Newsletter

Abonnements

CFO Jan Kemper verlässt N26 überraschend

Jan Kemper verlässt N26 mit Wirkung zum 31. Januar 2023. Foto: N26
Jan Kemper verlässt N26 mit Wirkung zum 31. Januar 2023. Foto: N26

Das war ein kurzes Gastspiel: Nach nur eineinhalb Jahren wird Jan Kemper Ende Januar 2023 seinen Hut als CFO und Interims-COO von N26 nehmen. Darauf habe man sich „gemeinsam geeinigt“, heißt es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung der Berliner Neo-Bank.

Dass Kempers Abgang durchaus überraschend kommt, legt allein schon die Tatsache nahe, dass N26 ad hoc keinen Nachfolger beziehungsweise Nachfolgerin für den CFO-Posten präsentieren kann. Klar ist bislang nur, dass N26-Mitgründer Maximilian Tayenthal mit sofortiger Wirkung in die Rolle des COO schlüpft, zusätzlich zu seiner bestehenden Funktion als Geschäftsführer der N26 Bank AG.

Mit Blick auf die Leitung des Finanzressorts läuft die Suche. „In der Zwischenzeit wird sich ein starkes internes Team um die entsprechenden Aufgaben kümmern“, wie das Unternehmen auf Anfrage von FINANCE angab.

Anspruchsvoller CFO-Posten bei N26

Fest steht, dass der CFO-Posten bei N26 nichts für schwache Nerven ist: Seit geraumer Zeit hat das Unternehmen mit Governance-Problemen zu kämpfen. So kam es zu mehrfachen Rügen vonseiten der Bafin, im Mai 2021 schickte die Finanzaufsicht aufgrund mangelhafter Geldwäscheprävention N26 einen Sonderbeauftragen ins Haus. Hinzu kam eine temporäre Begrenzung des Neukundenwachstums auf 50.000 pro Monat. Mit Kempers kurz darauf vollzogenem Wechsel zur Smartphone-Bank sollte an dieser Stelle eigentlich wieder Ruhe einkehren.

Zudem waren mit Kemper als neuem CFO von N26 im Markt auch wieder Hoffnungen auf einen baldigen Börsengang des Unternehmens aufgeflammt. Dass der 42-Jährige dazu grundsätzlich fähig ist, hat er 2014 bei Zalando unter Beweis gestellt: Als führender Kopf der Finanzabteilung verantwortete Kemper den damaligen IPO mit einem Volumen in Höhe von 526 Millionen Euro. Eine Wiederholung dieser Erfolgsgeschichte bei N26 bleibt Kemper nun also verwehrt.

CFO-Profil

Dafür brachte Kemper N26 an anderer Stelle voran: Unter anderem schloss er eine Series-E-Finanzierungsrunde über 900 Millionen Dollar ab, begleitete die Umstellung auf IFRS sowie den Rechtsformwechsel zur AG. Mit Blick auf die operative Entwicklung der Neo-Bank hatte der CFO zuletzt dagegen weniger positive Nachrichten zu überbringen: So stand im vergangenen Jahr ein Verlust von 172,4 Millionen Euro zu Buche. Auch für das laufende Geschäftsjahr stellte Kemper einen Verlust in Aussicht, der allerdings niedriger als 2021 ausfallen soll.

Jan Kemper widmet sich künftig anderen Projekten

„Jan hat maßgeblich dazu beigetragen, die Strukturen und die Governance von N26 weiter zu stärken. So konnte eine solide Grundlage für den weiteren Erfolg des Unternehmens geschaffen werden. Wir sind Jan für seinen Beitrag zur Unternehmensentwicklung sehr dankbar und wünschen ihm für seine berufliche und private Zukunft alles Gute“, würdigte Marcus W. Mosen, Aufsichtsratsvorsitzender von N26, Kempers Verdienste.

Zu seiner persönlichen Zukunft bezog der promovierte und habilitierte Betriebswirt Kemper, der zwischen 2017 und 2019 CFO bei ProSiebenSat.1 war, gestern auf LinkedIn Stellung: Er wolle sich künftig stärker seinen diversen Aufsichtsratstätigkeiten, seinen eigenen Unternehmensgründungen sowie seiner Professur an der RWTH Aachen widmen.

Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.