Pils statt Fleischsalat heißt es ab 1. Juli für Helmut Hoerz. Der bisherige CEO des Feinkostherstellers Homann wechselt zur Warsteiner Gruppe und übernimmt dort den Posten des CFOs von Carsten Rockholtz. Dieser verlegt nach Angaben des Unternehmens seinen Lebensmittelpunkt ins Ausland und verlässt die Brauereigruppe daher. Wohin es den Finanzchef genau verschlägt, teilte Warsteiner nicht mit.
Zudem wird Helmut Hoerz Vorsitzender der Geschäftsführung – diesen Job übernimmt er von Christian Gieselmann, der aber weiterhin als Geschäftsführer Marketing & Vertrieb beim Unternehmen bleibt. Gieselmann hatte den Chef-Posten seit Januar 2019 inne, zuvor war er seit April 2018 selbst CFO bei dem Unternehmen und sorgte zeitweise für erhöhte mediale Präsenz, als er in der RTL-Show „Undercover-Boss“ auftrat.
Gemeinsam mit Ulrich Brendel, Geschäftsführer Technik, besteht die Geschäftsführung künftig aus drei Mitgliedern. Auf Hoerz, der bei Warsteiner neben den Ressorts Finanzen, Rechnungswesen, Steuern und Controlling auch IT, Personal sowie den Einkauf verantworten wird, dürfte bei Warsteiner viel Arbeit zukommen.
Corona hat Bierabsatz bei Warsteiner einbrechen lassen
Vor allem muss er die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie abfedern, die Warsteiner wie viele andere Brauereien hart gebeutelt hat. Viele Bierproduzenten klagten gar über das härteste Jahr in der Geschichte. So waren einige Brauereien auf dem Höhepunkt der Lockdown-Zeit mangels Absatz sogar gezwungen, Teile ihrer Produktion zu vernichten.
Auch bei Warsteiner war der Bierabsatz im vergangenen Jahr massiv eingebrochen. Zwar veröffentlicht die Brauereigruppe keine genauen Zahlen, in einem Interview mit der „Welt“ im Januar hatte der bisherige Warsteiner-Chef Christian Gieselmann allerdings von einem Absatzrückgang 2020 von gut 16 Prozent gesprochen, für den neben der geschlossenen Gastronomie auch Exportrestriktionen gesorgt hatten.
Dies habe auch ein deutlich gestiegener Absatz über den Handel nicht kompensieren können. Um Kosten zu sparen hatte Warsteiner zeitweise rund 300 seiner insgesamt 1.100 Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt.
Warsteiner musste unter CFO Rockholtz Stellen streichen
Als neuer Finanzchef muss Hoerz vor allem die Kosten im Blick behalten. Schließlich dürfte auch das erste Quartal 2021 für die Brauerei dank anhaltendem Lockdown kaum bessere Ergebnisse gebracht haben. Zudem muss der 60-Jährige die Restrukturierung der Brauerei weiter vorantreiben, die sein Vorgänger Carsten Rockholtz gestartet hat.
Dieser hatte den Posten des kaufmännischen Geschäftsführers bei Warsteiner erstmals im April 2017 übernommen, zog sich allerdings nach nur einem Jahr aus privaten Gründen in den Beirat zurück, bevor das Unternehmen ihn im Januar 2019 als CFO zurückholte. In einem ersten Schritt hatte Brauereigruppe damals rund 150 Stellen gestrichen und sich auf die Suche möglichen Interessenten für Teile des Unternehmens begeben. In der Folge hatte Warsteiner zwar leichte Absatzsteigerungen vermeldet, wie die Brauerei jedoch mit den Folgen von Corona zurechtkommt, bleibt abzuwarten.
Helmut Hoerz eilt Ruf als knallharter Sanierer voraus
Die nötige Erfahrung für die neue Herausforderung bringt Helmut Hoerz, dem in der Branche der Ruf als Sanierer vorauseilt, mit. Als Chef des Feinkostherstellers Homann hat Hoerz dort den vergangenen Jahren aufgeräumt und die Tochter des Molkereikonzerns Müller umgebaut. Bereits drei Monate nach seinem Amtsantritt bei Homann im März 2019 hatte er bereits das Aus für die Matjes-Produktion von Homann auf Rügen und ein Werk in Thüringen verkündet.
„Wir haben mit Helmut Hoerz einen sehr erfahrenen Manager gewinnen können, der über eine hohe Expertise im Handel und der Lebensmittelindustrie verfügt und mit dem wir unser Unternehmen weiter strategisch für die Zukunft aufstellen werden“, sagt Catharina Cramer, Inhaberin der Warsteiner Gruppe.
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Vor seiner Zeit bei Homann sammelte Hoerz unter anderem jahrzehntelange Erfahrung in verschiedenen Managementpositionen im Einzel- und Großhandel bei Real und Edeka sowie international als Mitglied des Executive Board von Pick n Pay in Südafrika sowie als Einkaufs- und Marketingvorstand für das weltweite Warengeschäft der Edeka Gruppe.
Das unterscheidet ihn von seinem Vorgänger Carsten Rockholtz, der wie Warsteiner-CEO Christian Gieselmann einen Beraterhintergrund hat und seine Karriere bei Kienbaum begonnen hatte, bevor er in die Industrie zu ThyssenKrupp und später zu dem Recycler Tönsmeier wechselte.
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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

