Newsletter

Abonnements

Mercedez-Benz-China-CFO wird Rechtsvorstand bei Conti

Olaf Schick verantwortet künftig das Vorstandsressort
Olaf Schick verantwortet künftig das Vorstandsressort "Integrität und Recht". Foto: Continental AG

Continental erweitert seinen Vorstand um das Ressort „Integrität und Recht“. Olaf Schick soll laut Beschluss des Aufsichtsrats ab 1. Juli 2023 das neu geschaffene Vorstandsamt bekleiden, wie der Autozulieferer mitteilt. Schick wurde zunächst für drei Jahre bestellt. Der Conti-Vorstand besteht dann aus sechs Mitgliedern.

Schick ist derzeit noch CFO der Mercedes-Benz Group China. Diese Position hat er seit Juli 2020 inne. Von 2017 bis 2020 war der gelernte Jurist CCO der Daimler AG und zuvor in verschiedenen Funktionen des Konzerns im Rechts-, M&A-, und Finanzbereich sowie als Rechtsanwalt tätig.

Olaf Schick hat Compliance-Erfahrung

Als Vorstand für „Integrität und Recht“ soll Schick die zentralen Bereiche Group Law and Intellectual Property, Group Compliance, Group Audit, Group Quality Management sowie den neuen Bereich Group Risks and Control leiten. Bis zu seinem Amtsantritt bleiben die aktuell zuständigen Vorstandsressorts für die Bereiche verantwortlich.

„Wir bündeln die Verantwortung für Recht, Compliance und Risikomanagement gesamtheitlich in einem Vorstandsressort. Damit gehen wir diese Themenfelder vor dem Hintergrund steigender Anforderungen weltweit noch fokussierter an und unterstreichen ihre Bedeutung“, wird der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle in einer Unternehmensmitteilung zitiert.

Und der Vorstandsvorsitzende Nikolai Setzer, in dessen Verantwortung die Unternehmens-Compliance zurzeit noch liegt, ergänzt zur Berufung von Schick: „Mit seiner Erfahrung und Expertise wird er wesentlich dazu beitragen, Integrität und Recht bei Continental weiter zu stärken. Gemeinsam werden wir in diesen Bereichen höchste Standards setzen.“

Schick muss viele offene Rechtsfragen klären

Der designierte Rechtsvorstand wird sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen können. Conti hat derzeit mit einigen offenen Rechtsfragen zu kämpfen. Es ist immer noch nicht restlos geklärt, welche Verantwortung Conti-Mitarbeiter und -Vorstände an der Manipulation von Diesel-Abgaswerten tragen.

Dem Autozulieferer wird zudem vorgeworfen, 15 Jahre lang verunreinigte Teile für Klimaanlagen ausgeliefert und Testergebnisse manipuliert zu haben, um die Mängel zu kaschieren. Außerdem soll das Unternehmen bei Industrieschläuchen getrickst haben.

Die aktuell größte Baustelle dürfte aber der Cyberangriff sein, den Conti im August öffentlich machte. Teilte das Unternehmen zunächst mit, dass es den Angriff habe abwehren können, musste es später einräumen, dass die Hacker rund 40 Terabyte an Daten erbeuten konnten und nun 40 Millionen Euro Lösegeld verlangen. Der Datensatz soll unter anderem personenbezogene Daten enthalten.

Geht von der Cyberattacke ein Haftungsrisiko aus?

Continental geht davon aus, dass die Hacker sich über einen Browser Zugang zum Firmennetzwerk verschaffen konnten, den ein Mitarbeiter unerlaubterweise heruntergeladen hat. Das habe es den Hackern ermöglicht, den Benutzeraccount samt Passwort abzugreifen und so die weiteren Systeme zu infiltrieren.

Warum der Mitarbeiter überhaupt den Browser installieren konnte, ist unklar. In den meisten Unternehmen dürfen nur IT-Mitarbeiter Programme auf Firmenrechner installieren. Zu klären wird nun sein, ob die IT-Sicherheit dem Stand der Technik entsprochen hat. Falls nicht, könnte eine Pflichtverletzung und damit ein weiterer Klagegrund vorliegen.

Falk Sinß ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Soziologie, Politologie und Neuere und Mittlere Geschichte in Frankfurt am Main sowie in Mainz Journalismus studiert, wo er auch einen Lehrauftrag inne hatte. Vor seiner Zeit bei FINANCE war Falk Sinß drei Jahre Redakteur der Zeitschrift Versicherungswirtschaft und zehn Jahre für verschiedene Medien des Universum Verlags tätig.