Wer wird neuer Chef der BayernLB? Die Landesbank kommt mit ihrer Suche offenbar voran.

BayernLB

05.02.19
Banking & Berater

BayernLB sucht Chef und Strategie

Die BayernLB sucht einen neuen Chef – eine Liste mit mehreren möglichen Kandidaten rückt vor allem zwei in den Vordergrund. Was bedeutet das für die Strategie der Landesbank?

Die BayernLB kommt mit ihrer Suche nach einem neuen Vorstandvorsitzenden offenbar voran. Die Suche läuft bereits seit Mitte Dezember, nachdem der derzeitige Chef Johannes-Jörg Riegler verkündet hatte, seinen bis Ende Februar laufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern. Er wird die Landesbank nach fünf Jahren verlassen.

Bei der Suche nach einem neuen Chef habe die Qualität Vorrang vor dem Tempo, betonte Aufsichtsratschef Wolf Schumacher im Dezember. Trotzdem drängt ob Rieglers nahendem Abgang die Zeit. Bei der Nachfolgesuche hätten sich inzwischen einige Favoriten herauskristallisiert,  berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Finanzkreise. 

Interimschef Zoller hat gute Aussichten

Zu den aussichtsreichen Kandidaten gehört Vizechef Edgar Zoller, der nach Rieglers Weggang die Bank fürs Erste interimistisch führen soll. Zoller ist seit 2009 im Vorstand der BayernLB und seit 2011 Vizechef. Er verantwortet das Geschäftsfeld Immobilien & Sparkassen/Verbund einschließlich der Kommunal- und Förderbank BayernLabo (Bayerische Landesbodenkreditanstalt). Zuvor war er bei der Hypovereinsbank tätig.

Zoller wird hoch angerechnet, wie er darum kämpfte, nach dem Beinahezusammenbruch der BayernLB  das Verhältnis zu den Sparkassen wieder zu verbessern. Die bayerischen Sparkassen, die 25 Prozent an der BayernLB halten, mussten sich damals an der milliardenschweren Rettung beteiligen. Finanzkreisen zufolge würden die Sparkassen Zoller gerne an der Spitze sehen, schreibt das Handelsblatt.

Ex-CFO Winkelmeier bringt BayernLB-Erfahrung mit

Ebenfalls gute Chancen schreibt die Wirtschaftszeitung Stephan Winkelmeier zu, aktuell Chef der Abwicklungsanstalt FMS. Auch Winkelmeier hat Stallgeruch: Er war seit 2010 Vorstand der Landesbank, 2011 wurde er zum CFO berufen, 2013 übernahm er zusätzlich die Position des Chief Operating Officers. In diese Zeit fielen die Sanierung und die Neuausrichtung der Bank.

2014 verließ er die BayernLB, um zum Finanzinvestor Senata zu wechseln. Seit 2015 ist er bei der FMS Wertmanagement, der Bad Bank der Hypo Real Estate. Seit 2017 ist er außerdem Aufsichtsrat der BayernLB.

Ebenfalls auf der Kandidatenliste steht offenbar Manuela Better, von 2010 bis 2014 Chefin der Hypo Real Estate (HRE) und der HRE-Tochter Depfa. Die Restrukturierungsexpertin ist seit 2015 Risikovorständin der Deka Bank und dort auch verantwortlich für die Bereiche Recht und Compliance. 

BayernLB hat Strategieprojekt aufgesetzt

Zu den weiteren Kandidaten soll außerdem der ehemalige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret gehören. Auch Christian Ricken, seit 2017 Kapitalmarktvorstand der LBBW, sei als Nachfolgekandidat angesprochen worden, habe aber abgelehnt. Alle Kandidaten sowie die BayernLB äußerten sich auf Anfrage des Handelsblatts nicht.

Die unterschiedlichen Profile der potenziellen Nachfolger zeigen, wie offen die künftige Ausrichtung der Landesbank ist. Aufsichtsratschef Schumacher sowie Interimschef Zoller hätten ein großes Strategieprojekt gestartet, um über die Zukunft der Bank zu diskutieren, heißt es in dem Bericht. 

BayernLB entwickelt sich positiv

Die Restrukturierung hat die Bank inzwischen abgeschlossen, die aktuellen Zahlen sind im Branchenvergleich gut. Während die beiden nördlichen Landesbanken ums Überleben kämpfen, verbesserte die BayernLB ihr Vorsteuerergebnis in den ersten neun Monaten 2018 um knapp 30 Prozent auf 716 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss wuchs um 2,6 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. Im Firmenkundengeschäft konnte die BayernLB den Vorsteuergewinn mit 222 Millionen Euro immerhin stabil halten. 

Ein wichtiger Faktor für die Rückkehr der BayernLB zur alten Ertragsstärke ist die überaus erfolgreiche Direktbanktochter DKB. Die BayernLB steht nun vor der Frage, ob die DKB zum Kern des Instituts werden und im Gegenzug das klassische Landesbankengeschäft reduziert werden soll. Auch die weitere Forcierung des Auslandsgeschäfts steht zur Position. 

Könnte die BayernLB sogar privatisiert werden?

Vor allem aber müssen die Verantwortlichen der BayernLB entscheiden, wie sie die Bank für die möglicherweise anstehende Neuordnung des Landesbankensektors positionieren wollen. Das Projekt einer „Mega-Landesbank“ ist aktuell vom Tisch, könnte aber jederzeit wieder auf Tagesordnung kommen.

Die BayernLB hat sich im Herbst, als die Spekulationen in diese Richtung aufkamen, sehr zurückhaltend geäußert – ähnlich wie die zweite erfolgreiche Landesbank in Süddeutschland, die LBBW. Aktiver positionierte sich die Helaba, die sogar erwog, bei der NordLB einzusteigen und so einen ersten wichtigen Schritt in Richtung Mega-Landesbank selbst zu gehen.

Wie das Handelsblatt berichtet, soll bei dem neu aufgesetzten Strategieprojekt auch eine mögliche Privatisierung der BayernLB diskutiert werden. Wie kompliziert ein solches Vorhaben sein kann, zeigen aber die Fälle HSH Nordbank und NordLB: Während die HSH nach langem Abwägen schließlich von einer Gruppe um den Private-Equity-Investor Cerberus übernommen wurde, haben die Sparkassen bei der NordLB das Beteiligungsangebot von Cerberus und Centerbridge abgelehnt. Die Haltung des Freistaats Bayern zu einer möglichen Trennung von der BayernLB ist unklar.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de