Unternehmensführung plant nun mit „Kapazitätsanpassungen in erheblichem Umfang“. Das Unternehmen beschäftigte Ende 2019 mehr als 280 Mitarbeiter am Hauptsitz in Euskirchen sowie zwei zweiteren Standorten in Lemgo und München.

E.I.S. muss saniert werden

Der Schritt, eine Insolvenz in Eigenverwaltung zu beantragen, soll die Sanierung des Flugzeugausstatters erleichtern. Unter anderem können Unternehmen im Zuge des Eigenverwaltungsverfahrens beispielsweise Entlastung bei den Gehältern über das Insolvenzgeld erhalten, auch Verträge können leichter angepasst werden.

Die Hannover Finanz hat die Mehrheit an dem Euskirchener Produkt- und Serviceanbieter für die zivile und militärische Luftfahrt erst Ende 2019 vom schwedischen Private Equity-Haus EQT übernommen, das seinerseits seit 2015 Eigentümer gewesen war. Der Kaufpreis wurde damals nicht kommuniziert. Hannover Finanz wollte bei E.I.S. Aircraft durch eine Internationalisierungsstrategie für Wachstum sorgen – ein Plan, der durch die Folgen der Coronakrise Makulatur wurde.

Wie hoch die Mehrheitsbeteiligung der Hannover Finanz genau ist, ist unklar. Für Fragen bezüglich der aktuellen Beteiligungsgröße war Hannover Finanz auf FINANCE-Anfrage am Montagvormittag nicht zu erreichen. Der Minderheitsinvestor GBK kooperiert nach eigenen Aussagen seit 2002 vertraglich mit der Hannover Finanz und hält knapp 11 Prozent an E.I.S.. Auch das Management des Luftfahrtzulieferers hatte sich bei der Transaktion Ende 2019 beteiligt.

Corona wirbelt Luftfahrt-Deals auf

Für die Investoren bedeutet die Insolvenz in Eigenverwaltung hohe finanzielle Verluste: GBK hat sein Engagement bei E.I.S. Aircraft im Jahresabschluss 2019 mit einem Verkehrswert von 2 Millionen Euro angesetzt und stellt sich darauf ein, das Investment womöglich voll abschreiben zu müssen. Man rechne mit einer Belastung bis zu dieser Höhe für das Geschäftsjahr 2020, teilte die Gesellschaft mit. Legt man die von GBK angesetzten Werten zugrunde, dann stehen für die weiteren 89 Prozent der E.I.S.-Anteile rund 18 Millionen Euro im Feuer. 

Die Hannover Finanz ist nicht der einzige Investor, dem Corona einen Deal im Luftfahrtsegment verhagelt hat: Auch der Turnaround-Investor Aurelius musste zusehen, wie seine erst Ende Februar 2020 abgeschlossene Mehrheitsbeteiligung an ZIM Flugsitz ebenfalls in die Insolvenz in Eigenverwaltung rutschte. Vor der Covid-19-Pandemie hatte Aurelius den Auftragsbestand bei ZIM und die Nachfrage nach den Sitzen noch als „sehr gut“ bezeichnet.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de