Insolvenzverwalter Tobias Brinkmann verbreitet im neuen FINANCE Insolvenz-Report Hoffnung für Bavaria Yachtbau.

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13.11.18
Wirtschaft

(Noch) keine Wende am deutschen Insolvenzmarkt

Wieder mehr Großinsolvenzen, aber neue Hoffnung für Bavaria Yachtbau: Im neuen FINANCE Insolvenz-Report verbreitet der Bavaria-Insolvenzverwalter Zuversicht für den geplanten Turnaround durch Neu-Eigner CMP.

Nachdem die Anzahl der insolvent gegangenen Großunternehmen im Frühjahr einen Tiefpunkt erreicht hatte, gab es im dritten Quartal in Deutschland wieder mehr Großinsolvenzen. Das zeigt der neue FINANCE Insolvenz-Report, der in der FINANCE-Datenbank heruntergeladen werden kann. So stellten im abgelaufenen Quartal in Deutschland 25 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 20 Millionen Euro einen Insolvenzantrag. Dies entspricht dem Durchschnitt aller Quartale seit dem Herbst vergangenen Jahres mit Ausnahme des zweiten Quartals, als es nur zu 15 Großinsolvenzen kam.

„Dieser Anstieg kann jedoch nicht als Trendwende gewertet werden“, glaubt das Beratungshaus Falkensteg, das die Insolvenzmarktdaten für FINANCE erhebt. „Und auch das vierte Quartal lässt keine signifikante Veränderung erwarten.“

SAM Automotive liefert größte Insolvenz des Quartals

Geprägt sind die aktuellen Insolvenzfälle durch Pleiten von Verlagen und Druckereien sowie Unternehmen aus der Automobilindustrie. Auf beide Industriegruppen entfielen jeweils vier Insolvenzanträge.

Das größte betroffene Unternehmen ist SAM Automotive. Der Mittelständler beschäftigt 1.800 Mitarbeiter und erlöste mit der Fertigung von Autoteilen etwa im Autofensterbereich zuletzt rund 230 Millionen Euro im Jahr. Im Automobilsektor dauern Insolvenzverfahren mit 315 Tagen deutlich länger als im Durchschnitt aller Industrien, der bei 197 liegt, wie eine Sonderauswertung von Falkensteg für den aktuellen FINANCE Insolvenz-Report zeigt.

Weitere Großinsolvenzen betreffen den Kettcar-Hersteller Kettler sowie die Medienholding Heer. Dort sind zusammen rund 1.300 Arbeitsplätze bedroht.

Insolvenzverwalter macht Bavaria Yachtbau Mut

Bei den Verfahrensausgängen des abgelaufenen Quartals ragen zwei Unternehmen mit Private-Equity-Hintergrund heraus, für die jeweils eine Fortführungslösung gefunden werden konnte. Der badische Kompensatorenhersteller BOA hatte Anfang des Jahres Insolvenz angemeldet und konnte nun von Insolvenzverwalter Joachim Exner an die Industriegruppe Ring International verkauft werden. Alle 1.200 Arbeitsplätze, ein Viertel davon in Deutschland, sollen erhalten bleiben.

Auch der Schiffbauer Bavaria Yachtbau, den im Frühjahr Hedgefonds hatten fallen lassen, bekommt mit der Übernahme durch den deutschen Turnaround-Investor CMP noch eine Chance. „Der Insolvenzantrag wurde zu einem kritischen Zeitpunkt gestellt, denn im April beginnt die Auslieferungssaison für die Schiffe. Dennoch war die Betriebsfortführung erstaunlich hürdenfrei“, erzählt Insolvenzverwalter Tobias Brinkmann in einem Interview für den aktuellen FINANCE Insolvenz-Report.

Am Ende des M&A-Prozesses habe es „eine deutlich zweistellige Anzahl an indikativen Angeboten“ gegeben, berichtet Brinkmann, der einen positiven Ausblick wagt: „Obwohl es aufgrund der operativen Probleme keine einfachen Lösungen für den Turnaround gibt, habe ich kaum Zweifel, dass CMP Bavaria Yachtbau wieder auf einen profitablen Kurs bringen kann.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Mehrjahresstatistiken, weitere Hintergründe zu den größten laufenden Insolvenzverfahren und ein ausführliches Interview zur Rettung von Bavaria Yachtbau finden Sie hier in der neuen Ausgabe des FINANCE Insolvenz-Reports