Gibt sich „angespannt optimistisch“: Tui-Chef Friedrich Joussen

Tui

23.06.20
Wirtschaft

KfW-Hilfskredit reicht für Tui womöglich nicht aus

1,8 Milliarden Euro Staatshilfe hat der Reisekonzern Tui wegen der Coronakrise bereits erhalten. Doch das könnte nicht reichen, räumt Tui-Chef Friedrich Joussen ein. Auch der Verkauf von Unternehmensteilen wird nun geprüft.

Der Reisekonzern Tui braucht womöglich erneut frische Mittel, um die Folgen des Coronavirus für das operative Geschäft zu kompensieren. Das räumte Tui-CEO Friedrich Joussen jetzt in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein. „Wir arbeiten natürlich mit mehreren Szenarien und tun gut daran, in diesen Szenarien auch über weitere Finanzquellen nachzudenken“, sagte Joussen. Der F.A.Z. zufolge hat Tui bereits im Mai mit dem Bund über weitere 1,2 Milliarden Euro Staatshilfe gesprochen.

Tui hatte Ende März als erster deutscher Großkonzern eine Zusage über einen KfW-Kredit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erhalten. Bei der damaligen Kalkulation sei man aber von „deutlich kürzeren Lockdown“ ausgegangen, so Joussen. Man habe zwar die Kosten um 70 Prozent gesenkt, es herrsche aber immer noch Unklarheit über Dauer der Corona-Pandemie. Auch wenn die Reisewarnungen für viele Länder aufgehoben wurden, konnte das Geschäft in Großbritannien noch nicht gestartet werden. „Die Türkei ist als Reiseziel weiter zu, Kreuzfahrtschiffe stehen noch in den Häfen“, so der CEO.

Die Folge: Im laufenden Jahr liege der Fokus von Tui weiterhin auf Liquidität, erst im kommenden Jahr werde man vermehrt an der Profitabilität arbeiten. „Ich bin mir sicher, dass das Geschäft 2022 dann voll zurückkommt“, so Joussen.

Tui-Chef prüft auch Spartenverkäufe

Neben neuen Finanzierungen werden in Hannover auch Verkäufe nicht mehr ausgeschlossen, um sich für die Nach-Corona-Zeit zu rüsten: „Wir werden uns von Vermögenswerten trennen oder Partner an Bord holen", so Joussen. Als mögliches Feld stehe die Hotelsparte zur Disposition, wo Tui nur „in Ausnahmefällen“ Besitzer sein muss.

Angesichts des gerade angelaufene Sommergeschäfts gibt sich Joussen „angespannt optimistisch“, was die Zukunft des Unternehmens angehe. „Ehrlich gesagt: Mitte März, mit dem Beginn der internationalen Reisewarnung, war ich nicht sicher, ob wir das hinbekommen“, ließ er wissen. Der Umsatz habe teilweise bei null gelegen. Nun sei allerdings Land in Sicht und das Tui-Sommerprogramm zu rund 25 Prozent gebucht.

Joussen präzisiert Sparpläne

Auf den angekündigten Job-Abbau von 8000 Stellen angesprochen, präzisierte Joussen, dass hiervon zur Hälfte Stellen in den Zielgebieten betroffen sind. Gleichzeitig plant das Unternehmen Einschnitte in Frankreich. „Die dortigen Geschäfte sind seit Jahren defizitär und werden jetzt in einem geordneten Prozess saniert“, so der Tui-CEO.

Auch an der Flottenverkleinerung bei Tuifly hält das Unternehmen fest. Hier hält Joussen eine angepeilte Größe von 17 Maschinen angesichts der Nachfrage und den vorhandenen massiven Überkapazitäten in Deutschland für sinnvoll. Die nun genannte Zahl ist nochmals geringer als zuvor kommuniziert: So stand zuvor lediglich eine Halbierung der rund 39 Maschinen starken Flotte im Raum.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Wie der Konzern versucht, die Coronakrise zu überstehen, können Sie auf unserer Themenseite zu Tui nachlesen.

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Mehr über die Tui-CFO finden Sie auf dem Köpfe-Profil von Birgit Conix.