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Deutsche Bank profitiert im Firmenkundengeschäft

Deutsche-Bank-CFO James von Moltke konnte das fünfte Quartal in Folge steigende Gewinne vermelden. Foto: Deutsche Bank

Ob Investmentbank, Unternehmensbank oder Privatkundengeschäft – die Deutsche Bank hat im dritten Quartal 2021 in allen Bereichen – mit Ausnahme der Capital Release Unit – einen ordentlichen Gewinn erwirtschaftet und mit den Zahlen sogar die Schätzungen vieler Analysten übertroffen. So liegt der bereinigte Gewinn vor Steuern bei 1,2 Milliarden Euro – ein Plus von 39 Prozent zum Vorjahresquartal. Doch der Blick auf die Bereinigung – darin sind vor allem die deutlich gestiegenen Umbaukosten enthalten – lohnt sich: So steht unter dem Strich ein Gewinn vor Steuern von 554 Millionen Euro. Immerhin trotzdem noch ein Plus von 15 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Eine gute Entwicklung zeigt sich vor allem mit Blick auf das zuletzt schwächelnde Firmenkundengeschäft. Dort hat die Deutsche Bank im diesjährigen FINANCE-Banken-Survey bereits die Krone als beste Bank von ihrer Dauerkonkurrentin Commerzbank zurückerobert. So kletterte im Segment Investmentbank, in dem die Deutsche Bank auch das Firmenkundengeschäft mit Konzernen angesiedelt hat, in den ersten neun Monaten dieses Jahres das Ergebnis vor Steuern auf 3,4 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 2,6 Milliarden).

Allerdings: Im dritten Quartal sackten die Erträge der Investmentbank im Vergleich zum starken Vorjahresquartal um 6 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro ab. So sanken etwa im Zins- und Währungsgeschäft die Erträge im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 12 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Bergauf geht es für die Deutsche Bank dafür beim Emissions- und Beratungsgeschäft, das im Vergleich mit dem dritten Quartal 2020 um 22 Prozent auf 684 Millionen Euro zulegte.

Unternehmensbank steigert Gewinn

Auch bei der Unternehmensbank, in der die Bank ihr Geschäft mit kleinen und mittelständischen Unternehmen zusammenfasst, kletterte der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um 57 Prozent auf 292 Millionen Euro. Dabei hat sich auf Ertragsseite allerdings kaum etwas geändert, der Gesamtertrag der Sparte blieb mit rund 1,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum konstant. Mit einem Plus von 5 Millionen Euro im Bereich Corporate Treasury Services (755 Millionen) und 6 Millionen beim Geschäft mit institutionellen Kunden konnte die Unternehmensbank zwar leicht zulegen, jedoch sanken die Erträge im Business Banking mit kleineren Geschäftskunden um eben jene 11 Millionen Euro.

Ein Hoffnungsschimmer: Vor allem im Corporate-Treasury-Geschäft zeigt die Strategie aus Wachstumsinitiative und der Aushandlung neuer Preismodelle mit den Kunden offenbar langsam Wirkung. Dem Team um Fabrizio Campelli, seit Mai Chef der Unternehmens- sowie der Investmentbank, ist es damit gelungen, die fortschreitende Erosion im Zinsbereich sowie niedrigere Auflösungen bei der Risikovorsorge auszugleichen. So trugen die neuen Preismodelle laut jener Zahlen, die CFO James von Moltke am Mittwoch vorgelegt hat, im dritten Quartal 96 Millionen Euro zu den Erträgen bei. Auch das Kreditvolumen wuchs im dritten Quartal um 3 Milliarden Euro.

Deutsche Bank senkt Kosten im Firmenkundengeschäft

Zudem sind die Kosten der Unternehmensbank sind weiter gesunken – ganz im Gegensatz zum Rest der Deutschen Bank. Während die Aufwendungen für Personal in der Unternehmensbank mit 252 Millionen faktisch konstant blieben, sanken die Sachaufwendungen um 6 Prozent auf 614 Millionen Euro. Geschuldet ist der Rückgang jedoch Sondereffekten wie geringeren Kosten für Rechtsstreitigkeiten sowie niedrigeren Aufwendungen für die seit 2019 laufende Restrukturierung. Die Kosten für die Transformation seien damit nun zu 90 Prozent verbucht, so von Moltke.

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Deutsche Bank setzt statt Kosten auf Erträge

Damit bringt es die Unternehmensbank zwar inzwischen auf eine Cost-Income-Ratio (CIR) von 78 Prozent (Q3 2020: 82 Prozent), angesichts des Konzernziels von 70 Prozent, das sich die Deutsche Bank ursprünglich bis 2022 gesetzt, jedoch zuletzt wieder kassiert hatte, ist es dennoch ein weiter Weg. Noch deutlicher zeigt sich dies beim Blick auf die Konzern-CIR, bei der die Bank für die ersten neun Monate dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang von 5 auf 82 Prozent verzeichnet – jedoch bereinigt um Transformations- und Restrukturierungskosten. Ohne die Bereinigung stiegen die Kosten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5 Prozent.

Mit ein Grund für die gestiegenen Kosten der Gesamtbank dürfte auch ein Zuwachs beim Personal sein. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Verglich zum zweiten Quartal um 715. Insgesamt hat die die Deutsche Bank damit Zahl der Mitarbeiter seit Ende September 2020 lediglich um 2.500 Stellen reduziert. Mit aktuell 84.500 Stellen ist sie damit vom ursprünglichen Ziel von 74.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2022 noch weit entfernt. Damit setzt die Deutsche Bank statt der geplanten Kostenreduktion inzwischen offenbar wieder vornehmlich auf wachsende Erträge.

Auf Aktionärsseite sieht man die Kostenentwicklung offenbar kritisch: Der Kurs der Aktie brach nach der Bekanntgabe der Zahlen am Mittwoch um 7 Prozent ein und gab am Donnerstag weiter nach.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.