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Abrupter CFO-Abgang bei Veganz

CFO Alexandra Vázquez Bea verlässt den Lebensmittelhersteller Veganz, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Foto: Veganz
CFO Alexandra Vázquez Bea verlässt den Lebensmittelhersteller Veganz, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Foto: Veganz

Veränderungen im Vorstand von Veganz: Der Berliner Hersteller von veganen Lebensmitteln muss seine CFO ziehen lassen. Alexandra Vázquez Bea verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch und im gegenseitigen Einvernehmen zum 31. Dezember dieses Jahres – also in wenigen Tagen. Das teilte Veganz am heutigen Mittwochvormittag mit.

Der Grund für den Weggang der Finanzvorständin: Die 39-Jährige möchte sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen. Welche, teilte Veganz nicht mit. Ein Nachfolger für die scheidende Finanzchefin ist noch nicht gefunden. Der Aufsichtsrat des Unternehmens wolle über die CFO-Nachfolge so bald wie möglich entscheiden.

Veganz-CFO Vázquez Bea arbeitete bei der NordLB

Vázquez Bea leitet seit Juli 2021 das Finanzressort bei dem im Jahr 2011 gegründeten Lebensmittelhersteller. Darüber hinaus ist sie für die Bereiche Personal, IT, Recht und Investor Relations verantwortlich. Die Finanzchefin kennt die Start-up-Szene sehr gut: Sie ist als Mentorin in der Gründerszene aktiv, unter anderem bei dem Agritech-Inkubator Rootcamp. Zudem gründete Vázquez Bea im Jahr 2016 ihr eigenes Lebkuchenunternehmen Lenchen.

Ihre Karriere startete die 39-Jährige aber in einem anderen Bereich, nämlich im Banking: Vázquez Bea arbeitete zunächst knapp sieben Jahre im Bereich Corporate Finance der NordLB. Danach folgte der Wechsel zum Restrukturierungsberater FTI Andersch, wo sie ihrem „Linkedin“-Profil zufolge allerdings nur ein gutes Jahr als Senior Consultant tätig war. Nach der Unternehmensgründung sowie einer kurzen Zeit als freiberufliche Corporate-Finance-Expertin wechselte sie letztlich zu Veganz.

Veganz kämpft mit Umsatzrückgang und Verlusten

Der Zeitpunkt, zu dem Vázquez Bea Veganz verlässt, könnte kaum ungünstiger sein. Veganz kämpft mit einer anhaltenden Konjunkturschwäche, wie das Unternehmen bei der Vorlage der Zahlen des dritten Quartals 2022 mitteilte. Die Produkte von Veganz zielen nach eigener Aussage vor allem auf die Generation Z sowie Millennials+ ab, die „angesichts ihres geringeren Einkommens stark von den Preisanstiegen belastet waren“.

Darüber hinaus habe der Fokus des Lebensmitteleinzelhandels in den ersten Monaten des Jahres 2022 auf der Sicherstellung der Grundversorgung der Bevölkerung gelegen – und nicht auf den eher kostspieligen veganen Produkten. In Zahlen bedeutet dies: Der Umsatz von Veganz lag in den ersten neun Monaten 2022 bei 18,7 Millionen Euro und damit knapp 24 Prozent unter dem Vorjahreswert. Darüber hinaus musste Veganz in den ersten drei Quartalen 2022 einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 8,7 Millionen Euro verbuchen, nach einem Minus von 4,6 Millionen Euro im Vorjahresvergleich.

Veganz-Aktie büßt über 80 Prozent an Wert ein

Auch die Anzahl der Verkaufsstellen ging zurück. Besonders der Roll-out im Discount-Geschäft, in dem Veganz noch keine Festlistungen hat, gestaltet sich für die Berliner nicht einfach. Daher plant Veganz, weitere Investitionen in einen neuen Produktionsstandort vorerst zu stoppen, das Marketing-Budget zu kürzen und die Zahl der Vertriebsaußenmitarbeiter bis April 2023 nahezu zu halbieren.

Die jüngsten Entwicklungen spiegeln sich auch im Aktienkurs wider: Die Aktie befindet sich seit dem Börsengang vor gut einem Jahr auf Talfahrt. Gestartet war das Papier im November 2021 mit einem Ausgabepreis von fast 87 Euro. Heute ist eine Aktie nicht einmal 15 Euro wert – ein Wertverlust von mehr als 80 Prozent.

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.