Leere Silagesilos in der KTG-Biogasanlage in Dersewitz, aufgenommen vor wenigen Tagen: Vor zehn Tagen sprach KTG Energie noch davon, dass „die Silos gut gefüllt seien“. In Wahrheit sind die Versorgungsprobleme gravierend.

FINANCE

29.08.16
Wirtschaft

KTG Energie verschleiert Versorgungsprobleme

Entgegen den Aussagen des Unternehmens sind viele Silagesilos von KTG Energie leer. Die Versorgungsprobleme sind weitaus schlimmer als dargestellt. Jetzt geht es ums Ganze.

Die Produktionsprobleme bei KTG Energie, von denen FINANCE am 12. August erstmals berichtet hatte, sind weitaus gravierender als vom Unternehmen dargestellt. Auf Anfrage von FINANCE hatte ein Unternehmenssprecher damals schriftlich erklärt: „Die Silos sind wieder gut gefüllt.“ Bildaufnahmen von mehreren Biogasstandorten der KTG, die FINANCE im Anschluss an dieses Statement anfertigen ließ, belegen, dass diese Aussage nicht korrekt war – zahlreiche Silagesilos sind komplett leer. „KTG Energie lebt von der Hand in den Mund“, berichtet ein Firmeninsider.

Die Versorgungslage ist offensichtlich besorgniserregend. Auf Grund der Insolvenz des Mutterkonzerns KTG Agrar und der großen Unsicherheit über die Finanzlage des Biogasproduzenten selbst zieren sich viele Lieferanten. Das Management versucht verzweifelt, die einzelnen Anlagen ans Netz zu bekommen, wann immer es geht, um dringend benötigte Einnahmen zu generieren. KTG Energie bestätigt diese Einkaufsoperationen am Spotmarkt. Doch eine kontinuierliche Substratversorgung findet derzeit nicht statt, und wenn es den Einkäufern von KTG Energie gelingt, an Substratlieferungen heranzukommen, sind diese oft von schlechter Qualität, wie FINANCE aus Unternehmenskreisen erfuhr.

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KTG Energie beschwichtigt erneut

Das Unternehmen beharrt hingegen zu Teilen auf seiner früheren Darstellung. KTG Energie zufolge seien derzeit 65.000 Tonnen Ganzpflanzensilage eingelagert. „Da wir an über 20 Standorten Biogasanlagen betreiben, verteilt sich diese Menge entsprechend“, lässt KTG Energie erklären. Die FINANCE vorliegenden Aufnahmen zeigen allerdings an zahlreichen verschiedenen Standorten weitgehend leere Silokammern.

KTG Energie räumt auf Anfrage die erheblichen Leerstände dieses Mal ein. Die zahlreichen leeren Silokammern, welche die FINANCE-Fotos zeigen, seien jedoch auf Grund „der bevorstehenden Anlieferung von Maissilage vollständig geleert“, beschwichtigt der Biogasproduzent. Es könne „also nicht von leeren Silos auf den Auslastungszustand der Anlagen geschlossen werden", so die offizielle Sprachregelung. Die bevorstehende Maisernte soll die Situation bei der Bevorratung verbessern, hofft KTG.

Geschäftslage von KTG Energie trübt sich immer weiter ein

Die anhaltenden Produktions- und Versorgungsprobleme lassen jedoch befürchten, dass sich die Geschäftslage von KTG Energie in den zurückliegenden Wochen stark eingetrübt hat und das auch weiterhin tut. Offizielle Daten dazu gibt es nicht, allerdings zeigen FINANCE vorliegende interne Daten bei zahlreichen KTG-Biogasanlagen anhaltend volatile Output-Niveaus. Kein Zweifel: KTG Energie schleppt sich geschwächt in Richtung Maisernte.

Während die finanzierenden Banken über die Versorgungskrise zumindest grob im Bilde sein dürften, befinden sich die Investoren von KTG Energie im Blindflug. Die jüngsten verfügbaren Geschäftszahlen des Unternehmens datieren vom 31. Oktober 2015. Bis Mitte dieser Woche will das Unternehmen seinen Halbjahresbericht vorlegen. Dieser sollte ursprünglich schon im Juli präsentiert werden. Aufschluss über die aktuelle Lage wird dieses Zahlenwerk aber nicht geben, denn Berichtsstichtag ist der 30. April. Zum damaligen Zeitpunkt liefen die Biogasanlagen noch in Normalauslastung. Zur aktuellen Lage sind höchstens allgemeine Aussagen zu erwarten, deren Substanz sich anschließend nur schwer überprüfen ließe. 

Neben der Aktie ist KTG Energie auch mit einer Mittelstandsanleihe am Kapitalmarkt notiert. Diese ging am Freitagabend bei einem Kurs von 27 Prozent aus dem Handel. Seit dem Abgang des langjährigen Vorstandschefs Thomas Berger Anfang des Monats wird KTG Energie von Christian Heck als Alleinvorstand geführt. Die Aussagen zum Füllstand der Silokammern wurden unter Hecks Vorstandsverantwortung getätigt.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Die Hintergründe der Pleite des Agrarriesen KTG Agrar sind mehr als dubios. Auch die Biogastochter KTG Energie steckt in diesem Strudel drin. Viele Zusatzinfos zur aktuellen Lage gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu KTG Agrar.