Finanzchefin Bettina Orlopp und Firmenkundenchef Roland Boekhout gelten als heiße Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden Commerzbank-CEOs Martin Zielke.

Commerzbank/Pavel Becker

06.07.20
Banking & Berater

Wird Firmenkundenchef Boekhout neuer Commerzbank-CEO?

Firmenkundenchef Roland Boekhout oder Finanzchefin Bettina Orlopp – einer der beiden könnte die Nachfolge des scheidenden Commerzbank-Chefs Martin Zielke antreten. Und auch ein externer Banker käme als CEO-Nachfolger in Frage.

Der Commerzbank stehen erneut weitreichende Veränderungen bevor: Nach dem überraschenden Abschied von CEO Martin Zielke sowie Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann muss das Frankfurter Geldhaus gleich zwei entscheidende Führungspositionen wieder neu besetzen. Einen Nachfolger für Schmittmann muss die Commerzbank bereits bis zum August gefunden haben, der Aufsichtsrat will dazu in dieser Woche tagen.

Martin Zielke, seit 2016 CEO der Commerzbank, will die Frankfurter spätestens bis zum Ende des Jahres verlassen. Unterdessen werden die Spekulationen um seine Nachfolge immer lauter. Es werden gleich zwei interne Manager als heiße Kandidaten für Zielkes Nachfolge gehandelt – und beide bringen Fähigkeiten mit, die ihnen als CEO nützlich werden könnten.

CFO Bettina Orlopp genießt hohes Ansehen

Als erste mögliche Nachfolgerin wird derzeit die amtierende Finanzchefin Bettina Orlopp gehandelt. Bettina Orlopp ist seit März dieses Jahres Commerzbank-CFO, aber bereits seit November 2017 Mitglied im Bankvorstand. Damals verantwortete sie unter anderem die Ressorts Compliance, Legal, Human Resources sowie Customer Process & Data Management. Ihre Tätigkeit bei der Commerzbank begann die ehemalige McKinsey-Beraterin im Jahr 2014 als Bereichsvorstand für das Ressort Development & Strategy.

Für Bettina Orlopp als Zielkes Nachfolgerin spricht, dass sie innerhalb der Bank sowie unter Investoren einen sehr guten Ruf genießen soll. Zudem ist Orlopp seit März auch für das Ressort Investor Relations zuständig – Erfahrungen in der Kommunikation mit dem Kapitalmarkt sind gerade für den CEO einer Krisenbank wie der Commerzbank sicher hilfreich. 

Allerdings bemängelten offenbar einige Aktionäre, die Finanzchefin bringe möglicherweise zu wenig Erfahrung im Kundengeschäft mit, schreibt etwa das „Handelsblatt“. Finanzkreisen zufolge käme der Chefposten zu früh für sie, da sie noch nicht so viel Erfahrung in Führungspositionen bei Banken habe, schreibt außerdem die „Wirtschaftswoche“.

FINANCE-Köpfe

Dr. Bettina Orlopp, Commerzbank AG

Nach ihrem Studium beginnt Bettina Orlopp ihre berufliche Karriere 1995 als Beraterin bei McKinsey. Während dieser Zeit promoviert sie an der Universität Regensburg. 2002 steigt sie bei McKinsey zur Partnerin auf.

Im Jahr 2014 wechselt sie als Bereichsvorständin Development und Strategy zur Commerzbank. Von Mai 2016 bis Oktober 2017 verantwortet sie als Generalbevollmächtigte die Bereiche Compliance, Human Resources und Legal. Im November 2017 wird sie Mitglied des Vorstands. Neben den drei bereits genannten Bereichen kümmert sie sich zusätzlich um die Themen Customer Process und Data Management.

Im März 2020 wird sie zur CFO ernannt. Fortan gehören die Themen Finance, Investor Relations, Tax und Treasury zu ihrer Agenda.

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Roland Boekhout: Digitalisierer mit CEO-Erfahrung

Deutlich mehr Erfahrung im Kundengeschäft und in Führungspositionen bringt hingegen Roland Boekhout mit, der seit rund einem halben Jahr Firmenkundenchef der Commerzbank ist. Vor seinem Wechsel war Boekhout sieben Jahre lang Deutschlandchef der ING. Unter seiner Führung gelang der niederländischen Bank der Einzug ins deutsche Firmenkundengeschäft. Auch die Commerzbank ringt derzeit um eine neue Strategie – diese anzustoßen und voranzutreiben könnte daher gut zu dem Aufgabenportfolio des erfahrenen Bankers Boekhout passen.

Roland Boekhout gilt als Favorit: Wird er Nachfolger von CEO Zielke?

Teil dieser Strategie wird sicher auch die weitere Digitalisierung der Bank sein – auch hier bringt Boekhout aus seiner Zeit bei der ING einiges an Erfahrung mit. Bereits bei seiner Berufung zum Firmenkundenchef der Commerzbank wurde spekuliert, ob er nicht zum Nachfolger des schon damals angeschlagenen Martin Zielke aufsteigen könnte. Dass ein langjähriger CEO eine Rolle als Spartenchef angenommen hat, war durchaus ungewöhnlich.

Profitieren könnte Boekhout auch davon, dass er noch nicht lange bei der Commerzbank tätig ist und ihm damit ein Umbau – auch mit Veränderungen beim Personal – leichter gelingen dürfte. Angesichts dessen gilt Roland Boekhout als heimlicher Favorit, während Bettina Orlopp eher schlechtere Chancen auf den CEO-Posten eingeräumt werden.

Wird ein Externer Zielkes Nachfolger?

Neben Orlopp und Boekhout fällt dieser Tage noch ein dritter Name als Zielkes Nachfolger: Der Leiter der Hamburg Commercial Bank Stefan Ermisch. Ungewöhnliche Koinzidenz: Co-Eigentümer bei der ehemaligen HSH Nordbank ist ausgerechnet der Aktivist und zweitgrößte Commerzbank-Aktionär Cerberus, der zuletzt mit seinen zwei öffentlichen Brandbriefen den Druck auf Zielke und auch Schmittmann stark erhöht haben dürfte. Stefan Ermisch soll allerdings „ganz klar kein Interesse“ an der Position haben, schreibt die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Ermischs Umfeld.

Die Person, die letztlich den CEO-Posten bei der Commerzbank antritt, wird künftig einiges auf der Agenda stehen haben. Im September vergangenen Jahres präsentierte die Bank ihre neue Strategie – mehr Firmenkunden und vor allem mehr Erträge im Firmenkundengeschäft lautete damals die Devise.

Mit der Umsetzung dieser Strategie kommt die Bank derzeit nur schleppend voran, wie Zielke selbst zugegeben hat: „So erkennbar die strategischen Fortschritte sind, so unbefriedigend war und ist die finanzielle Performance der Bank. Und dafür trage ich als CEO die Verantwortung“, lässt er sich in einer Mitteilung der Bank zitieren. „Ich möchte den Weg für einen Neuanfang freimachen. Die Bank braucht eine tiefgreifende Transformation und dafür einen neuen CEO, der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt.“

Die Aktionäre scheinen den anstehenden Vorstandswechsel jedenfalls zu begrüßen: Am heutigen Montagmorgen legte die Aktie um über 6 Prozent auf knapp 4,40 Euro zu.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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