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Deutsche Bank: Unternehmensbank erhält neues Führungs-Duo

Stefan Bender verlässt die Deutsche Bank und übergibt seine Aufgaben an Jan Peter Gillmann und Christian Gerhardt. Foto: diegograndi - stock.adobe.com
Stefan Bender verlässt die Deutsche Bank und übergibt seine Aufgaben an Jan Peter Gillmann und Christian Gerhardt. Foto: diegograndi - stock.adobe.com

Nach dem Weggang von Stefan Hoops zum Vermögensverwalter DWS und der Inthronisierung seines Nachfolgers David Lynne vollzieht sich ein weiterer Wechsel in der Unternehmensbank bei der Deutschen Bank. Mit Stefan Bender verlässt nach FINANCE-Informationen ein weiteres prägendes Gesicht die Deutsche Bank. Der 53-jährige Manager war rund 25 Jahre für die Bank tätig und leitete seit Oktober 2019 die Unternehmensbank in Deutschland.

Diese Aufgabe hatte ihm der damalige Chef der Corporate Bank, Stefan Hoops, bei der Reorganisation der Einheit übertragen. Im Zuge des Umbaus der Banken wurde das Firmenkundengeschäft der Postbank und der Deutschen Bank integriert. „Dabei war es uns wichtig, dass wir mit zwei Marken präsent bleiben: Postbank und Deutsche Bank“, sagte Bender vor rund zwei Jahren im FINANCE-Interview.

Stefan Bender. Foto: Deutsche Bank

Bender hat als Konstante mit dazu beigetragen, dass sich die Deutsche Bank im vergangenen Jahr laut FINANCE Banken-Survey den Thron im deutschen Firmenkundengeschäft geholt hat. Den Titel verlor sie allerdings in diesem Jahr an die wiedererstarkte Commerzbank. In zahlreichen Kategorien im Firmenkundengeschäft rangiert die Deutsche Bank weiterhin auf Top-Positionen – und konnte in den vergangenen Jahren auch im Mittelstand an Zugkraft gewinnen, wofür auch Bender mit verantwortlich war. In diesem Feld, das die Bank zeitweise aus den Augen verloren hatte, rangiert sie heute laut Banken-Survey auf Platz 5.

Deutsche Bank sortiert Struktur neu

Mit dem Weggang von Bender werden dessen Aufgaben ab 1. Oktober neu verteilt. Das Segment der Geschäftskunden, das die Deutsche Bank BizBanking nennt, verantwortet Christian Gerhardt. In diesem Segment sind rund 800.000 Kunden in Deutschland gebündelt, deren Umsätze im einstelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. „Wir werden unsere Beratung, unsere Produkte und unsere Services nur dann weiter erfolgreich und profitabel für unsere Kunden liefern können, wenn wir Standardvorgänge automatisieren, Kunden selbständig Sales- und Serviceprozesse nutzen und wir unsere Kunden datenbasiert und damit zielgerichtet auf unsere Lösungen ansprechen“, schreibt Gerhardt in einer internen Mitteilung, die FINANCE vorliegt.

Jan Philipp Gillmann. Foto: Deutsche Bank

Für die rund 50.000 Unternehmen, deren Umsätze in aller Regel über denjenigen der BizBanking-Klientel liegen, ist ab jetzt Jan Philipp Gillmann zuständig. Es ist das klassische Firmenkundensegment mit zahlreichen Mittelständler, aber ohne die Klientel der größten Unternehmen aus Dax, MDax und SDax.

Unterstützt werden Gerhardt und Gillman von Daniel Schmand. Der langjährige Deutsch-Banker ist seit Frühjahr dieses Jahres für die Operations zuständig. Dabei steht vor allem das für Kunden leidige Thema KYC im Fokus, das regelmäßig zu langen Wartezeiten führt, wenn Kunden ein Konto eröffnen wollen.

„Wir sind mit Projekt Unity mitten in einer der größten Migrationen von Systemen und Prozessen, die die Deutsche Bank je gemacht hat“, sagt Schmand in einem Statement an die Mitarbeiter, das FINANCE vorliegt.

Man setze bei der Migration von Systemen und Prozessen auf „1. Qualität, 2. Geschwindigkeit, 3. Kosten und genau in dieser Reihenfolge“, schreibt Schmand in der Mitteilung weiter. Dieser Ansatz dürfte auch deshalb wichtig sein, weil die IT von Deutschlands größtem Geldhaus selbst intern immer wieder in der Kritik stand.

Zinswende, Inflation und stockende Lieferketten besorgen Kunden

Zweifellos findet der Wechsel an der Spitze der deutschen Unternehmensbank in einer herausfordernden Zeit statt. Die deutsche Wirtschaft plagen Rezessionssorgen. So ist der neueste ifo-Geschäftsklimaindex im September auf 84,3 Punkte gefallen, nach 88,6 Punkten im August. Das markiert den niedrigsten Wert seit Mai 2020, als die Corona-Pandemie Deutschland in Bann hielt.

In dieser kritischen Situation will sich die Deutsche Bank dem Vernehmen nach nicht von ihren Firmenkunden zurückziehen, sondern den 2019 eingeschlagenen Kurs auch unter David Lynne fortsetzen. „Gerade in der aktuell herausfordernden Zeit brauchen unsere Kunden unseren Rat und unsere Unterstützung“, heißt es in einem Statement von Jan Philipp Gillman.

Die Manager wollen ihre Vision am 29. September den Mitarbeitern in einem virtuellen Townhall-Meeting vorstellen. Der Übergang soll nicht Knall auf Fall über die Bühne gehen. Es werde einen „geordneten Übergabeprozess“ gemeinsam mit Stefan Bender geben. Wie lange dieser dauern wird, ist FINANCE nicht bekannt.

Info

markus.dentz@finance-magazin.de | + posts

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.