Steigt zum CEO auf: Henkel-Finanzchef Carsten Knobel

Henkel

25.10.19
CFO

CFO Carsten Knobel wird neuer Henkel-Chef

Finanzvorstand Carsten Knobel löst Hans Van Bylen ab und rückt bei Henkel an die Spitze. Er muss den Konsumgüterkonzern wieder in die Balance bringen und die digitale Transformation weiter vorantreiben.

Bei Henkel gibt es einen Führungswechsel. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Hans Van Bylen scheidet zum Jahresende aus dem Unternehmen aus. Seine Nachfolge tritt der bisherige Finanzchef des Konsumgüterherstellers an: Carsten Knobel wird zu Jahresbeginn an die Spitze rücken. Wer seine Nachfolge als CFO antreten wird, steht noch nicht fest.

Für Hans Van Bylen endet die Zeit als Henkel-Chef damit vorzeitig. Er trat 2016 an die Unternehmensspitze, sein Vertrag läuft eigentlich noch bis Ende 2020. Er habe sich nun aber „aus persönlichen Gründen entschlossen, keine weitere Amtszeit als Vorstandsvorsitzender anzustreben“, teilt er mit. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates und Gesellschafterausschusses, Simone Bagel-Trah, dankte ihm im Namen der Gremien sowie der Familie Henkel „ausdrücklich“ für seine Verdienste.

Ganz unbeschwert waren aber gerade die vergangenen Monate seiner Amtszeit nicht. Zu Beginn des Jahres musste der Manager etwa eine sinkende Rendite ankündigen – zum ersten Mal seit langem bei dem geschichtsträchtigen Konzern. Im Sommer dann musste er den Ausblick für das Gesamtjahr senken. Probleme bereitet derzeit unter anderem die Beautysparte, und auch die über lange Zeit renditestarke Klebstoffsparte litt zuletzt unter dem Abschwung in der Autoindustrie.

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Carsten Knobel, Henkel AG

Carsten Knobel startet seine berufliche Karriere 1995 als Assistent des damaligen Forschungsvorstands bei Henkel. Es folgt der Wechsel ins Controlling, wo er einige Jahre das internationale Marketing-Controlling der strategischen Geschäftseinheit Haar im Unternehmensbereich Kosmetik und Körperpflege (heute Beauty Care) leitet. Von 2000 bis 2002 ist Knobel innerhalb des Kosmetik-Geschäfts für das Controlling in den Regionen Nordamerika, Lateinamerika und Asien zuständig. 2002 verantwortet er als International Marketing Manager die Schwarzkopf-Marke Taft. 2003 wird er Direktor für Business Development im Geschäftsbereich Kosmetik und Körperpflege.

Ab 2006 leitet Knobel als Corporate Vice President die Konzernstrategie und das Konzerncontrolling von Henkel. 2009 steigt er zum Corporate Senior Vice President auf und übernimmt zusätzlich die Funktion des Finanzdirektors für den Unternehmensbereich Kosmetik und Körperpflege. Im Juli 2012 wird Carsten Knobel als CFO in den Vorstand berufen. Dort verantwortet er neben dem Unternehmensbereich Finanzen auch die Bereiche Einkauf und Integrated Business Solutions. Im Oktober 2019 wird Knobel zum Henkel-Chef befördert, seinen Posten tritt er im Januar 2020 an.

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Carsten Knobel rückt nach 25 Jahren an die Henkel-Spitze

Knobel rückt damit zu einem Zeitpunkt an die Spitze der Düsseldorfer, an dem der Konzern von den Investoren besonders kritisch beäugt wird. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der sich nun schon seit längerem in der Tendenz nach unten bewegt.

Abwärtstrend der Henkel-Aktie (Kurs seit Januar 2017)

Der neue Chef wird wieder mehr Dynamik in das Geschäft von Henkel bringen müssen. Gleichzeitig bedeutet die Berufung des Eigengewächses auch Kontinuität: Knobel kennt das Unternehmen bereits seit 25 Jahren.

Er stieg 1995 bei Henkel als Assistent des Vorstandes für Forschung und Entwicklung ein. Danach folgten Stationen in der Sparte Beauty Care mit Aufgaben in den Bereichen Controlling und M&A sowie im operativem Geschäft. Er stieg 2006 zum Leiter der Konzernstrategie und des Konzern-Controllings sowie zum Finanzdirektor des Bereichs Beauty Care auf, bevor er 2012 als Finanzchef in den Vorstand einzog.

Digitale Transformation bei Henkel im Fokus

Ein wichtiger Baustein für die weitere Entwicklung von Henkel ist die digitale Transformation. Die Digitalisierung in allen Bereichen war in der Vergangenheit von Van Bylen vorangetrieben und von Carsten Knobel aktiv begleitet worden. Anfang Oktober hatte Knobel bereits de facto die Verantwortung für die digitale Transformation von Van Bylen übernommen.

Möglicherweise könnte in die Anfangsphase von Neu-CEO Knobel auch ein M&A-Deal fallen. Zumindest steht die in der Vergangenheit von Henkel begehrte Traditionsmarke Wella aktuell wieder zum Verkauf.

Analysten sehen Knobel-Berufung kritisch

Der Kapitalmarkt reagiert skeptisch auf die Berufung des Finanzchefs zum CEO. Der Aktienkurs sackte zeitweise um rund 4 Prozent in den Bereich von 89,20 Euro ab. Auslöser dafür könnten auch einige kritische Analystenstimmen sein, die heute zu hören waren.

Celine Pannuti von der US-Bank JP Morgan schrieb, in der Konsumgüterbranche hätten es Finanzchefs bislang selten geschafft, als Konzernchef Erfolg zu haben. Ebenfalls sei Knobel als Teil des Managements auch mitverantwortlich dafür, dass Henkel operativ nicht liefern konnte. Sie führt zudem die Übernahme des US-Waschmittelherstellers Sun Product an, die die Erwartungen enttäuschte.

Auch Martin Deboo vom Analysehaus Jefferies sieht Knobels Berufung wegen seiner Beteiligung an den bisherigen Entscheidungen kritisch. Knobel wird deshalb unbedingt zeigen müssen, dass er eigene Akzente setzen kann.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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