Ex-Steubing-Chef Kai Jordan heuert bei MWB Fairtrade an. Dort soll er das Kapitalmarktgeschäft für Mittelständler voranbringen.

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01.07.16
Banking & Berater

Kai Jordan wird Kapitalmarktchef bei MWB Fairtrade

Ex-Steubing-Chef Kai Jordan soll den Hamburger Wertpapierhändler MWB Fairtrade zu einer wichtigen Emissionsbank für Mittelstandsanleihen machen. Diesen gibt Jordan noch eine Überlebenschance – unter gewissen Bedingungen.

Kai Jordan wechselt vom Main an die Alster: Der langjährige Steubing-Chef heuert bei der Hamburger Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade an. Dort soll er von August an das Kapitalmarktgeschäft aufbauen, wie Jordan FINANCE gegenüber bestätigte.

Jordan ist einer der wichtigsten Banker am deutschen Markt für Mittelstandsanleihen. Der 48-Jährige hatte die Expansion von Steubing in das Mini-Bond-Segment maßgeblich vorangetrieben. Im Sommer 2013 lotste Jordan die führenden Köpfe des Emissionsteams von Close Brothers Seydler (inzwischen Oddo Seydler) zu Steubing. Anfang 2015 schied er dann bei der Frankfurter Privatbank aus. Ein halbes Jahr später kündigte Steubing den Rückzug aus dem Kapitalmarktgeschäft an.

In seiner bisherigen Laufbahn hat Jordan eigenen Angaben zufolge bislang elf Mittelstandsanleihen mit einem Volumen von zusammen 280 Millionen Euro an den Markt gebracht. Im Schnitt handeln diese Papiere über par, so Jordan. Drei Bonds seien bereits planmäßig zurückgezahlt worden.  

Kai Jordan soll MWB Fairtrade im Kapitalmarktgeschäft verankern

MWB Fairtrade ist eine vergleichsweise kleine Privatbank, die bislang vor allem als Händler und Kursmakler an deutschen Börsen aktiv ist. Im vergangenen Jahr erzielte die Bank einen Jahresüberschuss von 0,7 Millionen Euro. Das Kapitalmarktgeschäft für mittelständische Unternehmen und institutionelle Investoren, das Jordan nun aufbauen soll, könnte mittelfristig zum zweiten Standbein von MWB Fairtrade werden.

Doch dafür muss der Markt für Mittelstandsanleihen überleben, was angesichts der zahlreichen, teils dubiosen Pleitefälle von manchen Beobachtern in Frage gestellt wird. Jordan hingegen meint, dass der Turnaround gelingen kann: „Ich glaube, dass der Markt für KMU-Anleihen weiterhin eine gute Chance hat – wenn alle Marktteilnehmer ihre Hausaufgaben machen“, erklärt er gegenüber FINANCE.

Er bemängelt, dass das Marktsegment vor allem unter „handwerklichen Fehlern“ leide, zum Beispiel bei der Prospekterstellung. „Das schafft unnötig zusätzliche Risiken“, kritisiert Jordan. Ein aktuelles Beispiel liefert der in Schieflage geratene Landwirtschaftskonzern KTG Agrar, dessen Anleihe auf Grund eines Webfehlers in den Anleihebedingungen FINANCE-Informationen zufolge so gut wie nicht restrukturierbar ist. Die Zinszahlung auf das Papier ist seit fast vier Wochen überfällig, dem Unternehmen droht schon nächste Woche die Pleite.

Jordan hält es für wichtig, „dass mögliche Emittenten von ihren Bankern so über die Ziele und Vorstellungen ihrer Investoren aufgeklärt werden, dass spätere Irritationen ausbleiben“. Als Vorbild sieht Jordan den High-Yield-Markt in Skandinavien: „Davon können wir in Deutschland lernen, und das ist auch notwendig.“ Dort haben strenge Regeln und eine funktionierende Corporate Governance dafür gesorgt, dass ein milliardenschwerer Mini-Bond-Markt entstanden ist.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Skandale, Pleiten, Hoffnungsschimmer: Was sich gerade am Mini-Bond-Markt tut, zeigt unsere FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.