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08.01.16
CFO

Bernard Schäferbarthold wird neuer CFO von Hella

Nordex muss sich einen neuen CFO suchen: Finanzchef Bernard Schäferbarthold wechselt zum Autozulieferer Hella. Schäferbarthold hat maßgeblich zum Turnaround des Windturbinenbauers beigetragen.

Erst Ende Dezember hat der CFO von Nordex, Bernard Schäferbarthold, eine milliardenschwere Finanzierung  für den Windturbinenbauer auf den Weg gebracht, da verkündet der Windturbinenbauer überraschend, dass der CFO Nordex verlassen wird. Der 45-Jährige habe sich entschlossen, seinen Vertrag, der Ende 2016 ausläuft, nicht zu verlängern, meldete Nordex gestern Abend. Vor wenigen Minuten wurde bekannt, wo es Schäferbarthold hinziehen wird: Er wird Finanzchef des Autozulieferers Hella und damit Nachfolger von Wolfgang Ollig, der im vergangenen Frühjahr seinen Rückzug angekündigt hatte.  

Wann der Wechsel vollzogen wird, ist unklar. Ollig wird Hella spätestens Ende Juni verlassen, Schäferbartholds Vertrag bei Nordex läuft aber noch bis zum Jahresende. Nordex gab an, dass Schäferbarthold aus „familiären Gründen“ seinen Vertrag nicht verlängern wolle.

Die Dankesworte fallen ausführlich aus: „Wir bedauern, aber respektieren die Entscheidung von Herrn Schäferbarthold, Nordex zum Jahresende zu verlassen. Der Aufsichtsrat und CEO Lars Bondo Krogsgaard danken ihm bereits heute für seinen Einsatz und seine wertvollen Beiträge, die er zum Wohl der Nordex geleistet hat", lässt sich Aufsichtsratschef Wolfgang Ziebart zitieren. Einen Nachfolger für den scheidenden Finanzchef muss Nordex erst noch suchen.

CFO Schäferbarthold hat bei Nordex den Turnaround geschafft

Der studierte Volkwirt Schäferbarthold kam 2005 als Leiter Finanzen und Rechnungswesen zu Nordex. Er wurde 2007 zum CFO befördert und führte das Unternehmen in den vergangenen Jahren aus seiner Krise heraus. Im Zuge der Finanzkrise war der Turbinenbauer abgestürzt, der Finanzchef verordnete Nordex daraufhin einen harten Sanierungskurs mit Werksschließungen, Kostensenkungen und einem strikten Working-Capital-Programm. Inzwischen hat das Unternehmen den Turnaround geschafft und CFO Schäferbarthold hat erst kürzlich das Umsatzziel für 2015 auf bis zu 2,4 Milliarden Euro erhöht. 2014 lag der Umsatz noch bei 1,7 Milliarden Euro, 2013 bei 1,4 Milliarden Euro.

Im Oktober erst hat Schäferbarthold außerdem einen wegweisenden M&A-Deal für Nordex eingefädelt: Mit der Übernahme der Windkraftsparte des spanischen Mischkonzerns Acciona für 785 Millionen Euro will sich der Hamburger Turbinenbauer den Zugang zu den stark wachsenden Energiemärkten der Schwellenländer öffnen. Nach Closing des Deals wird der Nordex-Umsatz auf über 4 Milliarden Euro ansteigen.

Hella ist ein größeres Kaliber für Schäferbarthold als Nordex

Die Übernahme nahm Schäferbarthold zum Anlass, die Kapitalmarktfinanzierung von Nordex neu zu ordnen. Er vereinbarte eine neue syndizierte Avalkreditlinie mit einem Volumen von 950 Millionen Euro, die auf 1,2 Milliarden Euro aufgestockt werden kann, und zurrte einen bis zu 18 Monaten laufenden syndizierten Kredit über 450 Millionen Euro fest. Schäferbarthold ist FINANCE-CFO des Monats Dezember.

Hella ist für Schäferbarthold dennoch ein anderes Kaliber als Nordex. Das Familienunternehmen erwirtschaftet fast 5,8 Milliarden Euro Umsatz, beschäftigt 32.000 Mitarbeiter und gehört zu den 100 größten Industrieunternehmen Deutschlands. Seit dem Herbst 2014 ist ein Minderheitsanteil von Hella an der Börse notiert. Die Marktkapitalisierung von 4,2 Milliarden Euro ist wesentlich größer als die von Nordex – der Windturbinenhersteller kommt auf 2,6 Milliarden Euro.

Hella hat sich schnell zu einem Börsenliebling gemausert, doch ungetrübt ist die Erfolgsstory nicht: Der Autozulieferer hatte im Herbst gravierende Probleme mit seiner Lieferkette in China einräumen müssen, die das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres mit bis zu 50 Millionen Euro belasten werden. Die Aufräumarbeiten laufen, aber die Investoren werden genau beobachten, ob Hella diese Probleme nachhaltig lösen kann. Schäferbarthold könnte der richtige Mann dafür sein: Er gilt als Supply-Chain- und Working-Capital-Spezialist.   


julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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