Hans-Jörg Vetter wird den Aufsichtsratsvorsitz bei der Commerzbank übernehmen. Seine nächste Aufgabe wird sein, einen Nachfolger für Coba-Chef Martin Zielke zu finden.

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04.08.20
Banking & Berater

Cerberus beißt sich bei Commerzbank die Zähne aus

Trotz Widerstands des Großaktionärs Cerberus hat die Commerzbank mit Hans-Jörg Vetter einen neuen Aufsichtsratschef gewählt. Als nächstes steht die Besetzung des Chefpostens auf der Agenda. Der Höllenhund wird mitreden wollen.

Der aktivistische Investor Cerberus muss bei der Commerzbank eine Schlappe verkraften. Am gestrigen Dienstag Abend wurde Hans-Jörg Vetter zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Die gerichtliche Bestellung des ehemaligen LBBW-Vorstandschefs werde in den kommenden Tagen erwartet, teilte die Bank mit.

Der Aktionär Cerberus, der seit 2017 mit inzwischen rund 5 Prozent an der Großbank beteiligt ist, hatte sich öffentlich vehement gegen die Wahl von Hans-Jörg Vetter positioniert. „Wir haben ernsthafte Zweifel, dass Hans-Jörg Vetter die richtige Person für diese Aufgabe ist und über die richtige Erfahrung hierfür verfügt”, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Investor. Stattdessen wollte der Höllenhund zwei eigene Vorschläge ins Rennen schicken. Um wen es sich dabei handelte, ist nicht bekannt.

Ein Kritikpunkt soll gewesen sein, dass Vetter bislang kein börsennotiertes Haus geführt hat. Vetter war von 2009 bis 2016 Chef der LBBW und half der Bank dabei, die Folgen der Finanzkrise zu verarbeiten. Die Landesbank war wegen riskanter Kreditgeschäfte ins Straucheln geraten. Davor musste er die Bankgesellschaft Berlin sanieren.

Commerzbank muss Führungsfrage lösen

Der Widerstand von Cerberus war letztlich nicht von Erfolg gekrönt. Vetter wurde Medienberichten zufolge einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. In Regierungskreisen hieß es demnach, der Bund, der vor Cerberus der größte Aktionär der Commerzbank ist, begrüße seine Wahl.

Cerberus pocht schon seit geraumer Zeit auf Änderungen bei der Bank. Im Juni erst veröffentlichte er einen weiteren Brandbrief, in dem er lauthals einen Strategiewechsel forderte und sogar mit einer Aktionärsrevolte drohte. Damit hatte er den Druck auf die Spitze nochmals erhöht. Nach der Attacke hatten sowohl Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann als auch Commerzbank-Chef Martin Zielke ihren Rücktritt angekündigt.

Zielke wolle den „Weg für einen Neuanfang freimachen“, sagte der Commerzbank-Chef damals. Schmittmann hat seinen Posten bereits abgegeben, Zielke will die Bank spätestens zum Ende des Jahres verlassen. Hans-Jörg Vetters wichtigste Aufgabe wird daher sein, die Führungskrise der gelben Bank schnellstmöglich zu lösen und einen Nachfolger für Zielke zu finden. Über mögliche Kandidaten wird bereits spekuliert – Cerberus wird sicher mitreden wollen.

Der Wechsel an der Spitze der Bank erfolgt in einer Phase, in der die Commerzbank um eine Neuausrichtung ringt. Einsparungen sowohl beim Personal als auch beim Filialnetz stehen dabei wohl zur Diskussion.  

antonia.koegler[at]finance-magazin.de