Plant den Kahlschlag bei der Luftflotte: Ferienflieger Tuifly

Tui

05.06.20
Wirtschaft

Tuifly will Flotte halbieren und Standorte schließen

Der angeschlagene Reisekonzern Tui will die Flotte seine Fluggesellschaft Tuifly halbieren und mehrere deutsche Standorte schließen. Angesichts der erhaltenen KfW-Hilfe erntet der Konzern Kritik dafür.

Weiterer Kahlschlag an der Touristikfront: Die zum Reisekonzern Tui gehörende Fluggesellschaft Tuifly will in Zeiten des Coronavirus ihre Flugzeugflotte halbieren. Die Unternehmensführung habe Einsparpläne an die Mitarbeiter kommuniziert und die Gespräche mit Arbeitnehmervertretern aufgenommen, bestätigte ein Tui-Sprecher auf FINANCE-Anfrage entsprechende Medienberichte.

Von den derzeit rund 39 Fliegern vom Typ Boeing 737 sollen rund die Hälfte wegfallen. Zudem sollen mehrere Standorte wie Köln, Münster-Osnabrück und Bremen geschlossen werden. Laut Unternehmensangaben gibt es bei Tuifly derzeit rund 2.000 Vollzeitbeschäftigte, darunter 1.400 Piloten und Flugbegleiter. Wie der Nachrichtensender „ntv“ berichtet, könnten 700 Mitarbeiter, davon 230 Vollzeitstellen, von den Sparmaßnahmen betroffen sein. Dies wollte der Sprecher auf Nachfrage nicht bestätigen.

Reichen Tui die KfW-Hilfen nicht?

Bereits Mitte Mai hatte Tui-Chef Fritz Joussen angekündigt, weltweit rund 8.000 Stellen nicht mehr zu besetzen oder abbauen zu wollen. Nach Aussagen des Pressesprechers sind die nun gefährdeten Arbeitsplätze bei Tuifly ebenfalls Teil dieses Kostensenkungsprogramms. Tuifly will mit dem drastischen Einschnitt die Auslastung auf dem Corona-bedingt sehr schwierigen Flugmarkt gewährleisten. Ab dem 17. Juni will der Ferienflieger seinen Betrieb zwar wieder aufnehmen, allerdings ist der Start eines eigenen Langstreckenangebots auf unbestimmte Zeit verschoben.

Für den Kahlschlag muss Tui herbe Kritik von Arbeitnehmervertretern einstecken – vor allem weil der Mutterkonzern aktuell durch ein KfW-Darlehen gestützt wird. „Wenn nun ein mit Steuergeldern finanzierter Arbeitsplatzabbau kommen sollte, wäre das schon ein starkes Stück“, zitiert die Nachrichtenagentur Dpa einen Gewerkschaftler. Ende März hatte sich Tui-CFO Birgit Conix mit Hilfe eines KfW-Kredits über 1,8 Milliarden Euro weitere finanzielle Luft verschafft. Laut eines Berichts des Online-Magazins „Business Insider“, soll der Reisekonzern außerdem noch über weitere Hilfsanträge nachdenken. Auch diesen Punkt ließ der Konzernsprecher unkommentiert.

Tui erhält Kompensation von Boeing

Finanzielle Entlastung bringt auch eine Einigung mit dem Flugzeugbauer Boeing, die Tui vor wenigen Tagen verkündete. Hier hatte die Stilllegung des zuletzt zweimal abgestürzten Mittelstreckenfliegers 737 Max den Reisekonzern viel Geld gekostet. Der US-Konzern will in den kommenden zwei Jahren einen Großteil des für Tui entstandenen Schadens ausgleichen und gewährt den Hannoveranern ein Cash-Guthaben auf künftige Flugzeugbestellungen. Genaue Zahlen nannte Tui nicht.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Einbrechende Nachfrage, einreißende Lieferketten: Etliche Unternehmen leiden massiv unter den Folgen von Corona. Lesen Sie mehr dazu auf unserer Themenseite zum Coronavirus.

Mehr über die Tui-CFO finden Sie auf dem Köpfe-Profil von Birgit Conix. Wie der Konzern versucht, die Coronakrise zu überstehen, können Sie auf unserer Themenseite zu Tui nachlesen.