Bitter für EY: Das Big-Four-Haus muss ein großes Steuerberatungsteam zu KPMG ziehen lassen.

Ernst & Young

12.10.18
Banking & Berater

EY verliert 40-köpfiges Team an KPMG

Coup für KPMG: Das WP- und Beratungshaus gewinnt 40 Steuerexperten vom Big-Four-Wettbewerber EY. KPMG musste zuletzt einige prominente Steuerexperten ziehen lassen.

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus EY (Ernst & Young) verliert ein großes Team an KPMG: Wie das Branchenportal „Juve“ berichtet, wechseln rund 40 Steuerexperten zur Konkurrenz. EY hat die Abgänge gegenüber Juve bestätigt. Das neue Team wird im April 2019 zu KPMG stoßen.

Konkret handelt es sich dabei um Experten für personenbezogene Unternehmenssteuern, insbesondere Mobilty Services. Bei den Themen, zu denen die Spezialisten Unternehmen beraten, geht es beispielsweise darum, wie die Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland steuerlich bewertet werden muss. Für nahezu alle Konzerne und Mittelständler, die im Ausland tätig sind, ist das ein zentrales Thema.

EY muss namhafte Steuerexperten ziehen lassen

Geleitet wird das Team von Ingo Todesco, Mobility Leader für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sowie Ija Ramirez, Leiterin der sogenannten Sub Service Line People Advisory Service (PAS). Ihre Leitungsposition hatte Ramirez Juve zufolge erst im Juli übernommen.

Mit den Beiden verlassen auch noch mehrere namhafte Partner sowie weitere 32 Mitarbeiter EY, heißt es weiter in dem Juve-Bericht. Damit spaltet sich die Truppe, die bei EY zu personenbezogenen Unternehmenssteuern berät, auf: So wandern die Teams aus Düsseldorf und Mannheim größtenteils zu KPMG ab, während die Mitarbeiter aus München und Eschborn bleiben.

„Von einem Wegbrechen des Geschäfts kann keine Rede sein.“

EY gegenüber Juve

EY ist Marktführerin bei Tax & Legal

EY relativierte gegenüber Juve jedoch die möglichen Folgen des Teamwechsels – auch nach den Abgängen bleibe die Abteilung PAS mit 709 festangestellten Mitarbeitern überdurchschnittlich groß: „Von einem Wegbrechen des Geschäfts kann also keine Rede sein“, zitiert Juve EY.

EY ist deutschlandweit der Marktführer unter den Steuerberatern. So hat EY im Geschäftsjahr 2017 in diesem Geschäftsfeld 629 Millionen Euro umgesetzt, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Steuerberatung ist das einzige Segment, in dem EY die Phalanx der Big Four (EY, Deloitte, KPMG und PwC) anführt. Wie sich die Geschäfte 2018 entwickelt haben, wird in zwei Monaten deutlich, wenn alle Big Four ihre Zahlen vorgelegt haben werden.

KPMG muss wegbrechende Prüfmandate kompensieren

KPMG liegt mit einem Steuerberatungsumsatz von 437 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2017 weit hinter EY. Auch das Wachstum fiel mit 3 Prozent vergleichsweise schwach aus. Das erklärt sich unter anderem aber auch dadurch, dass die Big-Four-Gesellschaft die mit Abstand meisten Unternehmen in der Dax-Familie prüft, vor allem im Dax30. Bei diesen Unternehmen darf KPMG aus Gründen der Unabhängigkeit nicht auch noch in großem Maße beraten.

Das wird sich allerdings durch die verpflichtende Abschlussprüferrotation, wegen der viele KPMG-Kunden ihre Prüfmandate neu ausschreiben müssen, ändern. KPMG steht damit ein Rückgang der Prüfhonorare ins Haus, was das Unternehmen unter anderem durch neue Beratungsmandate ausgleichen muss. Die Neuzugänge von EY dürften die Erfolgschancen dafür erhöhen. Laut Juve betreuten die Steuerexperten unter anderem Bayer und Henkel. Bei beiden Unternehmen wäre für KPMG eine Beratung möglich: Bayer wird von Deloitte geprüft, und Henkel wird sich ab 2020 wegen der Prüferrotation von KPMG als Prüfer trennen müssen.

Renommierte Steuerrechtler hatten KPMG verlassen

Die Stärkung des Steuerteams ist für KPMG auch deshalb eine gute Nachricht, weil dieses zuletzt durch zwei prominente Abgänge geschwächt wurde. Anfang des Jahres verlor KPMG den Leiter für das internationale Steuerrecht Franz Prinz zu Hohenlohe an den wesentlich kleineren Konkurrenten WTS. Zu Hohenlohe wurde bei WTS zweiter Vorstand neben Fritz Esterer.

Im September holte zu Hohenlohe auch noch seine frühere Mitarbeiterin, die renommierte Steuerrechtlerin Gabriele Rautenstrauch, zu WTS. Die Position des Leiters für internationales Steuerrecht hat KPMG inzwischen mit Claus Jochimsen-von Gfug, der von Deloitte kommt, nachbesetzt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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