E.on-CFO Michael Sen geht zurück zu Siemens. Sein Nachfolger muss die Bilanz des Stromkonzerns entlasten.

E.on

17.11.16
CFO

E.on-CFO Michael Sen geht zurück zu Siemens

Joe Kaeser holt E.on-CFO Michael Sen zu Siemens zurück. E.on braucht schnell einen Nachfolger für Sen – allein schon, um die Bilanz in Ordnung zu bringen.

E.on muss einen neuen Finanzchef suchen. Noch-CFO Michael Sen habe von Siemens das Angebot erhalten, dort in den Vorstand einzuziehen und die Verantwortung für die Medizintechnik-Sparte zu übernehmen. Er wolle dieses annehmen, sagte ein E.on-Sprecher auf Anfrage von FINANCE. Derzeit würden E.on und Siemens über den Zeitpunkt des Wechsels reden, so der Sprecher weiter. Frühestens würde Sen zum 1. Januar wechseln, als wahrscheinlicher gilt ein Abschied im Frühjahr, nach Vorlage des Jahresabschlusses. Was das für den aktuell amtierenden, nicht unumstrittenen Siemens-Medizintechnikchef Bernd Montag bedeutet, ist gegenwärtig noch unklar.

Michael Sen war für die Abspaltung des Strom- und Gasgeschäfts von E.on zuständig, das seit Oktober unter dem Namen Uniper an der Börse notiert. Bei E.on liegen jetzt die Zukunftsgeschäfte Vertrieb, Stromnetze und Ökostrom-Anlagen, aber auch das ungeliebte Atomgeschäft mit seinen umfangreichen Folgeverpflichtungen.

Sen bringt Spin-off-Erfahrung zu E.on

Die Spin-off-Erfahrung dürfte ein wesentlicher Grund sein, aus dem Siemens-Chef Joe Kaeser Sen zurück zur Medizintechnik holt, deren Finanzen Sen von 2008 bis 2015 geleitet hatte. Schließlich plant Kaeser, die Sparte an die Börse zu bringen. Zu E.on gegangen war Sen dem Vernehmen nach, weil Kaeser ihm den Chefposten bei der Siemens-Medizintechnik versagt hatte. Sen galt damals auch als Kandidat für den Posten des Konzern-CFOs, den Kaeser dann allerdings mit Ralf Thomas besetzte.

Der Bruch vor knapp zwei Jahren war auch deshalb überraschend gekommen, weil Sen und Kaeser alte Weggefährten sind. Zwischen 2007 und 2008, in Kaesers ersten Jahren als Konzern-CFO, agierte Sen als Investor-Relations-Chef von Siemens.

Nettoverschuldung von E.on liegt bei 5x Ebitda

E.on dürfte jetzt alles daran setzen, zügig einen neuen geeigneten Finanzchef an Bord zu bekommen. Der Stromkonzern musste für die ersten neun Monate des laufenden Jahres einen Rekordverlust von 9,3 Milliarden Euro hinnehmen – auch, weil E.on als Minderheitseigner nach dem Börsengang 6,1 Milliarden Euro auf Uniper abschrieb.

Dies führte zu starker Kritik an dem Weg, den E.on gewählt hat, um die Geschäftsfelder in zwei Unternehmen zu trennen. Während RWE das Zukunftsgeschäft unter dem Namen Innogy abspaltete und damit eine eingängige Börsenstory schuf, muss E.on sich mit den Altlasten sowohl direkt (mit den Atom-Assets) als auch indirekt (mit der Beteiligung an Uniper) herumschlagen. Auch deshalb ist die Bilanz von E.on enorm gestreckt – das Verhältnis von wirtschaftlicher Nettoverschuldung zu Ebitda liegt laut Berenberg bei 5x.

E.on-Investoren strafen Michael Sens Weggang ab

Dafür, dass E.on sich beim Zeitpunkt von Sens Weggang kulant zeigt, gibt es zwei Erklärungen. Die eine: Sen hat seine Aufgabe, Uniper abzuspalten, technisch einwandfrei erledigt, und man will ihm keine Steine in den Weg legen. Die andere: Im Konzern ist Sen umstritten, auch wegen der Mehrbelastung durch die Abschreibung auf Uniper, die das Eigenkapital von E.on nach IFRS nahezu vollständig ausradiert hat.

Die E.on-Aktionäre zumindest begrüßen den Weggang Sens nicht. Mit einem Minus von knapp 2 Prozent fällt die Aktie am Donnerstag Nachmittag in die Nähe ihres Allzeittiefs.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Das Timing für die Verkündung des Wechsels von Michael Sen könnte kaum besser sein: Am heutigen Donnerstag hat der Finanzer Geburtstag. Mehr erfahren Sie über ihn in seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.