Der Franzose Nicolas Walewski will über seine Finanzholding Compagnie de Développment de l’Eau die Mehrheit bei Heckler & Koch übernehmen.

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18.12.19
Wirtschaft

Heckler & Koch-Interessent wagt sich aus der Deckung

Die Katze ist aus dem Sack. Eine Luxemburger Finanzholding hat Interesse an der Übernahme von Heckler & Koch. Dahinter steht wie vermutet der französische Investor Nicolas Walewski.

Dass der hochverschuldete Waffenhersteller Heckler & Koch verkauft werden soll, ist bereits seit einigen Wochen bekannt. An wen war aber bislang ein großes Rätsel. Nun ist es gelüftet: Die Luxemburger Finanzholding Compagnie de Développment de l’Eau (CDE) will Mehrheitseigentümer des Unternehmens aus Baden-Württemberg werden. Das gab die Holding auf Nachfrage bekannt, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Der bisherige Haupteigentümer Andreas Heeschen bestätigte im November, dass eine Mitaktionärin weitere Anteile von ihm erwerben möchte. Einen Namen nannte er allerdings nicht, es gab jedoch Spekulationen über ein Interesse von Seiten des französischen Investors Nicolas Walewski, Gründer der Londoner Fondsgesellschaft Alken Fund. Und der steht laut dpa hinter der Luxemburger Holding, die seit 2015 mit 5,1 Prozent an Heckler & Koch beteiligt ist.

Ob der Deal zustande kommt, hängt auch von der Bundesregierung ab. Sie muss prüfen, ob sie den Eigentümerwechsel gestattet. Da es sich bei Heckler & Koch um einen Rüstungskonzern und sensible Technologien handelt, könnte der Bund der Übernahme einen Riegel vorschieben.

CDE positioniert sich als „langfristiger Investor“

Hinter der Luxemburger Finanzholding soll Walewski dem Bericht zufolge mit dem Vermögen seiner Familie stehen. Treuhänder soll ein französischer Anwalt mit Sitz auf der Karibikinsel Barbados sein. Personell ist die Holding schon jetzt eng mit Heckler & Koch verwoben. Im Verwaltungsrat von CDE sitzen Nicolas Bocklandt, ebenfalls Aufsichtsratsmitglied von Heckler & Koch, und Jean-Christoph Arntz, ehemaliges Mitglied dieses Gremiums. CDE gibt dem Bericht zufolge an, Bocklandt sei wegen möglicher Interessenkonflikte von den Entscheidungen rund um Heckler & Koch bei CDE ausgeschlossen gewesen.

Die Luxemburger Finanzholding erklärte, dass sie als Investor einen „langfristigen Anlagehorizont“ habe. Zudem wolle sie die von der Geschäftsführung verfolgte Linie der „Grüne-Länder-Strategie“ unterstützen. Bei dieser Strategie verkauft Heckler & Koch seine Waffen nur noch an demokratische und nichtkorrupte Nato- sowie Nato-nahe Staaten.

CDE will offenbar Aufsichtsratsvorsitzenden abwählen

Wie stark die CDE den derzeitigen Kurs des Unternehmens beeinflussen will, könnte sich schon auf der morgigen außerordentlichen Hauptversammlung zeigen. Das „Handelsblatt“ hatte bereits im November berichtet, CDE wolle den Aufsichtsratsvorsitzenden Harald Kujat abwählen lassen. Dagegen positionierte sich Andreas Heeschen, der Kujat halten will. Heeschen will zudem selbst in den Aufsichtsrat einziehen.
 
Die Oberndorfer Waffenschmiede konnte auf operativer Ebene zuletzt wieder positives vermelden. In der ersten Jahreshälfte 2019 war es Heckler & Koch zum ersten Mal seit zwei Jahren gelungen wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Auch im dritten Quartal 2019 gelang dem Unternehmen ein Gewinn von 1,3 Millionen Euro. Das Unternehmen leidet seit Jahren unter einer enormen Schuldenlast von rund 233 Millionen Euro plus Pensionsforderungen von 60 Millionen Euro. Andreas Heeschen und andere Aktionäre schossen immer wieder Geld nach.

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