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CFOs sind strategisch wichtiger als sie selbst glauben

Für Digitalisierung, Transformation und Wachstum sind CFOs wichtiger als sie selbst glauben. Foto: Anaplan
Für Digitalisierung, Transformation und Wachstum sind CFOs wichtiger als sie selbst glauben. Foto: Anaplan

Digitalisierung, Transformation und Wachstum – für den unternehmerischen Wandel sind CFOs wichtiger als sie selbst glauben. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des Softwareanbieters Anaplan. Demnach besteht offenbar ein globales Missverhältnis zwischen der Erwartungshaltung von Finanzchefs auf der einen und ihrem eigenen Selbstverständnis auf der anderen Seite. So driften die Vorstellungen, die von außen an die Finanzchefs herangetreten werden, sowie die Selbstwahrnehmung der CFOs offenbar häufig auseinander.

CFOs sind bei ESG gefragt

Eines der zentralen Ergebnisse der Studie ist, dass eine Mehrheit von 85 Prozent der Führungskräfte in Unternehmen es als eine primäre Aufgabe des CFOs ansieht, die ESG-Agenda voranzutreiben, während dies hingegen lediglich 70 Prozent der Finanzchefs tatsächlich auf ihrer Prioritätsliste haben. Damit liegt das Thema ESG bei CFOs lediglich an fünfter Stelle, ausschließlich die Gewährleistung einer effektiven Cybersicherheit rangiert mit 57 Prozent in der Wichtigkeitsskala der Finanzchefs niedriger.

Auch an dieser Stelle herrscht wieder eine Kluft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Denn bereits 91 Prozent der Kollegen glauben, dass die CFOs sich der Herausforderungen der Umsetzung von ESG-Initiativen bereits angenommen haben, verglichen mit nur 78 Prozent der CFOs.

CFOs und Führungskräfte müssen Kommunikation verbessern

Außerdem benennt die Studie die aus Sicht von Führungskräften aus anderen Ressorts größten Herausforderungen – für sie selber und auch für das Unternehmen allgemein. So sei eine Mehrheit von 86 Prozent davon überzeugt, dass die eigenen Pläne schnell an die sich ständig ändernden Gegebenheiten anzupassen, die schwerwiegendste Herausforderung darstellt. Wie die Autoren der Studie erklären, ist damit insbesondere der starre Prozess der strategischen Entscheidungsfindung gemeint. Dieser sei nach wie vor stark manuell geprägt und finde nur allzu oft isoliert in Abteilungen statt.

Dass sich die Kommunikation einerseits aber auch die Effizienz von Arbeitsabläufen andererseits sowohl innerhalb der Unternehmensabteilungen als auch abteilungsübergreifend verbessern müsse, sehen auch die CFOs. Allerdings scheinen Führungskräfte dies energischer angehen zu wollen, als ihre Vorgesetzten, an dieser Stelle driftet hier die Prioritäteneinteilung immerhin um fünf Prozentpunkte  auseinander.

Missverhältnisse zwischen CFOs und Angestellten

Zu mindestens bei einem Lösungsansatz scheinen sich beide Seiten einigen zu können: So glauben sowohl 88 Prozent der Führungskräfte als auch der CFOs, dass eine demokratisierte Planung entscheidend sei, um Agilität im Unternehmen zu erreichen. Bei der Realisierung sieht es aber wieder ganz anders aus, lediglich ein Viertel der Befragten glaubt, dass ihr Unternehmen in hohem Maße demokratisiert ist.

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Weitere Missverhältnisse in Selbst- und Fremdeinschätzung der CFOs sieht die Studie unter anderem im Bereich der zwischenmenschlichen Fähigkeiten. Während nur 27 Prozent der Mitarbeitenden ihrem CFO die Fähigkeit zur Förderung der Zusammenarbeit bestätigen, schreiben sich 34 Prozent der Finanzchefs diese Fähigkeit zu. Noch heftiger fällt die Überschätzung der Manager in Sachen Coaching aus. So nehmen 27 Prozent der CFOs an, sie würden die Weitergabe von Wissen gut machen. Auf Seiten der Mitarbeitenden sehen dies allerdings nur zwölf Prozent so.  

Auch die Erwartungshaltung der Führungskräften aus anderen Abteilungen stimmt nicht mit der Sichtweise der Chefs der Finanzabteilungen überein. So sehen ganze 37 Prozent die Position des CFOs als inspirierend an, aber nur zehn Prozent der Finanzchefs denken das über sich selbst. Beim Wert der strategischen Wichtigkeit des Finanzvorstands klaffen die Erwartungen ähnlich weit auseinander. Während lediglich 32 Prozent der Finanzvorstände ihre Position dementsprechend betrachten, sind es bei den Führungskräften 13 Prozent mehr.

Bedeutung des Finanzchefs gestiegen

Vor diesem Hintergrund müssen CFOs aufpassen, dass ihnen die Fehleinschätzung in Sachen Strategie und auch Taktik nicht auf die Füße fällt. Denn die Erwartungen der Mitarbeitenden  wachsen und die Bedeutung des Finanzchefs nimmt angesichts der anhaltenden globalen Krisen weiter zu. Das macht sich auch auf höchster Managementebene bemerkbar.

Björn Stauss, Area Vice President CEE bei Anaplan. Foto: Anaplan

So verlangen 40 Prozent der CEOs von ihren Finanzchefs, dass diese stärker in die strategischen Visionen des Unternehmen eingreifen. In der Liste der Anforderungen folgen darauf mit jeweils 37 bis 31 Prozentpunkten eine stärkere Planungs- und Wachstumsorientierung, ein besseres Verständnis der betrieblichen Realitäten sowie die stärkere Konzentration auf die Lösung von Geschäftsproblemen.

„CFOs sind entscheidend, wenn es darum geht, die digitale Transformation voranzutreiben und Wachstumschancen auszubauen”, fasst Björn Stauss, Area Vice President CEE bei Anaplan, die Studienergebnisse zusammen.

Für die Studie wurden mehr als 700 CFOs und Führungspersonen anderer Abteilungen aus Deutschland, den USA, dem Vereinigten Königreich, Australien, Frankreich, Japan und Singapur befragt.

Info

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

jan.schuermann@faz-bm.de | + posts

Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.