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08.01.16
CFO

CFO des Monats: Bernard Schäferbarthold

Ein gelungener Turnaround, ein wegweisender M&A-Deal und jetzt auch noch eine milliardenschwere Kapitalmarktfinanzierung: Der scheidende Nordex-CFO Bernard Schäferbarthold legte eine hohe Schlagzahl vor und half, den Windturbinenbauer auf ein neues Level zu heben.

Von vollmundigen Versprechen, die nicht gehalten werden können, hält er nichts. Zu früh über Erfolge freuen will er sich auch nicht. Bernard Schäferbarthold, der Finanzchef des Windturbinenbauers Nordex, gibt sich in Interviews gerne nüchtern und zurückhaltend.  

Doch der neue Milliardenkredit, den Schäferbarthold jetzt für Nordex gesichert hat, dürfte auch für ihn Anlass zur Freude sein – und der ausschlaggebende Punkt, um ihn zum CFO des Monats Dezember zu küren. Denn mit dem neuen Finanzierungsrahmen hat Schäferbarthold Nordex für den bevorstehenden Sprung in eine neue Größenklasse gerüstet und kann das Unternehmen guten Gewissens Richtung Hella verlassen.  

Ende Dezember verkündete der Windturbinenbauer, dass er seinen Finanzierungsrahmen erheblich ausgeweitet hat. CFO Schäferbarthold hat eine neue syndizierte Avalkreditlinie mit einem Volumen von 950 Millionen Euro vereinbart, die sogar auf 1,2 Milliarden Euro aufgestockt werden kann. Das ist mehr als das doppelte der bisherigen Kreditlinie von 550 Millionen Euro, die nun abgelöst werden soll. 

Schäferbarthold rearrangiert Finanzierung, Portfolio und Aktionariat

Bemerkenswert ist nicht nur die Höhe des syndizierten Kredits, sondern auch die Zusammenstellung des insgesamt 14 Banken umfassenden Syndikats: „Bei der Auswahl der Banken haben wir darauf geachtet, dass diese die erweiterte regionale Ausrichtung der Gruppe in Schwellen- und Entwicklungsländer begleiten können“, erklärte der Finanzchef. Und es könnten noch weitere Banken hinzukommen, welche insbesondere die Wachstumsmärkte Südafrika, Mexiko und Indien abdecken, die in Kürze für Nordex erheblich an Bedeutung gewinnen werden.

Auslöser der neuen finanziellen Aufstellung ist der Megadeal, den der CFO vor einigen Monaten eingefädelt hat und der Nordex den Zugang zu den stark wachsenden Windenergiemärkten der Schwellenländer öffnen soll. Im Oktober hatte Nordex angekündigt, die Windenergie-Sparte des spanischen Mischkonzerns Acciona für einen Gesamtpreis von 785 Millionen Euro übernehmen zu wollen. Die Konsolidierung von Acciona Wind wird den Umsatz in den kommenden Jahren von 2 auf 4 Milliarden Euro verdoppeln.

Im Zuge dessen orchestrierte Schäferbarthold auch den geräuschlosen Wechsel des Großaktionärs: Skion, die Beteiligungsholding der Klatten-Familie, zog sich zurück, Acciona kontrolliert stattdessen nun fast 30 Prozent von Nordex. „Wir wollten schon lange einen industriellen strategischen Partner. Bei Acciona haben wir diese Möglichkeit gesehen. Wir sind sehr zufrieden damit, wie konstruktiv die Klatten-Familie diesen Prozess begleitet hat“, erklärte Schäferbarthold seinerzeit gegenüber FINANCE diesen Schritt.  

Als nächstes muss Schäferbarthold Acciona Wind refinanzieren

Die Brückenfinanzierung für den M&A-Deal hat Schäferberthold ebenfalls in einem Zug mit einem bis zu 18 Monaten laufenden syndizierten Kredit über 450 Millionen Euro dingfest gemacht. Dieser dürfte schon bald durch einen langfristigen Kredit abgelöst werden. Angesichts des zuletzt guten Track Rekords von Nordex wäre ein Jumbo-Schuldschein denkbar. Schäferbarthold scheint dieser Lösung zuzuneigen.   

Schäferberthold muss neue Liquidität ins Haus holen, denn nach Abschluss der Übernahme werden die engen Finanzbeziehungen zwischen Acciona Windpower und der bisherigen Mutter gekappt.  Dann muss Nordex ran und die neue Tochter liquide halten.

Nordex ist durch ein tiefes Tal gegangen

Die seit Jahren positive Entwicklung von Nordex – gekennzeichnet durch starkes Wachstum und mehrmalige Prognoseanhebungen – ist eine Wiederauferstehung, denn im Zuge der Finanzkrise war der Windturbinenbauer schwer abgestürzt. Die Aktie, die im Oktober 2007 beim Höchststand von 35 Euro notierte, brach ein und war in ihren schlechtesten Phasen nur noch 3 Euro wert. Das Unternehmen geriet in schwere Bedrängnis, aus finanziellen Gründen musste Nordex das Zukunftsgeschäft mit Windturbinen auf offener See aufgeben.

Schäferbarthold wurde zur Schlüsselfigur des anschließenden Turnarounds. Er verordnete dem Unternehmen einen harten Sanierungskurs, erhebliche Kostensenkungen, Werksschließungen und ein striktes Working-Capital-Programm, das Nordex um mehrere hundert Millionen Euro entlastete. Das Nettoumlaufvermögen ist inzwischen sogar negativ, und das obwohl Nordex rasant wächst. Der Grund liegt darin, dass das Unternehmen von seinen Kunden umfangreiche Anzahlungen erhält, die mit wachsenden Auftragseingängen immer mehr Geld in die Kasse spülen.

Das Umsatzziel für 2015 hat Schäferbarthold vor kurzem auf bis zu 2,4 Milliarden Euro erhöht – 2013 standen noch Erlöse von 1,43 Milliarden Euro in den Büchern, 2012 waren es 1,08 Milliarden. Die Aktie notiert wieder über 30 Euro und kratzt trotz der derzeit schweren Turbulenzen an den Kapitalmärkten an ihrem Allzeithoch.

Nordex ist Schäferbartholds erste CFO-Station. Seit 2007 ist er Nordex-Finanzchef, zwei Jahre zuvor konnte er die Finanzen von Nordex als Leiter Finanzen und Rechnungswesen kennenlernen. Davor war der studierte Volkswirt fast zehn Jahre lang Wirtschaftsprüfer bei Warth & Klein. Auf den anderen Vorstandsposten gab es seit 2007 ein munteres Wechselspiel. Schäferbarthold war bisher die Konstante im Management – jetzt muss sich Nordex einen neuen CFO suchen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Für herausragende Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.