: Das Coronavirus hat Spuren bei Lufthansa hinterlassen: Sie müssen wegen Flugausfällen sparen.

Lufthansa

26.02.20
Wirtschaft

Lufthansa tritt wegen Coronavirus auf Kostenbremse

Wegen Flugausfällen durch das Coronavirus muss die Lufthansa einerseits ihre Sparmaßnahmen verschärfen. Gleichzeitig prüft die Fluggesellschaft angeblich den Zukauf eines Sanierungsfalles.

Wegen des Coronavirus‘ hat die Lufthansa einen neuen Sparplan aufgesetzt. Betroffen sind vor allem neu zu besetzende Stellen, die entweder gestrichen oder verschoben werden sollen, wie die Airline in einer Pressemitteilung bekannt gab. Auch prüft die Airline, die Personalkosten durch unbezahlten Urlaub oder Teilzeit zu senken.

Zudem werden alle geplanten Stations- und Flugbegleiter-Lehrgänge ab April 2020 nicht durchgeführt. In den administrativen Bereichen kürzt die Kernmarke Lufthansa das Projekt-Volumen um 10 Prozent, das Sachkostenbudget außerdem um 20 Prozent, heißt es weiter.

Bisher hat die Airline alle Passagierflüge von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines von und nach Festland-China bis Ende März gestrichen. Auch auf der Strecke nach Hongkong wurden bereits „Kapazitätsanpassungen“ vorgenommen.

Corona-Unsicherheit belastet die Luftfahrtbranche

Positive Aussichten verkündet Lufthansa immerhin bei den Frachtflügen nach China: Diese sollen wieder aufgestockt werden. Ab dem 1. März soll der Frachtverkehr um acht wöchentliche Verbindungen aufgebaut werden, wie ein Sprecher der Lufthansa Cargo kürzlich verkündete. Lufthansa Cargo hatte hier zuletzt ein Minimalangebot von fünf Umläufen in der Woche aufrechterhalten, das Normalmaß liegt bei etwa 15.

Was das genau in Zahlen heißt, will der Konzern am 19. März auf der Bilanzpressekonferenz bekanntgeben. Doch nicht nur die ausgefallenen Personenflüge nach China bereiten Fluggesellschaften aktuell Bauchschmerzen. Durch die Ausbreitung des Virus‘ in anderen Ländern – in Europa aktuell vor allem in Italien – steigt das Risiko, dass auch andere Linien vorübergehend gestrichen werden müssen.

Will Lufthansa den Sanierungsfall TAP kaufen?

In dieser Zeit der Sparmaßnahmen und Unsicherheit machen Gerüchte die Runde, dass die Lufthansa bei einem Sanierungsfall einsteigen könnte. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ prüfen Lufthansa und der Partner United Airlines den Kauf der Fluggesellschaft TAP Portugal, die mit 50 Prozent dem portugiesischen Staat und zu 45 Prozent dem amerikanischen Airline-Unternehmer David Neeleman gehört. Die Verhandlungen könnten sich aber noch hinziehen, hieß es. Lufthansa wollte die mögliche Übernahme gegenüber der Zeitung nicht kommentieren.

Lufthansa, United und TAP arbeiten im Bündnis Star Alliance zusammen. Für die Übernahme spricht, dass auch die Konkurrenten Delta Air Lines und Air France-KLM ein Auge auf TAP geworfen haben sollen – würde TAP an einen von Ihnen gehen, gingen für die Star Alliance wichtige Strecken verloren.

Dagegen spricht, dass TAP ein Sanierungsfall ist. Im vergangenem Geschäftsjahr 2018 machte die Airline bei einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro einen Netto-Verlust von knapp 100 Millionen Euro. Anteilseigner Neeleman soll mit seiner Investition in die TAP nie glücklich geworden sein und seine Anteile so schnell wie möglich verkaufen wollen, schreibt die Süddeutsche. Und auch der portugiesische Staat habe vergeblich versucht, einen Investor für seine Anteile zu finden.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Ob Corona der China-Konjunktur den Rest gibt, können Sie hier nachlesen. Wie sich das Virus auf M&A-Deals auswirkt, finden Sie hier