Leoni AG

09.08.19
Wirtschaft

Leoni holt Sanierer an Bord

Der Automobilzulieferer Leoni braucht frisches Geld und will sich aufspalten. Die finanzierenden Banken sind alarmiert. Jetzt soll der bekannte Sanierer Hans-Joachim Ziems die Management-Pläne unter die Lupe nehmen.

Der angeschlagene Automobilzulieferer Leoni will seine nervösen Gläubiger beruhigen und holt dazu den bekannten Sanierer Hans-Joachim Ziems an Bord. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Ziems genießt in der Restrukturierungsbranche einen exzellenten Ruf und sanierte unter anderem die Werkstattkette A.T.U und den Holzverarbeiter Pfleiderer. Häufig agiert er sogar als für die Restrukturierung hauptverantwortlicher Vorstand.

Dass Ziems bei Leoni nicht als Vorstand, sondern nur als Berater mandatiert werden soll, deutet darauf hin, dass die Lage bei den Franken wohl ernst, aber noch nicht existenzgefährdend ist. Leoni selbst hatte im Juli dieses Jahres „Refinanzierungsbedarf“ eingeräumt und angekündigt, sich aufspalten zu wollen. Die überdurchschnittlich profitable Kabelsparte, die mit 1,9 Milliarden Euro für fast ein Drittel des Umsatzes steht, will der Konzern entweder verkaufen oder an die Börse bringen. Es ist die Perle des Konzerns – ein Verkauf dürfte frische Mittel in dreistelliger Millionenhöhe in die Kasse spülen. 

Leonis Banken halten (noch) still

Mit diesem Erlös soll dann die defizitäre Bordnetzsparte gestärkt werden – eine strategische Entscheidung, mit der sich einige Analysten schwertun. Auch die finanzierenden Banken scheinen nicht überzeugt zu sein. Dem Reuters-Bericht zufolge konnte Leoni diesen zwar die Zusage abringen, zunächst keine einseitigen Maßnahmen zu treffen. Allerdings liegen Finanzierungsgespräche gemäß Reuters derzeit auf Eis. Ziems soll zunächst die neue Strategie des Managements auf Herz und Nieren prüfen. 

Managementfehler und schwere Probleme in einem neuen Werk in Mexiko haben Leoni in diese schwierige Lage gebracht. Das hatte auch personelle Konsequenzen: Finanzchef Karl Gadesmann musste Mitte März mit sofortiger Wirkung seinen Hut nehmen, nachdem der Konzern seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung verschreckt hatte. Seit Anfang August ist Ingrid Jägering für die Leoni-Finanzen verantwortlich. In der Zwischenzeit führte Vorstandschef Aldo Kamper das Finanzressort.

Leoni verliert über zwei Drittel an Wert

Die Leoni-Aktionäre gehen derweil immer weiter auf Abstand zu der unklaren Situation. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie über 70 Prozent an Wert verloren, und der Abwärtstrend ist intakt. Auch in dieser Woche ging es wieder um mehr als 5 Prozent nach unten. 

Leoni-Aktie im Abwärtstrend

Damit trifft Leoni die schwache Automobilnachfrage stärker als andere Zulieferer wie Schaeffler, ZF oder Continental, die zwar auch alle ihre Jahresprognosen revidieren mussten, aber nach wie vor profitabel und solide finanziert sind. Leoni hingegen rutschte im ersten Quartal beim Gewinn vor Zinsen und Steuern mit 125 Millionen Euro in die Verlustzone. Im ersten Quartal 2018 hatten die Franken noch 63 Millionen Euro verdient. Die Halbjahreszahlen legt Leoni am kommenden Mittwoch vor.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de