Matthias Willenbacher hat den CEO-Posten bei der von ihm mitbegründeten Juwi niedergelegt.

Juwi Holding AG

01.04.15
CFO

Gründer Matthias Willenbacher verlässt überraschend Juwi

Die Zusammenarbeit des neuen Mehrheitsaktionärs MVV mit Juwi-Gründer Matthias Willenbacher währte nicht lange: Wie jetzt bekannt wurde, stieg der CEO zum Ende des ersten Quartals aus der operativen Führung des Unternehmens aus.

Skeptiker hatten sich schon im Vorfeld des M&A-Deals gefragt, wie die Juwi-Gründer Fred Jung und Matthias Willenbacher sich mit dem Mehrheitsaktionär MVV arrangieren würden. Im Fall von Willenbacher steht nun fest: Die Zusammenarbeit war von kurzer Dauer. Überraschend hat sich der 45-Jährige mit Ablauf des ersten Quartals aus dem Vorstand zurückgezogen, wie Juwi mitteilte.

Seitens des Unternehmens heißt es, der Schritt erfolge „in bestem gegenseitigen Einvernehmen“. Jung und Willenbacher hatten das Unternehmen 1996 gegründet. Willenbacher betonte anlässlich seines Rücktritts, als Miteigentümer trage er weiterhin Verantwortung für die Entwicklung des Unternehmens und stehe ihm mit seiner Erfahrung zur Verfügung. Gründe für den Rückzug des Firmengründers aus dem operativen Geschäft nannte Juwi nicht.

Juwi-Gründer Willenbacher droht womöglich Gerichtsverfahren

Der zweite Juwi-Gründer Fred Jung behält im Gegensatz zu Willenbacher seinen Vorstandsposten. Er leitet das Unternehmen mit COO Stephan Hansen sowie mit Marcus Jentsch, der seit Januar den CFO-Posten bei Juwi innehat. Jentsch war zuvor Investor-Relations-Chef von MVV. Der Mannheimer Energiekonzern hatte im Rahmen der Mehrheitsübernahme angekündigt, den Finanzvorstand für Juwi selbst zu stellen. MVV hatte im Dezember über eine Kapitalerhöhung 50,1 Prozent der Anteile an dem Wörrstädter Spezialisten für erneuerbare Energien erworben.

Willenbacher könnte demnächst noch ein Gerichtsverfahren bevorstehen: Juwi war im Juli 2013 ins Zwielicht geraten, als bekannt wurde, dass ein Vorstandsmitglied – schon damals kursierten Gerüchte, es handle sich um Willenbacher – einen Politiker bestochen haben soll. Die Behörden ermittelten wegen des Verdachts auf „Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung in drei Fällen“. Die Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen den Juwi-Vorstand, bei Gericht als „Juwi-Geschäftsführer M. W.“ geführt, wurde im vergangenen Sommer zunächst verschoben. Juwi hatte gegenüber Medien in der Vergangenheit betont, der Tatbestand sei ihrer Einschätzung nach nicht erfüllt. In diesen Tagen soll sich entscheiden, ob es zu einem Verfahren kommt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Der Absturz von Juwi und der lange Weg unter das Konzerndach von MVV – die wichtigsten Hintergründe auf unserer FINANCE-Themenseite zu Juwi.