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Schenker-CFO Oliver Seidl geht vorzeitig

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Schenker-CFO Oliver Seidl verlässt die Bahn-Tochter nach sechs Jahren als Finanzchef. Foto: Schenker
Schenker-CFO Oliver Seidl verlässt die Bahn-Tochter nach sechs Jahren als Finanzchef. Foto: Schenker

Seit 2016 ist Oliver Seidl Finanzchef der Deutsche-Bahn-Tochter DB Schenker. Den größten strategischen Schritt des Unternehmens, den Verkauf von DB Schenker, will Seidl nun aber nicht mehr mitorchestrieren – stattdessen legt der Manager sein Amt als Finanzchef nieder.

Vertrag von Schenker-CFO Seidl läuft noch zwei Jahre

Diese Entscheidung kommt überraschend und vor allem außerplanmäßig, denn der Vertrag des Finanzchefs läuft noch zwei Jahre. Selbst eine weitere Runde als CFO wäre denkbar gewesen für den knapp 60-Jährigen, denn bei dem Schienenkoloss gilt für Vorstandsmitglieder eine grundsätzliche Altersgrenze von 65 Jahren.

Doch für Ersatz ist schon gesorgt. Ab kommenden März wird Jakob Wegge-Larsen von der dänischen Containerreederei Møller-Mærsk an Seidls Stelle treten. Wegge-Larsen bringt entsprechende Brancheerfahrung mit, bei Møller-Mærsk ist er Finanzvorstand und Senior Vice President der Geschäftseinheit „Ocean & Logistics“. Seine erste große Amtshandlung wird es sein, zusammen mit Schenker-Chef Jochen Thewes den Verkauf der Bahn-Tochter endlich zu vollziehen.

Schenker-Verkauf konkretisiert sich

Schon lange ranken sich Gerüchte um einen Carve-out der Bahn-Tochter mit verschiedenen Szenarien – von Verkauf bis Börsengang. Auch der Private-Equity-Szene wurde hohes Interesse nachgesagt.

Nun scheinen sich die Pläne zu konkretisieren. Zumindest hatte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, der Presseagentur Dpa im September entsprechende Informationen bestätigt, nach denen die Deutsche Bahn einen Verkauf von Schenker intern bereits entschieden haben soll.

Durch einen Verkauf könnte sich die Bahn schlanker aufgestellt wieder auf ihr Kerngeschäft, den Personenverkehr, fokussieren. Etwaige Verkaufserlöse aus einem Schenker-Deal würden dem hochverschuldeten Bahn-Konzern, von dem gleichzeitig enorme Investitionen in die Schienen-Infrastruktur erwartet werden, mehr als gelegen kommen.

Schenker gilt als Zugpferd der Bahn und könnte mit 12 bis 20 Milliarden Euro bewertet werden, wie bislang bei Verkaufsspekulationen immer wieder geschätzt wurde. Dies würde einem Multiple von 15x Ebit und mehr entsprechen. Zum Vergleich: Die aktuellen FINANCE-Multiples weisen für die Transport- und Logistikbranche im Largecap eine Spanne von 8 bis 10,1x Ebit aus.

CFO Seidl hat Schenker stark aufgestellt

Den starken operativen Stand verdankt Schenker auch dem Management-Geschick des scheidenden CFO. Trotz Ukraine-Krieg war das erste Halbjahr 2022 für die Logistik-Tochter das erfolgreichste ihrer Firmengeschichte. So stehen in der ersten Jahreshälfte 14,2 Milliarden Euro Umsatz (+35,8 Prozent) und 1,2 Milliarden Euro bereinigtes Ebit (+91,3 Prozent) in der Schenker-Bilanz. Damit hat die Tochter maßgeblich dazu beigetragen, dass der Bahn-Konzern nach schweren operativen Rückschlägen in der Corona-Pandemie wieder schwarze Zahlen schreibt.

Selbst zur Corona-Hochphase 2020 gelang es Seidl, mit Schenker im Geschäftsjahr das vierte Rekordergebnis in Folge einzufahren, wie der Finanzchef im FINANCE-Interview berichtete.

Auch M&A-seitig war Schenker zuletzt aktiv, hat sich der eigenen Portfoliooptimierung sowie Fokussierung auf das Kerngeschäft verschrieben und sich damit für einen möglichen Verkauf aufgehübscht. Neben Verkäufen von Randgeschäften hat der Konzern im Juni fast eine halbe Milliarde Euro in einen M&A-Deal in den USA investiert.

Schenker beruft weiteren Vorstand

Auf einem neuen CFO-Posten wird man Seidl wohl nicht mehr sehen, wie FINANCE aus Schenker-Kreisen erfahren hat. Er wolle sich nach sechs Rekordergebnissen in Folge bei Schenker nun einer neuen Lebensphase mit anderen Aufgaben widmen, wie der Finanzchef seinen Rücktritt erklärt.

Seidls Abschied ist nicht die einzige Personalie im Vorstand von DB Schenker. Mit Hessel Verhage hat der Konzern auch einen Nachfolger für Xavier Garijo gefunden, der schon Ende Juni von seinem Posten als Kontraktlogistikvorstand zurückgetreten war. Dieses Amt wir Verhage ab November leiten. Damit hat der Schenker-Vorstand nun alle Vakanzen besetzt.

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.