Der Energiekonzern Eon wird bald nicht mehr von PwC, sondern von KPMG geprüft.

Eon

19.12.19
Banking & Berater

KPMG wird neuer E.on-Prüfer

Wichtiger Erfolg für KPMG: Das Big-Four-Haus kann mit E.on einen Mandatszugewinn im Dax verkünden. In dem Segment musste KPMG zuletzt viele große Prüfmandate an Konkurrenten abgeben.

KPMG wird aller Voraussicht nach neuer Abschlussprüfer von E.on: Der Aufsichtsrat des Energiekonzerns wird der Hauptversammlung am 13. Mai 2020 KPMG als neuen Abschlussprüfer ab 2021 vorschlagen, wie das Big-Four-Haus am heutigen Donnerstag bekannt gab. Diesem Vorschlag müssen die Aktionäre zwar erst noch zustimmen, das ist aber üblicherweise Formsache.

Das Mandat hatte E.on bereits im Mai dieses Jahres ausgeschrieben. Grund dafür ist die verpflichtende Abschlussprüferrotation, wegen der kapitalmarktorientierte Unternehmen alle zehn Jahre das Mandat ausschreiben müssen. Derzeit prüft PwC die Bilanzen der Essener. Damit verliert PwC nicht nur ein prominentes Dax-Mandat, sondern auch ein ordentliches Honorar, denn E.on zahlte PwC für alle konzernweiten Dienstleistungen zuletzt 24 Millionen Euro.

KPMG muss Deutsche Bank, Henkel und mehr abgeben

Umso mehr kann sich daher KPMG freuen, denn der Wirtschaftsprüfer und Berater musste zuletzt viele lukrative Mandate im Dax abgeben. Vor der Einführung der Prüferrotation im Jahr 2016 hatte KPMG noch über die Hälfte aller Unternehmen im Dax geprüft und ist somit naturgemäß innerhalb der Big Four am stärksten von der neuen Regelung betroffen.

Abgeben musste KPMG bisher schon BMW. Ab 2020 kommen die Deutsche Bank, Fresenius und Fresenius Medical Care, Henkel sowie Munich Re hinzu. Zudem hat Continental das Prüfmandat ab 2021 ausgeschrieben. Vor allem BMW, Fresenius und die Deutsche Bank gehören gemessen an den Honoraren zu den am besten bezahlten Mandaten im Dax.

Neu hinzugewinnen konnte KPMG aber – neben jetzt E.on –  bisher nur Covestro, die mit einem Honorar  von etwas mehr als 3 Millionen Euro zu den Leichtgewichten zählen. Dabei bewirbt sich KPMG nach eigener Aussage nicht etwa selektiv, sondern für jedes neu ausgeschriebene Dax-Mandat – unabhängig davon, ob das Haus nicht vielleicht schon ein lukrativen Beratungsauftrag bei dem Unternehmen hat. Dieses müsste KPMG abgeben, falls man als Prüfer zum Zuge kommt.

KPMG wird Berater bei ehemaligen Prüfkunden

Umso überraschender ist es, dass offenbar nur wenige Pitches im Dax von Erfolg gekrönt sind. Anders sieht es bei den Konkurrenten PwC und EY aus, die ein neues Dax-Mandat nach dem nächsten abräumen. Nur Deloitte tut sich ebenfalls schwer, ist allerdings im Prüfungsgeschäft auch deutlich kleiner als KPMG.

Die bisher wenigen Zugewinne bei Prüfmandaten im Dax machen sich im Gesamtumsatz aber noch nicht bemerkbar, versichert Deutschlandchef Klaus Becker. Der Grund: Dort, wo KPMG nicht mehr prüfen darf, bewirbt sich das Haus als Berater – und ist dabei laut eigener Aussage sehr erfolgreich. Von den 36,2 Millionen Euro Prüfhonorar, welches KPMG 2019 bereits abgeben musste, spielte die Gesellschaft demnach 95 Prozent über Beratungsauftrage wieder ein.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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