Der Windparkprojektierer PNE Wind hat nach zwei Monaten Vakanz an der Unternehmensspitze wieder einen neuen Chef: Das Aufsichtsratsmitglied Per Hornung Pedersen übernimmt den Posten interimistisch bis zum 25. Mai nächsten Jahres. Der Hamburger Unternehmensberater für erneuerbare Energien war lange in der Windbranche tätig, unter anderem als Vorstandsvorsitzender bei Repower Systems (heute Senvion).
Für die Dauer seiner Vorstandstätigkeit wird das Aufsichtsratsmandat ruhen, das er noch nicht lange innehat. Pedersen wurde erst am 23. Oktober in das vollständig neu zu besetzende Gremium gewählt, als PNE Wind nach einem jahrelangen Machtkampf personell reinen Tisch machte.
Der frühere Vorstandsvorsitzende Martin Billhardt hatte sich zusammen mit dem bisherigen Aufsichtsratschef Dieter Kuprian ein Duell mit dem Großaktionär und Aufsichtsratsmitglied Volker Friedrichsen geliefert. Zum Showdown der Auseinandersetzung kam es bei einer Hauptversammlung im Juni, die im Chaos endet. Weil der Machtkampf zu einer so großen Belastung für das Unternehmen geworden war, blieb letztlich nur ein kompletter Neuanfang. Martin Billhardt war Ende September aus dem Unternehmen ausgeschieden und der Aufsichtsrat war komplett zurückgetreten.
PNE Wind kämpft um Finanzierung der Tochter WKN
Mit der Wahl von Per Hornung Pedersen als Übergangschef will sich das Unternehmen Zeit nehmen, um „eine langfristige Regelung der zukünftige Zusammensetzung des Vorstandes“ zu finden, heißt es. COO Markus Lesser und CFO Jörg Klowat bleiben weiterhin im Vorstand.
Der personelle Neuanfang bei PNE Wind ist überfällig: Die internen Querelen sorgen für Unsicherheiten bei den Geldgebern, der 29 Millionen Euro schwere Konsortialkredit der Tochter WKN wackelt. Nachdem eine Bank aufgrund der gestiegenen Risiken durch die Streitigkeiten im Unternehmen Ende September eine Avalkredit-Fazilität nicht verlängert hat, besteht für alle anderen beteiligten Banken die Möglichkeit zur Kündigung des Kredits.
PNE Wind hätte zwar die Mittel, um WKN unter die Arme greifen, der Zeitpunkt ist aber schlecht: Zum einen musste das Unternehmen gerade erst eine Gewinnwarnung verkünden: Weil die schottischen Behörden die Genehmigung für das wichtige Windparkprojekt „Sallachy“ verweigert haben, wird das angepeilte Konzern-Ebit voraussichtlich um 25 Millionen Euro niedriger ausfallen als geplant und nur noch 5 bis 15 Millionen Euro betragen. Zum anderen drückt das Projekt YieldCo, in dem neu entwickelte Windparks gebündelt und verkauft werden, auf die Bilanz.
Stillhalteabkommen für WKN-Finanzierung verlängert
Die Verhandlungen mit den Banken laufen seit Wochen, noch steht das Ergebnis nicht fest. PNE Wind hat sich jetzt mehr Zeit gekauft: Das Stillhalteabkommen mit den Banken sollte eigentlich gestern auslaufen. Doch der Windparkprojektierer erhält erneut einen Aufschub. Die Entscheidung soll jetzt im Laufe des Dezembers fallen, wie FINANCE erfuhr. Bis Ruhe bei PNE Wind einkehrt, ist der Weg also noch weit – sowohl personell als auch finanziell.
Info
Die Hintergründe rund um den Machtkampf bei PNE Wind finden Sie auf unserer Themenseite PNE Wind.
Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und Chefin vom Dienst bei DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.
