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Der Compliance Officer

Die Position eines Compliance Officers bietet mehr als nur die harten Aufräumarbeiten nach Skandalen und Ausschweifungen.
Thinkstock / Getty Images

Großer Skandal beim ADAC: Die Manipulationen beim Gelben Engel haben dem bekannten Automobilclub einen großen Imageschaden zugefügt. Kein Wunder, dass der ADAC nun seine Geschäftsführung umbaut und dabei einen Compliance-Experten zum neuen Finanzchef beruft, um beim Automobilclub aufzuräumen. Thomas Kagermeier soll ab Juni als erster Finanzchef des ADAC die Geschäftsbereiche Finanzen, IT und Services bei dem Automobilclub verantworten.

Der ADAC holt den Compliance-Experten Kagermeier von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wegen seiner „Expertise im Finanz- und Bilanzierungsumfeld“ in die Geschäftsführung, um mit ihm gemeinsam den Automobilclub neu auszurichten. Neben Kagermeiers Finanzwissen dürfte für den ADAC insbesondere auch seine Erfahrung mit Compliance-Programmen interessant sein.

Gerade Skandale wie beim ADAC sorgen dafür, dass Unternehmen über das Thema Compliance nachdenken und eine eigene Position hierfür schaffen. Ein Compliance Officer sorgt im Unternehmen dafür, dass gesetzliche und regulatorische Bestimmungen sowie selbst gesetzte ethische Standards und Anforderungen eingehalten werden.

Compliance Officer – eine noch junge Funktion

Die Position des Compliance Officers ist vergleichsweise jung. Kartelle, Bestechungsfälle und Ausschweifungen in großen Konzernen haben das Thema in die Öffentlichkeit gerückt und die Unternehmen veranlasst, dem öffentlichkeitswirksam entgegenzutreten. Aber auch internationale verschärfte Vorschriften wie etwa der UK Bribery Act haben das Bewusstsein der Firmen für dieses Gebiet geschärft. Gerade Großkonzerne haben inzwischen eigene Compliance-Abteilungen aufgebaut und nutzen sie nicht mehr nur für Aufräumarbeiten nach Skandalen oder zur Gefahrenabwehr, sondern zunehmend auch als PR-Instrument.

Im Mittelstand ist die Compliance in eigens geschaffenen Positionen noch selten– das zeigt sich in verschiedenen Studien, wie etwa jüngst in der von Agamon Consulting. Ein gutes Viertel der 150 für die Studien befragten Unternehmen haben bislang noch keine Compliance-Aktivitäten unternommen – was nicht bedeutet, dass diese weniger gesetzestreu sind.

Vorstand: Compliance oft auch in Händen des CFOs

Dass Compliance für Großkonzerne und mittelständische Unternehmen wichtiger wird, zeigt die Vorstandsverantwortung. In den meisten Fällen wird der Bereich direkt zur Chefsache gemacht und dem CEO zugeordnet. In immer mehr Industrieunternehmen verantwortet mittlerweile aber auch der CFO den Bereich Compliance im Vorstand: Bernd Köhler, Finanzchef von Phoenix Solar, Edgar Lange, Finanzvorstand des Großhandelsunternehmens Lekkerland, Mark Alexander Langer, CFO des Modeunternehmens Hugo Boss, Axel-Springer-Finanzchef Lothar Lanz, Qiagen-CFO Roland Sackers, Conti-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer und Joachim Wimmers, CFO des Meßtechnikspezialisten First Sensor, sind nur einige der deutschen CFOs, die neben den kaufmännischen Bereichen auch die Compliance verantworten. Bei Siemens besetzt Joe Kaeser das Thema.

Aber auch eigene Compliance-Vorstände gibt es vereinzelt in der deutschen Unternehmenswelt – vor allem in Großkonzernen. ThyssenKrupp hat mit Donatus Kaufmann seit Anfang dieses Jahres wieder einen Compliance-Vorstand.

Vorwiegend Juristen oder Wirtschaftswissenschaftler in Compliance

Sucht ein Unternehmen – egal, ob groß oder klein – aber einen Compliance-Officer, kann dies ein beschwerlicher Weg werden. Denn Vertrauen und Integrität sind das wichtigste in diesem Beruf, weshalb in den meisten Fällen die Kandidaten nicht von außen kommen. Interne Kandidaten haben gegenüber externen neuen Mitarbeitern zudem den entscheidenden Vorteil, dass sie die Prozesse im Unternehmen kennen und daher wissen, wo sie genauer hinschauen müssen. Ein typischer Karriereweg ist der interne Wechsel aus der Rechts- in die Compliance-Abteilung, da vor allem juristische Kenntnisse gefragt sind.

„Umfassende juristische Kenntnisse sind in diesem Berufsfeld unabdingbar“, sagt Nicole Scherf von der Personalberatung Odgers Berndtson zu der FINANCE-Schwesterpublikation Compliance. „Einen Quereinstieg halte ich für ziemlich schwierig.“ Neben Juristen und Kandidaten mit einer speziellen Compliance-Ausbildung seien allenfalls noch Betriebswirte gefragt, bestätigt Stephan Füchtner, Mitbegründer von Gemini Executive Search.

Einer Berufsfeldstudie zufolge, die der Lehrstuhl für Betriebswirtschaft und Governance, Risk & Compliance an der Quadriga Hochschule Berlin in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Compliance-Manager 2013 durchgeführt hat, haben fast 40 Prozent der 486 befragten Compliance-Verantwortlichen ein Studium der Rechtswissenschaften, 30 Prozent ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert.

Noch ist die Berufsgruppe der Compliance-Manager zudem vorwiegend männlich geprägt. Im Schnitt über alle Altersklassen sind der Berufsfeldstudie zufolge fast drei Viertel der Compliance-Manager, männlich. Je älter die Mitarbeiter sind, desto höher ist laut der Studie der Männeranteil in den Compliance-Berufen.

Ohne Berufserfahrung geht es kaum

Das Alter und die Berufserfahrung spielen im Bereich Compliance ebenfalls eine große Rolle. Persönliche Reife und Berufserfahrung sind Personalberatern zufolge unerlässlich. „Der Compliance Officer muss eine gewisse Gestandenheit mitbringen“, sagt Füchtner von Gemini Executive. „Ein Mindestalter ist keine explizite Anforderung, erklärt sich aber aus diesem persönlichen Profil heraus.“ Da Chief Compliance Officer in der Regel direkt an den Vorstand oder die Geschäftsführung berichten, ist der Bereich kein Feld für Berufseinsteiger.

Info

Was Compliance Officer verdienen können

Compliance Officer: 60.000 bis 75.000 Euro
Senior Compliance Officer: 70.000 bis 100.000 Euro
Chief Compliance Officer: 90.000 bis 200.000 Euro

Quellen: Robert Half, Michael Page, Hays und Fricke Finance & Legal

Die hohen Anforderungen und die Berufserfahrung spiegeln sich in der Vergütung der Compliance Officer wieder. Rund 30 Prozent der für die Berufsfeldstudie befragten Compliance Officer verdienen pro Jahr zwischen 80.000 und 120.000 Euro. Weniger als jeder Zehnte muss sich mit einem Jahressalär zwischen 50.000 und 80.000 Euro begnügen. Lediglich 7 Prozent der Compliance-Manager erhalten weniger als 50.000 Euro im Jahr.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Alle Infos rund um die Compliance finden Sie auf der Website der FINANCE-Schwesterpublikation Compliance unter compliance-plattform.de.

Info

Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Berufsbilder im Finanzbereich – einschließlich Ausbildung, Karrierewege und Gehaltsentwicklungen – finden Sie auf unserer Themenseite Jobs in Finance.

sabine.paulus@finance-magazin.de | + posts

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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