Die Verschiebung der Marktanteile unter den Wirtschaftsprüfern von Deutschlands erster Börsenliga nimmt kein Ende. Als 2016 die gesetzliche Rotationspflicht eingeführt wurde, geriet die Welt der Big Four (KPMG, PwC, Deloitte und EY) erstmals ins Wanken: Kapitalmarktorientierte Unternehmen waren gezwungen, ihr Prüfmandat nach zehn Jahren neu ausschreiben – den bisherigen Prüfer durften sie zwar erneut wählen, aber nur noch für maximal zehn weitere Jahre, danach war endgültig Schluss.
Seitdem ist viel passiert: KPMG ist längst nicht mehr der klare Marktführer. PwC hat ordentlich aufgeholt, und auch EY hat – trotz einer durch den Wirecard-Skandal verursachten kleinen Delle – unter dem Strich stark dazugewonnen. Deloitte sicherte sich nach und nach ebenfalls ein paar Dax-Mandate. Dies hätte die neue Marktverteilung für das nächste Jahrzehnt werden können.
FISG wirbelt Dax-Mandate durcheinander
Doch es kam anders: Infolge des Wirecard-Skandals wurde das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität (FISG) verabschiedet, das nun einen verpflichtenden Wechsel nach spätestens zehn Jahren vorsieht. Das hat jetzt eine zweite Wechselwelle ausgelöst: Etliche Dax-Unternehmen suchen nun ab dem Geschäftsjahr 2024 nach einem neuen Prüfer. Das sorgt für ungewollten Aufwand bei Prüfern und bei Unternehmen und kann die WP-Gesellschaften wieder einige der mühsam gewonnenen Mandate kosten – es bietet aber jenen, die bisher nicht so gut dastanden, auch wieder neue Chancen.
Wie genau sich die Machtverhältnisse zwischen KPMG, PwC, Deloitte und EY aufteilen, wer die vielversprechendsten Dax-Mandate hat und wer jetzt dringend die neuen Chancen nutzen sollte, zeigt die Analyse.
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