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Der ungewöhnliche CV des neuen Tönnies-CFOs

Tönnies-Zentrale in Rheda-Wiedenbrück: Der Fleischereikonzern hat in Carl Bürger einen neuen CFO gefunden. Foto: Tönnies
Tönnies-Zentrale in Rheda-Wiedenbrück: Der Fleischereikonzern hat in Carl Bürger einen neuen CFO gefunden. Foto: Tönnies

Neuer CFO bei Tönnies: Wie der Fleischereikonzern mitteilt, wird Carl Bürger Anfang kommenden Jahres Finanzchef des Unternehmens aus dem niedersächsischen Rheda-Wiedenbrück. Der 34-Jährige tritt die Nachfolge von Daniel Nottbrock an. Der 45-Jährige verantwortete die Tönnies-Finanzen in den vergangenen 20 Jahren.

Nottbrock bleibt dem Konzern jedoch weiterhin erhalten: Er wird sich ab dem 1. Januar 2022 auf seine Aufgabe als Geschäftsführer des Single-Family-Office Asset Immobilien GmbH konzentrieren, heißt es in einer Mitteilung. Darüber hinaus bleibt Nottbrock im Beirat der Tönnies Unternehmensgruppe.

Daniel Nottbrock konzentriert sich auf seine Aufgaben im Family Office. Foto: Tönnies
Daniel Nottbrock konzentriert sich auf seine Aufgaben im Family Office. Foto: Tönnies

Die Übergabe habe man schon seit einigen Jahren ins Auge gefasst, lässt sich Noch-Tönnies-CFO Nottbrock zitieren: „Die Asset Immobilien GmbH ist so umfangreich und vielfältig geworden, dass ich allein damit alle Hände voll zu tun habe“, begründet der Manager den nun vollzogenen Schritt. Die Asset-Gruppe verwaltet ein eigenes Immobilien-Portfolio.

Tönnies plante Übergabe der CFO-Aufgaben

Nachfolger Bürger ist im Tönnies-Konzern beruflich groß geworden und kam vor 16 Jahren zur Unternehmensgruppe. Laut Tönnies war bereits Bürgers Großvater als Verwaltungsleiter am Standort in Weißenfels für das Unternehmen tätig.

Der designierte CFO absolvierte seine ersten Stationen bei Tönnies als Praktikum und Ferienjob. Anschließend verbrachte er den praktischen Teil seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften bei Tönnies in Rheda.

Carl Bürger wird neuer CFO von Tönnies. Foto: Tönnies
Carl Bürger wird neuer CFO von Tönnies. Foto: Tönnies

Bereits mit 21 Jahren übernahm er die Leitung des Rechnungswesens, kurz darauf kam die Rechnungskontrolle hinzu, ehe er zum Stellvertreter von Finanzchef Nottbrock ernannt wurde. In den vergangenen drei Jahren sei Bürger auf seine neue Aufgabe vorbereitet worden und habe das operative Finanzgeschäft der Gruppe sukzessive von Nottbrock übernommen, teilte Tönnies mit.

Zuletzt hat Bürger bei verschiedenen M&A-Deals mitgearbeitet: Laut dem Fleischkonzern hatte er „großen Anteil“ an den Zukäufen der dänischen Tican-Gruppe im Jahr 2015 sowie an dem zuletzt gekauften Wurstproduzenten Schwarz Cranz.

Kommt Tönnies zur Ruhe?

Der Schwarz-Cranz-Deal, eine Transaktion aus dem Bereich Distressed M&A, gestaltete sich allerdings komplex: Eigentlich wollte Insolvenzverwalter Friedrich von Kaltenborn-Stachau Schwarz Cranz komplett an die Tönnies-Tochter Zur Mühlen verkaufen. Doch die Transaktion scheiterte in der avisierten Form auf der Zielgeraden: In zwei Produkten wurde ein Bakterienbefall mit Listerien festgestellt, Schwarz Cranz musste in der Folge Waren zurückrufen. Berichten zufolge wurde der Kaufvertrag abgeändert, so dass der Stammsitz ausgeklammert und die Produktion dort geschlossen wurde.

Tönnies dürfte mit seinem neuen CFO versuchen, wieder zur Ruhe zu kommen und sich verstärkt auf das Geschäft zu konzentrieren. Das Unternehmen ist mit etwa 7 Milliarden Euro Jahresumsatz Deutschlands größter Fleischproduzent, geriet in der jüngeren Vergangenheit aber immer wieder durch einen Gesellschafterstreit, einen Rassismus-Skandal um den geschäftsführenden Gesellschafter Clemens Tönnies sowie durch prekäre Arbeitsbedingungen in den Fabriken in die Schlagzeilen.

Vor wenigen Wochen kam es dann zu einer überraschenden Einigung des zerstrittenen Tönnies-Clans. Der zuvor erwogene Verkauf – an dem auch Private Equity-Investoren vorsichtiges Interesse gezeigt haben sollen – wurde in der Folge abgeblasen. Dem Vernehmen nach sollen finanziell enttäuschende Kaufofferten das neue Gemeinschaftsgefühl unter den Familieneigentümern befördert haben. Tönnies bleibt nun in Familienhand.

jakob.eich[at]finance-magazin.de


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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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