Neuer CFO bei Selecta: Philippe Gautier

Selecta

02.11.20
CFO

Neuer CFO übernimmt bei geretteter Selecta

Nach der erfolgreichen Rekapitalisierung übernimmt beim Automatenbetreiber Selecta mit Philippe Gautier ein Finanzmanager aus der Bekleidungsindustrie die Finanzgeschicke. Vorgänger Andreas Schneiter geht als Gewinner.

Neustart auch auf dem CFO-Posten: Der hoch verschuldete Schweizer Automatenbetreiber Selecta hat zeitgleich mit dem erfolgreichen Abschluss der Rekapitalisierung auch einen neuen Finanzchef ernannt. So tritt Philippe Gautier die Nachfolge von Interim-CFO Andreas Schneiter an, teilte das mehrheitlich im Besitz des US-Finanzinvestors KRR befindliche Unternehmen am heutigen Montag mit.

Schneiter hatte den Posten im Januar 2020 übernommen, davor war er bis April 2019 knapp sieben Jahre lang Finanzvorstand bei Dufry, einem Schweizer Betreiber von Duty-Free-Shops. Joe Plumeri, der von KKR entsandte Chef des Verwaltungsrats, dankte Schneiter für seine Arbeit insbesondere im Rahmen des der Bilanzsanierung, der Neuausrichtung der Finanzfunktion und der Bewältigung der finanziellen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie.

Schneiter geht als Gewinner: Als er im Januar zu Selecta kam, war die Lage dort schon angespannt. Mit den Reisebeschränkungen im März wurde sie brenzlig. Unter schwierigsten Bedingungen gelang es ihm, das Unternehmen wieder auf solidere finanzielle Beine zu stellen.

Neuer CFO hat KKR-Hintergrund

Der neue CFO Philippe Gautier hat eine andere Aufgabe: Er soll laut Verwaltungsratschef Plumeri Selecta wieder zu einem Wachstumsunternehmen machen.

Auch Gautier hat einen KKR-Hintergrund: Er kommt von dem französischen Bekleidungskonzern SMCP, wo er bis Ende Oktober als CFO und Operations Director tätig war. Die Muttergesellschaft von Marken wie Sandro, Maje oder Claudie Pierlot war von 2013 bis 2016 im Mehrheitsbesitz des US-Finanzinvestors. Im Oktober 2016 wurde SMCP durch die chinesische Shandong Ruyi Group übernommen, woraufhin sich Gautier zurückzog.

Selecta mit komplexer Refinanzierung

Der neue CFO übernimmt ein bestelltes Feld: In der vergangenen Woche gab Selecta die erfolgreiche Durchführung der Anfang September angekündigten Rekapitalisierung bekannt. Wie FINANCE bereits berichtete, hatte der angeschlagene Konzern seinen Gläubigern ein komplexes Rettungskonzept vorgelegt. So schoss Mehrheitseigner KKR im Rahmen des Deals 125 Millionen Euro hartes Eigenkapital nach. Weitere 50 Millionen Euro hatte der Private-Equity-Investor bereits im März als „Super Senior Liquidity Facility“ zugesagt. Dafür erhielt KKR eine spezielle Form von Vorzugsaktien („Preference Shares“) einer neugeformten Holding („Holdco“) in Luxemburg. Volumen: 175 Millionen Euro.

Zudem überarbeitete Interims-Finanzchef Andreas Schneiter die Passivseite des Unternehmens deutlich. Für drei Anleihen im Wert von 865 Millionen Euro, 375 Millionen Euro und 250 Millionen Schweizer Franken konnte er mit einer „substantiellen Zahl der Gläubiger“ ein Lock-up-Agreement abschließen. Ziel war es, die Bonds über das Sanierungsverfahren „Scheme of Arrangement“ in neue Titel umzutauschen, die erst 2026 fällig werden – zwei Jahre später als die derzeitigen Papiere.

Auch hat Selecta eine Second Lien Note über 240 Millionen Euro begeben, deren Kupon von 10 Prozent bis Januar 2023 endfällig ist. Danach haben die Gläubiger die Wahl zwischen einer jährlichen Zinszahlung oder der weiteren Anhäufung der Zinsen.

Selecta leidet unter Corona und Überschuldung

Der Automatenbetreiber, der Getränke und Snacks an Bahnhöfen und in Büros vertreibt, leidet deutlich an dem verringerten Reiseaufkommen aufgrund von Covid-19. So brachen die Umsätze im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 50 Prozent auf 213 Millionen Euro ein. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sackte um gut 70 Millionen Euro ab.

Durch strenges Ausgaben- sowie Working-Capital-Management konnte Selecta im vergangen Quartal zumindest 21 Millionen Euro an Netto-Cash generieren. Allerdings kämpfen die Schweizer bereits seit Jahren gegen die Überschuldung an. Im vergangenen Jahr scheiterten Pläne für einen Börsengang.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de