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Deutsche Bank: Wie geht es der Unternehmensbank?

Investmentbanking im Aufwind: Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2021 ordentlich zugelegt, vor allem im Investmentbanking.
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Gute Nachrichten aus den Deutsche-Bank-Türmen: Die Frankfurter Bank hat auch im ersten Quartal dieses Jahres erstaunlich gute Ergebnisse präsentiert. Die Erträge auf Konzernebene legten in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 14 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu. Das Vorsteuerergebnis betrug satte 1,6 Milliarden Euro, nach 206 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Unter dem Strich steht ein Konzernergebnis von über 900 Millionen Euro, nach einem Minus von 43 Millionen Euro im ersten Quartal 2020. Die Deutsche Bank spricht von dem besten Quartalsergebnis seit Anfang 2014.

„Das erste Quartal ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Deutsche Bank in allen vier Geschäftsbereichen auf dem richtigen Weg ist und nachhaltig profitabler wird. Wir haben unsere Erträge im Vergleich zu einem bereits starken Vorjahresquartal erneut gesteigert und bleiben gleichzeitig diszipliniert bei Risiken und Kosten“, lässt sich Vorstandschef Christian Sewing zitieren. Dieses Ergebnis bestärke die Bank in ihrer Erwartung, die Ziele für 2022 zu erreichen.

Deutsche Bank: Investmentbanking wächst deutlich

Doch welche Bereiche haben am meisten zu dem guten Ergebnis der Deutschen Bank beigetragen, und welche Segmente stagnieren? Ein erster Blick in das Investmentbanking verrät: Dieser Geschäftsbereich hat den Frankfurtern, wie auch schon in den vergangenen Monaten, einen ordentlichen Schub verpasst. Die Erträge stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 32 Prozent auf etwas mehr als 3 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern hat sich im Vergleich zum ersten Quartal 2020 nahezu verdreifacht auf 1,5 Milliarden Euro.

Vor allem zwei Bereiche im Investmentbanking trugen zu dem deutlichen Zuwachs bei: Einerseits der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen (Fixed Income & Currency, FIC), hier verzeichnete die Deutsche Bank verglichen mit dem Vorjahresquartal einen Ertragszuwachs um 34 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. In diesem Feld ist die Bank traditionell stark.

Eine noch steilere Wachstumskurve legte aber das Beratungs- und Emissionsgeschäft hin, das im selben Zeitraum um 40 Prozent auf 664 Millionen Euro anstieg. Vor allem vom Boom bei Spac-Börsengängen, aber auch von Erstnotierungen und Folgetransaktionen profitierte die Deutsche Bank nach eigenen Angaben. Das Ertragswachstum im Anleihe-Emissionsgeschäft führen die Frankfurter unter anderem auf die Erholung im Bereich Leveraged Debt Capital Markets zurück.

Eine weitere Stütze des guten Ergebnisses war die Risikovorsorge im Kreditgeschäft: Diese lag der Bank zufolge bei nahezu Null. Der Grund: Aufgrund des sich bessernden gesamtwirtschaftlichen Ausblicks konnte die Bank einige Vorsorgepositionen auflösen.

„Bad Bank“ schreibt geringere Verluste

Die Entwicklungen im Geschäftsbereich Investmentbanking sind allerdings nur ein Teil des großen Ganzen. Im Jahr 2019 gründete die Deutsche Bank die „Capital Release Unit“ – zu Deutsch: Die Einheit zur Freisetzung von Kapital. In dieser „Bad Bank“ bündelte die Deutsche Bank damals Papiere und Projekte aus allen Geschäftsbereichen, die für das Institut keine strategische Bedeutung mehr hatten. Ein Großteil dieser Assets stammt aus dem Investmentbanking, daher lohnt sich auch ein Blick auf diese Einheit. In diesem Bereich steht unter dem Strich ein Verlust vor Steuern von 410 Millionen Euro. Damit ist das Minus im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich gesunken: Zum Jahresauftakt 2020 stand noch ein Verlust von 765 Millionen Euro zu Buche.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Marktbeobachter die Frage gestellt, ob der Erholungskurs der Deutschen Bank im Investmentbanking nur temporär sein könnte. Das so wichtige Handelsgeschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen profitiert von volatilen Märkten. Die Zwischenbilanz zum Investmentbanking: Der positive Trend hält bislang an, auch wenn natürlich die Auswirkungen der Pandemie am Markt noch spürbar sind. Die Deutsche Bank selbst beschreibt das FIC-Geschäft als „widerstandsfähig“. Der Wermutstropfen: Eigentlich wollte die Deutsche Bank ihre Abhängigkeit vom Ergebnis im volatilen Investmentbanking reduzieren und stattdessen die Unternehmensbank stärken.

Erträge der Unternehmensbank stagnieren

Hier zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild. In der Einheit bündeln die Frankfurter das Firmenkundengeschäft sowie das Transaction Banking. Der Gewinn vor Steuern der Unternehmensbank verdoppelte sich im ersten Quartal zwar auf 229 Millionen Euro. Allerdings stagnieren die Erträge faktisch bei rund 1,3 Milliarden Euro, und das schon seit einiger Zeit. Im ersten Quartal verzeichnete keines der Subsegmente – Corporate Treasury Services, Institutionelle Kunden, Business Banking – ein Ertragswachstum. Das gute Ergebnis erklärt sich auch dadurch, dass die Risikovorsorge in der Unternehmensbank deutlich reduziert werden konnte.

Wirkliches Ertragswachstum fehlt also: Das zu erreichen wird nun Aufgabe von Fabrizio Campelli sein. Der bisherige Transformationsvorstand übernimmt die Leitung der Investmentbank und der Unternehmensbank von Christian Sewing, wie vor rund einem Monat bekanntgegeben wurde. Der CEO hatte die beiden Ressorts 2019 im Zuge des angekündigten Radikalumbaus übernommen.

Deutsche-Bank-Aktie im Höhenflug (1-Monats-Chart)

Die Aktionäre jedenfalls feiern die Ergebnisse: Die Bank konnte in allen Geschäftsbereichen die Gewinne steigern. Das Papier legte am heutigen Mittwoch um über 10 Prozent zu und notiert derzeit bei etwas mehr als 11 Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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