Vapiano tauscht seinen Prüfer aus: Statt PwC nimmt nun BDO die Bilanzen unter die Lupe.

Vapiano

16.07.19
Banking & Berater

BDO wird neuer Vapiano-Prüfer

BDO gewinnt mit Vapiano ein neues Prüfmandat aus dem börsennotierten Segment. Die Rotationspflicht ist nicht der Grund dafür, dass sich Vapiano von seinem bisherigen Prüfer PwC trennt.

Erfolg für BDO: Das mittelständische Prüf- und Beratungshaus wird aller Voraussicht nach der neue Abschlussprüfer der Restaurantkette Vapiano. Das geht aus der Einladung von Vapiano zur Hauptversammlung am 21. August hervor, in der der Aufsichtsrat BDO als neuen Konzernprüfer für das Geschäftsjahr 2019 vorschlagen wird. Die Zustimmung der Hauptversammlung gilt nur noch als Formalie.

Aus dem Dokument geht auch hervor, gegen wen BDO sich durchgesetzt hat: Zweitplatzierter ist der Konkurrent Baker Tilly. Baker Tilly gehört so wie BDO zu den zehn mittelständischen Prüf- und Beratungshäusern in Deutschland („Next Ten“), die auf die vier großen Prüfer KPMG, PwC, Deloitte und EY („Big Four“) folgen. Während BDO mit einem Umsatz von 241 Millionen Euro aber die Nummer 5 in Deutschland ist, ist Baker Tilly mit einem Umsatz von 152 Millionen Euro die Nummer 8 und damit deutlich kleiner.

Warum hat Vapiano seinen Prüfer gewechselt?

Interessant ist, dass der Grund für die Ausschreibung nicht, wie derzeit häufig, die gesetzliche Prüferrotation ist: Diese verpflichtet seit 2016 kapitalmarktorientierte Unternehmen dazu, nach zehn Jahren ihr Prüfmandat neu auszuschreiben und einen Auswahlprozess mit mehreren Kandidaten durchzuführen. Der bisherige Vapiano-Prüfer PwC hingegen ist erst seit 2016 mandatiert, davor hatte KPMG das Mandat inne.

Damit hat sich Vapiano bereits deutlich vor der gesetzlichen Notwendigkeit für einen Wechsel entschieden. „Der Prüfungsausschuss ist im Rahmen der jährlichen Revision zu der Auffassung gelangt, dass ein Wechsel des Abschlussprüfers, auch ohne dass die Gesellschaft gesetzlich zur Rotation des Abschlussprüfers verpflichtet wäre, zweckmäßig ist“, kommentiert Vapiano eine FINANCE-Anfrage, ohne genauer auf die Gründe des Wechsels einzugehen.

Die vergangenen Monate waren sowohl für Vapiano als auch für die Prüfer von PwC keine einfachen: Da die kriselnde Restaurantkette mit Banken und Großaktionären um eine dringend benötigte Finanzspritze verhandelte, musste sie die Veröffentlichung der Bilanz drei Mal verschieben. Es ist denkbar, dass PwC kein uneingeschränktes Testat erteilen wollte, solange nicht feststand, dass Vapiano das Kapital bekommt – schließlich muss ein Prüfer auch die Fortführung der Unternehmenstätigkeit (Going Concern) einschätzen können.

BDO hat namhafte Mandate gewonnen

Mittlerweile hat sich das Unternehmen die Finanzierung gesichert. Mit dem frischen Geld will Vapiano sein Geschäftsmodell neu aufstellen. Dieses zu bewerten wird dann auch Aufgabe des neuen Abschlussprüfers BDO sein.

Vapiano ist nicht das einzige neue Mandat, das BDO zuletzt gewonnen hat. Zu den neuen Prüfkunden zählen auch R. Stahl, die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), die DVB Bank, Siemens Financial Services, die Volkswohlbund VVAG und der Heidelberger Lebensversicherung. Die meisten Zugewinne sind eine Folge der Prüferrotation.

Für die Nummer 5 im Markt sind die neuen Kunden wichtig, um ihre Position zu halten: Da die Big Four inzwischen auch immer stärker nach den mittelständischen und kleineren Unternehmen greifen, ist die Konkurrenz um die verbliebenen Mandate unter den Next-Ten-Häusern groß.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Was ist los im Markt der Wirtschaftsprüfer? Lesen Sie mehr über die vier großen WP-Häuser auf der Themenseite Big Four und über ihre mittelständischen Verfolger auf der Themenseite Next Ten.