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Vorstand Nicolas Blanchard verlässt Hamburg Commercial Bank

Verlässt die Hamburg Commercial Bank nach getaner Arbeit: Vorstand Nicolas Blanchard
Hamburg Commercial Bank

Veränderungen im Vorstand der Hamburg Commercial Bank (HCOB): Markenvorstand (Chief Clients and Products Officer, CCO) Nicolas Blanchard verlässt das Institut zum Ende dieses Jahres. Das teilten die Hamburger heute mit. Der 52-Jährige verlässt die Bank auf eigenen Wunsch hin: Er hat den Hamburgern zufolge darum gebeten, seinen Ende 2021 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Der Aufsichtsrat hat dem bereits zugestimmt. Bis zum Jahresende wird er der Bank aber noch als Berater zur Verfügung stehen.

Christopher Brody folgt auf Nicolas Blanchard

Die Verantwortung für das Kundengeschäft wird ab sofort Christopher Brody zusätzlich zu seiner bisherigen Tätigkeit übernehmen. Er verantwortet die Segmente Immobilienkunden und Diversified Lending, in dem das internationale Kreditgeschäft der Bank gebündelt ist. Der ebenfalls 52-jährige Amerikaner ist seit Juli 2019 Chief Investment Officer (CIO) der Hamburg Commercial Bank und war zuvor Präsident und CIO eines US-amerikanischen Family Offices. Im Kundengeschäft bündelt die HCOB neben den Unternehmenskunden und den Syndizierungsaktivitäten der Bank auch die Bereiche Immobilien, Erneuerbare Energien, Infrastruktur sowie Shipping.

Den Abschied von Blanchard nimmt die Bank zum Anlass, den Vorstand zu verkleinern. Künftig besteht dieser nur noch aus vier Mitgliedern: Vorstandschef Stefan Ermisch, Chief Risk Officer und Deputy CEO Ulrik Lackschewitz, CFO Ian Banwell sowie CIO Brody. Damit scheint die HCOB einem Trend in der Bankenbranche zu folgen: Offene Vorstandsposten werden immer seltener nachbesetzt. Stattdessen werden die Aufgaben innerhalb des Vorstands oder der zweiten Führungsebene umverteilt, wie zuletzt zum Beispiel bei der HSBC.

Blanchard wechselte vom Bankhaus Lampe zur HCOB

„Ich habe dem Wunsch von Herrn Dr. Blanchard mit Bedauern zugestimmt, aber selbstverständlich respektiert der Aufsichtsrat seine Entscheidung. Herr Blanchard ist eine in der Finanzindustrie und im deutschen Mittelstand fest verankerte Persönlichkeit mit hoher Expertise“, lässt sich Aufsichtsratschef Juan Rodríguez Inciarte zitieren.

Der Franzose ist im deutschen Firmenkundengeschäft in der Tat kein Unbekannter: Nach dem rechtswissenschaftlichen Studium und Tätigkeiten sowohl im wissenschaftlichen als auch im juristischen Bereich stieg Blanchard im Jahr 1997 bei der Unicredit in München als Senior Vice President ein. Dort blieb er rund 14 Jahre, bevor es ihn zum Bankhaus Lampe zog. 2014 stieg Blanchard bei der Privatbank der Familie Oetker vom Kapitalmarktchef zum persönlich haftenden Gesellschafter auf

Blanchard baute beim Bankhaus Lampe das Geschäft mit vermögenden Privat- und Unternehmenskunden aus. Nach etwa sieben Jahren gab er aber seinen Abschied bekannt, um sich beruflich neu zu orientieren. Im Dezember 2018 stieß der Banker dann zur Hamburg Commercial Bank – und damit kurz nach der Privatisierung der ehemaligen HSH Nordbank. Wohin es ihn nun zieht, ist nicht bekannt.

HCOB mit gutem Ergebnis im Jahr 2020

Parallel zu den Veränderungen im Vorstand hat die Hamburger Bank ihre Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. Die Bank ist gut durch die Coronakrise gekommen: 2020 erzielte sie einen Gesamtertrag von 656 Millionen Euro, das ist ein Zuwachs von 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern (Ebt) lag im vergangenen Jahr bei 257 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 77 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Konzernergebnis von 102 Millionen Euro, nach 12 Millionen Euro im Vorjahr.

Besonders der Zinsüberschuss verzeichnete einen deutlichen Zuwachs: Er hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt auf 629 Millionen Euro. Grund dafür ist laut der HCOB das Ergebnis aus hybriden Finanzierungsinstrumenten, das die Bilanz im Vorjahr noch mit 181 Millionen Euro belastete. Dafür ging allerdings der Provisionsüberschuss um 21 Prozent auf 48 Millionen Euro zurück.

Der Grund für die insgesamt positive Entwicklung 2020: Laut der HCOB trugen verbesserte operativen Margen im Kundengeschäft zu dem guten Geschäftsjahr bei – auch ein Verdienst von Blanchard. Darüber hinaus fielen geringere Kosten an, unter anderem bei Refinanzierungen sowie in der Verwaltung. Zusätzlich wurden aber auch Einmaleffekte wirksam.

Vor diesem Hintergrund blickt die Bank optimistisch in die Zukunft: „Wir sind fest davon überzeugt, dass uns der Übergang in den Bundesverband deutscher Banken Anfang 2022 gelingen und damit unsere Transformation sowie die erste Privatisierung einer Landesbank endgültig erfolgreich abgeschlossen wird“, so Vorstandschef Stefan Ermisch.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.