Nach dem Strategiewechsel kommt das Wachstum: BDO legt in der Beratung ordentlich zu und punktet mit neuen Prüfmandaten.

BDO

11.07.19
Banking & Berater

Strategieschwenk: BDO erntet erste Früchte

Der vor fünf Jahren eingeleitete Strategieschwenk scheint sich für BDO endlich auszuzahlen: Deutschlands fünftgrößtes Prüf- und Beratungshaus hat nicht nur namhafte Prüfmandate gewonnen, sondern auch im Advisory stark zugelegt.

2018 war ein gutes Jahr für BDO: Der mittelständische Prüfer und Berater ist in Deutschland um 8 Prozent auf rund 241 Millionen Euro gewachsen. Das geht aus den Geschäftszahlen hervor, die BDO heute früh vorgelegt hat.

Damit kann BDO seinen Platz als fünftgrößtes Prüf- und Beratungshaus Deutschlands nach den Big Four (KPMG, PwC, Deloitte und EY) verteidigen. Der Abstand nach oben ist aber weit: Die Nummer 4 Deloitte ist mit einem Umsatz über 1,4 Milliarden Euro faktisch unerreichbar, sofern BDO nicht beispielsweise mit Konkurrenten zusammengeht. Nach hinten hingegen wird es eng: Die Nummer 6 im Markt, Rödl & Partner, ist BDO mit einem Umsatz von 236 Millionen Euro dicht auf den Fersen.

Auch Rödl & Partner ist im vergangenen Jahr um 8 Prozent gewachsen, in einem ähnlichen Rahmen liegen zudem die Next-Ten-Konkurrenten Warth & Klein Grant Thornton, Ebner Stolz und Mazars. Aus dem Rahmen fällt nur Baker Tilly mit knapp 3 Prozent.

„Wir sind mit der Entwicklung zufrieden, vor allem angesichts dessen, wie umkämpft der Markt ist“, sagt Parwäz Rafiqpoor, Vorstandsmitglied von BDO. Beachtlich ist das Wachstum vor allem im Vergleich zu den Vorjahren, als BDO nur niedrig einstellig wachsen konnte, während die Konkurrenz teils zweistellig zulegte.

BDO durchlief Transformationsprozess

Die Ursache für diese zuletzt unterdurchschnittliche Performance lag unter anderem im Strategieschwenk von BDO: Während das Haus jahrelang auf das traditionelle Prüfungsgeschäft setzte und sich gegen den Trend zur Beratung wehrte, leitete BDO 2014 die Wende ein und fing an, das Beratungsgeschäft stark aufzubauen. Diese Transformation bezeichnete BDO-Chef Holger Otte in einem FINANCE-Interview als „Operation am offenen Herzen“.

Über Jahre musste BDO das Prüfungsgeschäft weiterführen und parallel ein Beratungsgeschäft hochziehen, was sich auch in den stagnierenden Umsätzen widerspiegelte. Man habe den Veränderungsprozess wohl unterschätzt, gab Otte damals zu. Doch nun „tragen die Maßnahmen der letzten Jahre Früchte“, glaubt Rafiqpoor. Der Geschäftsbereich Advisory Services ist 2018 mit 25 Prozent stark gewachsen und trägt mit knapp 37 Millionen Euro inzwischen 15 Prozent zum Umsatz bei. Die Summe ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2014.

IT-Tochter treibt Advisory-Geschäft von BDO

Ein wichtiger Wachstumstreiber war laut Rafiqpoor die 2016 gegründete BDO IT GmbH, von der sich das Haus einen großen Schub versprochen hatte. Inzwischen arbeiten rund 200 IT-Berater bei der BDO-Tochter. Im Gegensatz zur Konkurrenz tut sich BDO nach Aussagen von Vorstand Rafiqpoor nicht so schwer damit, IT-Experten zu finden: „Junge Leute mit IT-Background laufen uns derzeit zu.“

Einen weiteren Schub erhält das Beratungsgeschäft auch durch die Abschlussprüferrotation, wenn auch indirekt. Seit 2016 sind kapitalmarktorientierte Unternehmen dazu verpflichtet, nach spätestens zehn Jahren ihr Prüfmandat neu auszuschreiben. Das nützt BDO nicht nur im Prüfungsgeschäft: „In den Fällen, wo wir an der Ausschreibung teilnehmen, aber nicht zum neuen Prüfer gewählt wurden, konnten wir uns für Beratungsleistungen empfehlen“, sagt Rafiqpoor. Einen ähnlichen Plan verfolgen auch die Next-Ten-Konkurrenten. Der BDO-Vorstand ist aber überdurchschnittlich optimistisch: Er glaubt, dass BDO im Beratungsgeschäft auch in den kommenden Jahren mit über 20 Prozent pro Jahr wachsen kann.

BDO gewinnt R. Stahl und DBAG als Prüfkunden

Verhältnismäßig gut entwickelt hat sich auch das Geschäft mit der Wirtschaftsprüfung: Dort ist BDO 2018 um über 6 Prozent auf 105 Millionen Euro gewachsen. Das ist vor allem verglichen mit den Vorjahren eine gute Steigerung, als das Prüfungsgeschäft stagnierte oder sogar schrumpfte – laut BDO wegen eines ausgelaufenen Großauftrags.

Im vergangenen Jahr hat das Haus eine Vielzahl neuer Prüfmandate gewonnen. Neben R. Stahl und dem Familienunternehmen Siegwerk wird BDO auch neuer Prüfer bei der im SDax gelisteten Deutschen Beteiligungs AG (DBAG), die zuvor KPMG mandatiert hatte. Dass ein börsennotiertes Unternehmen von einem Big-Four-Haus zu einer Next-Ten-Gesellschaft wechselt, ist ungewöhnlich. Hinzu kommt, dass sich BDO bei dem Pitch sogar gegen ein anderen Big-Four-Haus durchgesetzt hat: Deloitte.

„Durch solche Zugewinne können wir zeigen, dass wir eine echte Alternative für Unternehmen sind, die eine Prüferrotation vor sich haben“, findet BDO-Vorstandsmitglied Andrea Bruckner. Insgesamt prüft das Haus nun fünf Mandate in der Dax-Familie und damit die meisten aller Next-Ten-Unternehmen. Ausgewählte Dax30-Mandate kämen laut Bruckner auch in Frage. Bislang konnte sich BDO aber nicht als neuer Abschlussprüfer im Rahmen des Dax30 durchsetzen.

BDO macht Mazars bei Banken Konkurrenz

Ebenfalls überraschend sind die Zugewinne im Banken- und Versicherungsbereich: BDO wird neuer Prüfer bei der DVB Bank (Teil der DZ-Gruppe), Siemens Financial Services, bei der Volkswohlbund VVAG und der Heidelberger Lebensversicherung. Im Bankenbereich versucht sich aktuell eigentlich Mazars als Alternative zu den Big Four zu positionieren: Das WP-Haus landete erst kürzlich einen Coup, als es zum neuen Prüfer von Goldman Sachs in Deutschland und Großbritannien avancierte.

Doch BDO lässt hier nicht locker: „Die Banken bleiben bei uns weiter im Fokus“, betont Andrea Bruckner. Dafür hat BDO in den vergangenen Jahren auch stark personell aufgestockt: Unter anderem hat das Haus vor gut einem Jahr ein größeres Team von KPMG gewonnen sowie Spezialisten aus dem Bereich IT-Audit & Assurance von PwC und Deloitte.

Die neuen Mandate dürften in den nächsten Jahren die  Wirtschaftsprüfungserlöse antreiben. BDO peilt für das aktuelle Geschäftsjahr eine Steigerung von 6 bis 7 Prozent an, ähnlich viel wie im Geschäftsbereich Steuern und Recht. 2018 konnte BDO hier um 5 Prozent auf knapp 100 Millionen Euro zulegen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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