Restrukturierungs-News: Sanicare, Mitteldeutsche Flughafen AG, Kodi

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Die Versandapotheke Sanicare will sich im Eigenverwaltungsverfahren sanieren. Foto: Михаил Решетников - stock.adobe.com
Die Versandapotheke Sanicare will sich im Eigenverwaltungsverfahren sanieren. Foto: Михаил Решетников - stock.adobe.com

Versandapotheke Sanicare ist insolvent

Die BS-Apotheken, Betreiber der Sanicare-Versandapotheke, haben Mitte Juli Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Die finanzielle Schieflage resultiert der Sanierungsberatung BBR Buchalik Brömmekamp zufolge aus rückläufigen Umsätzen und hohen Investitionen. Ziel sei es nun, die Kosten zu straffen und die Ertragslage zu verbessern. Ein Sanierungskonzept werde in den kommenden Wochen finalisiert, unterstützt von der Unternehmensberatung Plenovia. Es ist bereits die zweite Insolvenz. Die erste durchlief das Unternehmen 2012. Sanicare beschäftigt nach eigenen Angaben 74 Mitarbeitende und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro.

Jasper Stahlschmidt und Hans-Georg Fritsche (beide BBR Buchalik Brömmekamp) agieren als Generalbevollmächtigte. Heinrich Fritz Stellmach (Stellmach & Bröckers) wurde als vorläufiger Sachwalter bestellt. Die Maßnahmen sollen die Liquidität stärken und das Unternehmen zukunftsfähig aufstellen.

Mitteldeutsche Flughafen AG beendet Restrukturierung

Die Mitteldeutsche Flughafen AG hat ihre Sanierung rund sechs Monate früher als geplant abgeschlossen und startet nun in die Transformationsphase, hat das Unternehmen mitgeteilt. Nun liegt der Fokus auf der wirtschaftlichen Weiterentwicklung der Standorte Leipzig/Halle und Dresden sowie der Erschließung neuer Wachstums- und Ertragspotenziale.

Der wirtschaftliche Turnaround der Unternehmensgruppe zeigt sich auch im positiven Konzernergebnis von 10,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 und einem Umsatz von über 200 Millionen Euro. Die Finanzierung ist bis 2038 gesichert. Das Bankenkonsortium wurde von Noerr beraten. Mit dem Abschluss der Sanierung endet zudem das Mandat von Chief Restructuring Officer Michael Hengstmann planmäßig.

Kodi stellt erneut Insolvenzantrag

Der Discounter Kodi hat erneut ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, um seinen Fortbestand zu sichern. Erwartet wird Unternehmensangaben zufolge die Schließung von rund 50 der 150 Filialen. Zuerst hatte die „Lebensmittel Zeitung“ darüber berichtet. Die Herausforderungen umfassen schwache Konsumstimmung, digitalen Wettbewerbsdruck, hohe Energiekosten und steigende Mietkosten. Lucas Flöther (Flöther & Wissing) wurde als vorläufiger Sachwalter bestellt.

Bereits 2024 hatte Kodi ein Schutzschirmverfahren durchlaufen, bei dem die Filialanzahl von 240 auf 150 reduziert wurde. Die Muttergesellschaft übernahm im Februar den Non-Food-Discounter Mäc Geiz, der ebenfalls im Mai ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragte.

Yeans Halle erneut unter Schutzschirm

Ein ähnliches Schicksal wie Kodi ereilte nun auch Yeans Halle. Der Modehändler steht ebenfalls erneut vor einer Herausforderung: Der Mutterkonzern Trender Jeansmode reagiert auf die anhaltend schwierigen Bedingungen im stationären Modehandel und eröffnete für Yeans Halle ein Eigenverwaltungsverfahren, um sich erneut neu aufzustellen. Bereits 2024 folgte das Unternehmen einem Sanierungsverfahren. Steffen Beck (Pluta) übernimmt erneut die Rolle des CRO. Das Amtsgericht hat Tibor Daniel Braun (IBK Illig Braun Kirschnek) als vorläufigen Sachwalter bestellt. Ziel sei es, die Kostenstruktur zu optimieren und das Unternehmen effizienter aufzustellen, um eine nachhaltige Fortführung zu sichern. Ein Hackerangriff im Jahr 2025 und das schwierige wirtschaftliche Umfeld belasten zusätzlich. In den 13 Filialen sind rund 200 Mitarbeitende beschäftigt.

Alles zum Thema

Cybercrime

Ob Hacker-Attacke oder Angriff mit Schadsoftware: Finanzabteilungen sind regelmäßig von Cybercrime bedroht. FINANCE hat zusammengetragen, welche Strategien die Angreifer nutzen und wie CFOs ihre Daten vor Attacken schützen können.

Aluminium-Hersteller schließt zwei Fabriken

Die Aluminium Rheinfelden Gruppe schickt zwei ihrer drei Fabriken in Eigenverwaltung und beantragt, die beiden Fabriken Aluminium Rheinfelden Alloys sowie Rheinfelden Semis zu schließen. Rund 185 Beschäftigte sind betroffen. Verhandlungen mit dem Betriebsrat seien sofort begonnen worden, heißt es in einer Mitteilung des Sanierungsberaters Schultze & Braun. Rheinfelden Carbon Products bleibt unberührt und setzt ihre Produktion für die metallurgische Industrie fort. Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, steigende Energiepreise und schwache Nachfrage machten eine Fortführung der Aluminiumverarbeitung unmöglich.

Frank Walz- und Schmiedetechnik nutzt Eigenverwaltung

Die Frank Walz- und Schmiedetechnik, ein Hersteller von verschleißfesten Walz‑ und Schmiedeteile in der Landtechnik, hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Markus Mertens (Montag & Montag) und die Berater der Kanzlei Görg unterstützen den Prozess. Der Geschäftsbetrieb läuft mit den rund 160 Mitarbeitenden als den Standorten Hatzfeld und Brehna weiter, während die Standorte in der Ukraine, Ungarn und den USA nicht betroffen sind. Carsten Koch (Westhelle und Partner) wurde als vorläufiger Sachwalter bestellt.

Swissplast übernimmt Durotherm

Die Swissplast Gruppe, die auf außergewöhnliche Kunststoffteile spezialisiert ist, hat den in Schieflage geratenen Kunststoffverarbeiter Durotherm übernommen. Im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens wurden die Vermögenswerte und Geschäftstätigkeiten von Durotherm übernommen und in einer Nachfolgegesellschaft fortgeführt. Die Standorte Haiterbach und Lindlar bleiben durch den Distressed-M&A-Prozess bestehen, Kundenbeziehungen werden fortgeführt und viele Arbeitsplätze gesichert. Holger Rhode und Raul Taras (Görg) als Chief Insolvency Officer sowie Frederik Wittop (Montag & Montag) als CRO spielten zentrale Rollen in diesem Prozess. Als vorläufiger Sachwalter war Martin Mucha (Grub Brugger) bestellt.

Sanierungsverfahren für Profilator

Der Hersteller für Präzisions-Werkzeugmaschinen aus Wuppertal, Profilator, setzt auf eine betriebliche Neuaufstellung in Eigenregie, um seine Position im globalen Markt zu stärken. Die Produktion von Präzisions-Werkzeugmaschinen für die Verzahnungstechnik läuft weiter, während Schultze & Braun das Unternehmen bei der Sanierung unterstützt. Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und das Unternehmen nachhaltig neu aufzustellen. Thomas Ellrich (Voigt Salus) beaufsichtigt das Verfahren als vorläufiger Sachwalter.

MBO bei J.G. Weisser Söhne

Der Geschäftsbetrieb von J.G. Weisser Söhne ist gerettet. Ein Management-Buy-out durch vier langjährige Führungskräfte sichert die Zukunft des Maschinenbauunternehmens, das nun als J.G. Weisser firmiert. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge der Coronavirus-Pandemie und der Insolvenz der US-Muttergesellschaft Hardinge wurde im September 2024 ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet. Marc-Philippe Hornung (SZA Schilling, Zutt & Anschütz) überwachte den Prozess, der 156 Arbeitsplätze in St. Georgen langfristig sichert.

Übertragene Sanierung rettet De Crignis

Die Beteiligungsgesellschaft LSL Capital Group und der Investor Soseco haben den Augsburger Metallverarbeiter De Crignis in einer übertragenden Sanierung übernommen, um ihre Buy and Build-Strategie in der Metallverarbeitung fortzusetzen. Das Unternehmen firmiert nun als De Crignis Metall und fokussiert sich eigenen Angaben zufolge auf hochwertige Metallverarbeitung für die Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie. Andreas Bonnard, geschäftsführender Gesellschafter der LSL Capital, und Udo Ehrlinger, Geschäftsführer der De Crignis, übernehmen die Geschäftsführung. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. Darüber hinaus seien Investitionen in moderne Technologien und Digitalisierung geplant, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und neue Marktpotenziale zu erschließen.

Investorenprozess für kriselnde SMB International gestartet

Der Lagersysteme-Hersteller SMB International aus Quickborn hat ein Eigenverwaltungsverfahren beantragt, um Liquiditätsschwierigkeiten zu bewältigen, die aufgrund von drei durch die aktuelle Marktveränderung und durch Lieferengpässe unrentabel gewordene Projekte entstanden sind. Die Geschäftsführung bleibt im Amt und wird durch Katharina Hansen und Matthias Wolgast (Münzel & Böhm) unterstützt. Jennie Best (Reimer) wurde zur vorläufigen Sachwalterin ernannt. Ein Investorenprozess wird gestartet, um die nachhaltige Sanierung des Unternehmens zu sichern.

Info

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.