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Endspurt hievt Schuldscheinmarkt über 20-Milliarden-Euro-Marke

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Die Supermarktkette Edeka hat neben Asklepios Kliniken den größten Schuldschein im vierten Quartal 2025 platziert. Foto: Schneestarre – stock.adobe.com
Die Supermarktkette Edeka hat neben Asklepios Kliniken den größten Schuldschein im vierten Quartal 2025 platziert. Foto: Schneestarre – stock.adobe.com

Wer hätte das gedacht? Nach einem sehr schwachen Auftaktquartal 2025 hat sich der Schuldscheinmarkt im Jahresverlauf noch berappelt: Am Ende lag das insgesamt emittierte Volumen mit 21,77 Milliarden Euro rund 10 Prozent über dem Vorjahresniveau in Höhe von knapp 20 Milliarden Euro. Dies geht aus dem neuen FINANCE-Schuldschein-Update hervor, das das Datenanalysehaus LSEG exklusiv für FINANCE aufbereitet.

Dazu trug ein lebhaftes viertes Quartal bei: So wurden in den Monaten Oktober bis Dezember Schuldscheine über insgesamt knapp 7 Milliarden Euro neu platziert, was in etwa dem Niveau des Vorquartals entspricht. Die größten Transaktionen stammten von der Zentralgesellschaft der Edeka-Gruppe sowie dem Klinikbetreiber Asklepios mit jeweils 600 Millionen Euro, gefolgt von Deutscher Telekom (517 Millionen Euro) und Springer Nature, die mit 500 Millionen Euro die größte Debüttransaktion 2025 auflegten.

„Der Schuldscheinmarkt hat die Erwartungen übertreffen können“, sagt Klaus Pahle, Head of Schuldschein-Syndicate der ING in Deutschland. Trotz einer spürbaren Zurückhaltung zum Jahresbeginn aufgrund von politischen Unsicherheiten sowie einer schwachen Konjunktur, insbesondere in Deutschland, habe die Emissionstätigkeit ab Mitte des Jahres und zum Jahresende 2025 deutlich angezogen, so Pahle.

Gutes Schuldscheinjahr trotz Anleihe-Boom

Das Ergebnis ist auch deshalb bemerkenswert, da der europäische Corporate-Bondmarkt 2025 mit rund 550 Milliarden Euro einen neuen Emissionsrekord verzeichnete. Der bisherige Höchststand hatte bei etwa 500 Milliarden Euro im Corona-Jahr 2020 gelegen. „Die nachhaltig stabilen Anleihemärkte boten Emittenten, die mit einem expliziten Investmentgrade-Rating aufwarten konnten, durchgehend günstigere Finanzierungskosten als der Schuldscheinmarkt“, ordnet Carsten Lohle, Co-Leiter DCM in der Unternehmensbank der Deutschen Bank, ein. Mit wenigen Ausnahmen hat es solche Adressen demzufolge 2025 nicht in den Schuldscheinmarkt gezogen.

Laut ING-Banker Pahle seien Anleihen für Unternehmen im BBB-Bereich zeitweise im Schnitt bis zu 40 Basispunkte attraktiver bepreist gewesen als Schuldscheine. Bei Letzteren habe es konditionsseitig im vergangenen Jahr übrigens kaum Bewegung gegeben: „Das Spread-Niveau blieb über das Jahr 2025 betrachtet stabil und zeigte keine größeren Schwankungen“, sagt Lohle. So habe das Pricing für Unternehmen mit einem angenommenen BBB-Rating für einen fünfjährigen Schuldschein im Schnitt bei Mid Swap plus 150 Basispunkte gelegen.

Lidl und Porsche mit größten Schuldscheinen 2025

Gemessen am Volumen war der Einzelhandel der aktivste Sektor am Schuldscheinmarkt 2025. Das Segment zeichnete laut Helaba Research für rund 18 Prozent des Volumens verantwortlich, darunter auch den größten Deal des Jahres: Der Discount-Riese Lidl emittierte im März einen Schuldschein über 1,3 Milliarden Euro, gefolgt von der Porsche Holding (950 Millionen Euro) und dem Luxemburger Stahlkonzern Arcelormittal (700 Millionen Euro). Insgesamt wurden laut LSEG im vergangenen Jahr 98 neue Schuldscheine platziert, 2024 waren es 93.

„Neben der regen Aktivität von Emittenten aus der DACH-Region nutzten insbesondere Emittenten aus Frankreich und Italien den Schuldscheinmarkt für (Re-)Finanzierungszwecke“, ergänzt Lohle von der Deutschen Bank. Laut Helaba-Daten wurde 2025 knapp ein Drittel des gesamten Platzierungsvolumens von nicht-deutschen Corporates getätigt. Erneut rückläufig waren hingegen ESG-Transaktionen, deren Anteil sich laut ING-Banker Pahle angebotsseitig auf unter 10 Prozent belief und die somit nur noch einen Nischenplatz einnahmen.

Optimistischer Ausblick für das Schuldscheinjahr 2026

Mit Blick auf das laufende Jahr erwartet Deutschbanker Lohle, dass der Schuldscheinmarkt für traditionelle Mid-Cap-Namen eine verlässliche und aufnahmefähige Finanzierungsquelle bleibt: „Ein potentieller Treiber der Emissionstätigkeit könnte neben den anstehenden Fälligkeiten der erwartete Anstieg der Aktivitäten im M&A-Markt mit den entsprechenden Finanzierungsbedarfen sein.“

Nach Einschätzung von Klaus Pahle wird der Schuldschein 2026 im Wachstumsmodus bleiben: „Volumentechnisch erwarten wir einen Anstieg auf über 25 Milliarden Euro, insbesondere getrieben durch die Internationalisierung der Emittentenbasis.“

Bookrunners: LBBW, Helaba und Commerzbank vorne

Bei den Bookrunners im Schuldscheinmarkt führte auch 2025 kein Weg an der LBBW vorbei. Mit einem Marktanteil von knapp 24 Prozent (46 Deals) liegt sie mit großem Abstand auf Platz 1.

Das Verfolgerfeld wird mit der Helaba (11 Prozent/27 Deals) ebenfalls von einer Landesbank angeführt. Auf Rang 3 folgt die Commerzbank, knapp dahinter liegen Unicredit, DZ Bank, BNP Paribas und BayernLB.

Info

Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.