Wirtschaftsprüfer Baker Tilly schnappt sich das Prüfmandat der Deutschen Bundesbank von KPMG.

Deutsche Bundesbank

08.07.21
Banking & Berater

Baker Tilly ergattert Prüfmandat der Deutschen Bundesbank

Baker Tilly hat im Kampf der Next Six zuletzt an Boden verloren. Jetzt kann die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft endlich einen Erfolg vorweisen: Sie gewinnt das Mandat der Deutschen Bundesbank von KPMG.

Langersehnter Erfolg für Baker Tilly: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat sich mit der Deutschen Bundesbank ein prestigeträchtiges Prüfmandat gesichert. Bereits ab dem laufenden Geschäftsjahr 2021 werden die Frankfurter die Bücher der Zentralbank unter die Lupe nehmen und damit den bisheriger Prüfer KPMG ablösen.

Der Wechsel erfolge planmäßig und unter Beachtung der für die Bundesbank geltenden Rotationsvorschriften, wie die Bundesbank auf FINANCE-Anfrage bestätigt. Die Regeln der EZB sehen vor, dass Zentralbanken des Euro-Systems „mindestens“ alle sieben Jahre ihre Prüfer austauschen.

Next Six profitieren nur vereinzelt von Rotationspflicht

Mit dem Wechsel des Bundesbank-Mandats von KPMG zu Baker Tilly schnappt sich einer der Next Six, der sechs größten WP-Gesellschaften nach den Big Four, eines jener namhaften Prüfmandate, die die Big Four in der Vergangenheit fast ausnahmslos unter sich aufgeteilt hatten. Die Verfolger profitieren dabei von der gesetzlich vorgeschriebenen Prüferrotation. Sie sieht vor, das kapitalmarktorientierte Unternehmen alle 20 Jahre, Banken sogar nach zehn Jahren den Prüfer wechseln.

Allerdings wird ein Gros der Mandate weiterhin unter KPMG, PwC, EY und Deloitte aufgeteilt. Den Verfolgern gelingt es nur vereinzelt, lukrative Mandate an Land zu ziehen. Vor allem BDO war zuletzt erfolgreich und schnappte sich das Prüfmandat des Softwareriesen SAP und des Finanzdienstleisters MLP.

Bundesbank-Mandat ist für Baker Tilly wichtiges Signal

Baker Tilly musste dagegen zuletzt Federn lassen: Der Umsatz der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stagnierte im vergangenen Geschäftsjahr bei rund 165 Millionen Euro. Im Vergleich mit der direkten Konkurrenz fielen die Frankfurter damit hinter Rödl & Partner (269 Millionen Euro) und Mazars (182 Millionen Euro) auf den vorletzten Platz der Next Six zurück. Schlechter schnitt nur WKGT mit einem Jahresumsatz von 140 Millionen Euro ab.

Umso wichtiger ist für Baker Tilly der Gewinn des Prüfauftrags der Deutschen Bundesbank. Auf dem Karriereportal Linkedin zitierte die WP-Gesellschaft Ralph Huesemann, Leiter des Financial Services Teams von Baker Tilly, mit den Worten, der Mandatsgewinn sei „eine weitere Bestätigung der Expertise seines Teams bei der Prüfung von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten.“

Baker Tilly prüft auch die Zahlen der EZB und des Eurosystems T2S. Zu den rund 20 Mandaten von Kreditinstituten, die sich Baker Tilly nach eigenen Angaben zudem gesichert hat, zählen unter anderem die Haspa und der Onlinebroker Flatexdegiro.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de