Harald Wilhelm: der Zielstrebige

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Harald Wilhelm hat 2023 trotz herausforderndem Umfeld seine Ziele erreicht. Foto: Mercedes-Benz
Harald Wilhelm hat 2023 trotz herausforderndem Umfeld seine Ziele erreicht. Foto: Mercedes-Benz

Die Automobilbranche hat es derzeit schwer: Die Branche steckt in der größten Transformation ihrer Geschichte. Denn ab 2035 werden in der EU nur noch Verbrenner zugelassen, die beim Fahren CO2-emissionsfrei sind. Der Weg dorthin ist steinig und weit – die Geschäfte der Industrieriesen gehen zurück.

Mittendrin stecken auch der Autobauer Mercedes-Benz und sein Finanzchef Harald Wilhelm. Und dieser trotzt den Herausforderungen: So hat der 1966 geborene Manager für das abgelaufene Geschäftsjahr 2023 alle seine Ziele erreicht oder gar übertroffen – und dafür auch ein hohes Gehalt kassiert. Unser CFO des Monats April.

CFO Harald Wilhelm erreichte Jahresziele für 2023

Wilhelms Ziele für das Jahr 2023 haben unter anderem eine finanzielle Komponente. Beispiel Gewinn: Das Konzern-Ebit, also das Ergebnis vor Steuern und Zinsen, lag bei 19,7 Milliarden Euro (2022: 20,5 Milliarden Euro). Damit übertraf Wilhelm den Jahreszielwert von 18,2 Milliarden Euro – verfehlte jedoch den Maximalwert von 22,75 Milliarden Euro. Die Zielerreichung lag hierbei bei 166 Prozent.

Die zweite finanzielle Kennzahl bezog sich auf den Free Cashflow des Industriegeschäfts. Mit 11,9 Milliarden Euro übertraf Wilhelm das Ziel für 2023 von 10,10 Milliarden Euro ebenfalls deutlich. Hinzu kamen außerdem nicht-finanzielle sowie Transformationsziele, darunter Kunden- oder ESG-Ziele. Somit erhielt Wilhelm am Ende einen Jahresbonus von knapp 2,6 Millionen Euro, was ihm im Jahr 2023 den höchsten Kurzzeitbonus aller Dax-CFOs bescherte.

Auch der Jahresumsatz des Konzerns entwickelte sich 2023 gut, er stieg um 2,1 Prozent auf 153,2 Milliarden Euro. Wilhelms Gehalt war allerdings nicht direkt an diesen geknüpft.

Hohe Boni in der Automobilbranche

Doch damit nicht genug: Auch auf lange Sicht konnte der Finanzchef seine Ziele realisieren. Wilhelms Langzeitbonus hat eine Laufzeit von vier Jahren – von 2019 bis 2023 – und war unter anderem an die Entwicklung der relativen Umsatzrendite sowie an der relativen Aktienkursperformance im Vergleich zu börsennotierten Mitbewerbern wie BMW, Volkswagen oder Porsche geknüpft. Die Zielerreichung der Tranche lag bei 186 Prozent. Damit erhielt Wilhelm einen Long-Term Incentive (LTI) in Höhe von 2,4 Millionen Euro.

Auch die Dax-Konkurrenten Volkswagen, BMW und Porsche haben ihren Finanzchefs 2023 hohe Gehälter bezahlt: So erhielt Volkswagen-Finanzchef Arno Antlitz 3,7 Millionen Euro, davon knapp 2 Millionen Euro Jahresbonus. Einen LTI bekam er nicht. Porsche-CFO Lutz Meschke wurde 2023 mit 3,6 Millionen Euro vergütet. Auch er bekam für 2023 einen Kurzzeitbonus von 1,6 Millionen Euro sowie einen LTI in Höhe von 960.000 Euro. Mit Blick auf die Kurzzeitboni und die Gesamtvergütung ist Mercedes-CFO Wilhelm aber der Spitzenreiter unter den Dax-Auto-CFOs.

Harald Wilhelm ist seit 2019 Mercedes-CFO

Erwähnenswert ist hierbei, dass es für Wilhelm der erste Langzeitbonus war, den er von Mercedes erhalten hat. Er ist seit Mai 2019 CFO des Dax-Konzerns und folgte seinerzeit auf den langjährigen Finanzvorstand Bodo Uebber. Wilhelm verantwortet seitdem die Ressorts Finanzen und Controlling sowie den Geschäftsbereich Mercedes-Benz Mobility. Vor seiner Zeit bei dem Autobauer war der 58-Jährige vom Jahr 2000 an bei dem Flugzeughersteller Airbus tätig. Im Juni 2012 übernahm er den CFO-Posten des Konzerns und hatte diesen bis zu seinem Amtsantritt bei Mercedes inne.

Damit hat sich Wilhelm innerhalb von vier Jahren zum bestbezahlten Dax-CFO hochgearbeitet. Durch seine erste fällige LTI-Tranche sowie eine hohe Zielerreichung im Jahr 2023 erhielt Wilhelm eine Gesamtvergütung in Höhe von 5,9 Millionen Euro. Und nicht nur im Vergleich mit anderen Dax-Finanzchefs schneidet Wilhelm gut ab. Verglichen mit dem Vorjahr hat sich seine Vergütung nahezu verdoppelt (2022: 2,9 Millionen Euro) – ein Indiz guter Arbeit.

Mercedes startet schwach ins Jahr 2024

Zurücklehnen kann sich Mercedes-CFO Wilhelm jedoch trotzdem nicht, denn 2024 warten noch einige Herausforderungen auf den Manager und sein Unternehmen. So startete Mercedes schwach in das Geschäftsjahr 2024. Als Grund gaben die Stuttgarter Probleme in der Lieferkette sowie den Absatzrückgang bei den Top-Modellen wie der S-Klasse an.

In Zahlen ausgedrückt wird die Situation noch deutlicher: Der Konzerngewinn fiel im ersten Quartal mit gut 3 Milliarden Euro um rund ein Viertel geringer aus als noch im Vorjahr (gut 4 Milliarden Euro). Der Umsatz sank im ersten Quartal um 4,4 Prozent auf knapp 35 Milliarden Euro. Zu spüren war das auch an der Börse: Zwischenzeitlich rutschte der Aktienkurs des Dax-Konzerns um mehr als 5 Prozent auf 70,63 Euro ab.

Nichtsdestotrotz gibt sich CFO Wilhelm für 2024 optimistisch und erwartet in der zweiten Jahreshälfte einen Aufschwung der Geschäfte, während der geplante Verkauf der Autohäuser frisches Cash in die Unternehmenskassen spülen dürfte. Und Wilhelm hat allen Grund für den Optimismus: Denn, dass die Auftragseingänge bei Mercedes wieder anziehen, dürfte auch in seinem finanziellen Interesse liegen.

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Gehalt und Personal. Zudem ist sie Moderatorin bei FINANCE TV. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.