Finanzchef Guido Huppertz hat den Automobilzulieferer Benteler verlassen.

Benteler

05.08.20
CFO

Benteler-CFO geht während der Restrukturierung

CFO Guido Huppertz hat nach fast 20 Jahren den kriselnden Autozulieferer Benteler mitten in der laufenden Restrukturierung verlassen – einem Zeitungsbericht zufolge angeblich auf Drängen der finanzierenden Banken hin.

Veränderungen im Vorstand von Benteler: Wie der Paderborner Automobilzulieferer erst heute mitteilte, hat Finanzchef Guido Huppertz das Unternehmen bereits zum 10. Juli dieses Jahres verlassen. Der CFO sei aus persönlichen Gründen und im Einvernehmen mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat ausgeschieden, heißt es in der Mitteilung.

Bereits vor knapp zwei Wochen kursierten Gerüchte, die auf andere Beweggründe hindeuteten. Wie das „Manager Magazin“ damals schrieb, habe der 52-Jährige bei Benteler angeblich vor allem auf Drängen der Gläubiger hin seinen Hut nehmen müssen. Dabei sei sein Vertrag erst „kürzlich“ verlängert worden, wie es in dem Bericht heißt. Das Unternehmen wollte dies auf Nachfrage nicht näher kommentieren.

CFO Huppertz war 20 Jahre bei Benteler

Mit Guido Huppertz geht eine Ära bei dem Autozulieferer zu Ende. Der Finanzchef arbeitete bereits seit 2001 in verschiedenen Positionen in der Finanzabteilung von Benteler. Für die Paderborner war er auch in Österreich und Südafrika tätig. Seit 2017 gehörte Huppertz dem Vorstand an und verantwortete die Ressorts Accounting, Controlling, Internal Audit, Legal, Tax und Treasury. Seine Karriere startete Huppertz bei dem Wirtschaftsprüfer PwC.

Insgesamt blickt der Finanzchef auf fast 20 Jahre bei Benteler zurück. „Guido Huppertz hat einen wertvollen Beitrag für die Entwicklung und Internationalisierung unseres Unternehmens geleistet. Wir danken ihm für seinen außerordentlichen und langjährigen Einsatz sehr herzlich,“ lässt sich Vorstandschef Ralf Göttel zitieren.

Wohin es Guido Huppertz zieht, ist nicht bekannt. Benteler hat bereits mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen. Der CFO ist allerdings nicht der einzige Manager, der den Autozulieferer verlässt. Auch Isabel Diaz Rohr, die als Vorstandsmitglied für die Ressorts HR, IT und Communications/Marketing verantwortlich war, hat die Paderborner Ende Juli auf eigenen Wunsch hin verlassen.

Benteler dünnt Vorstand aus

Die beiden Abgänge nimmt das Unternehmen zum Anlass, um die Vorstandsressorts neu zuzuschneiden. Die Aufgaben von Isabel Diaz Rohr übernehmen CEO Ralf Göttel und Chief Restructuring Officer (CRO) Arno Haselhorst, der seit Mitte Juni bei Benteler an Bord ist.

Der Posten von Isabel Diaz Rohr soll nicht nachbesetzt werden. „Wir planen im Rahmen der laufenden Transformation langfristig die Vorstandsstruktur zu verändern. Dabei kehren wir zu der Aufteilung in zwei Ressorts zurück“, erklärt Ralf Göttel. Auf Dauer werden demnach CEO Göttel und ein neuer CFO im Vorstand angesiedelt sein, der allerdings erst noch gefunden werden muss.

Benteler treibt Restrukturierung voran

Die Trennung vom CFO kommt für Benteler mitten in der Restrukturierungsphase. Vor rund zwei Jahren hatte das Unternehmen eine umfangreiche Transformation angestoßen. Das damals ausgerufene Ziel: Die Kosten müssen runter und Benteler soll profitabel wachsen.

Diese Maßnahmen sind auch dringend nötig: Im Jahr 2018 erzielte Benteler einen Umsatz von rund 8 Milliarden Euro, übrig blieb unter dem Strich aber nur ein Konzernergebnis von 31 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Paderborner sogar nur 7,7 Milliarden Euro. Die Coronakrise dürfte diesen Zahlen einen weiteren Dämpfer verpassen, was die laufende Restrukturierung nicht leichter machen dürfte.

Muss Benteler Schuldscheine refinanzieren?

Um bei der Restrukturierung mehr Zug reinzubringen, haben die Paderborner daher vor rund dreieinhalb Wochen Arno Haselhorst zum CRO berufen – dem „Manager Magazin" zufolge auf Drängen der finanzierenden Banken. Das Transformationsprogramm gemeinsam mit Haselhorst voranzutreiben, dürfte eine der Hauptaufgaben des neuen CFO werden, der dem Bericht zufolge ebenfalls von den kreditgebenden Banken gesucht werden soll.

Und noch eine knifflige Aufgabe wird den künftigen Finanzchef bei Benteler erwarten: Benteler ringt derzeit um seine Refinanzierung. Das Unternehmen ist mit rund 2 Milliarden Euro stark verschuldet. Der Großteil der Schuldenlast entfällt dabei auf Schuldscheine, die zusammengenommen einen hohen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen.

Benteler prüft nach eigener Aussage mögliche KfW-Kredite in Deutschland. Dies dürfte jedoch schwierig werden, da Benteler eine Holding in Salzburg hat. Wie „DerTreasurer“ berichtete, sollen die führenden Banken, darunter die Commerzbank, die DZ Bank, LBBW, NordLB und die österreichische Erste Bank, auch schon unruhig geworden sein.

Die Verhandlungen mit den Banken könnten noch Monate dauern, daher würden sogar einige der Institute in Erwägung ziehen, Kredite unter par zu verkaufen, so der Bericht. Zudem hätten die Gläubiger auch schon eine Schar an Beratern mandatiert, darunter die Investmentbank Rothschild sowie die Kanzleien Ashurst und White & Case. Der neue Benteler-CFO wird voraussichtlich an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen müssen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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