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SGL Carbon macht CFO Majerus zum Interimschef

SGL Carbon-CFO Michael Majerus übernimmt interimistisch das Vorstandsamt von Jürgen Köhler.
SGL Carbon

SGL Carbon ist zurück im Krisenmodus: Nach der überraschenden Gewinnwarnung aus der vergangenen Woche und dem Rücktritt von CEO Jürgen Köhler hat der Kohlefaserproduzent jetzt angekündigt, einen neuen Chef außerhalb des Unternehmens suchen zu wollen. Übergangsweise rückt nun SGL-CFOMichael Majerus an die Firmenspitze.

Michael Majerus trat 2014 als Sanierer an

Majerus kam im Sommer 2014 als Sanierer zu der damals schwer angeschlagenen und viel zu hoch verschuldeten früheren Hoechst-Tochter. Majerus führte eine harte Restrukturierung durch und platzierte schon kurz nach seinem Amtsantritt eine Kapitalerhöhung über mehr als 260 Millionen Euro, die SGL die nötige Luft zum Atmen verschaffte.

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Dr. Michael Majerus, SGL Carbon SE

Nach seinem Studium beginnt Majerus 1989 seine berufliche Laufbahn im Bereich Controlling bei Mannesmann. In den folgenden Jahren übernimmt er unterschiedliche Funktionen im Finanzbereich des Unternehmens,  von 1999 bis 2000 ist er Zentralbereichsleiter für Controlling und Rechnungswesen. Nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone erhält er dieselbe Position bei Atecs Mannesmann.

Ende 2000 wechselt er zum Halbleiterhersteller Infineon, wo er bis 2006 Mitglied des Bereichsvorstands und CFO des Bereichs Speicherprodukte ist. Dieser Bereich wird 2006 als Qimonda verselbständigt und Majerus zum CFO und Arbeitsdirektor der neuen Gesellschaft berufen.

Im Anschluss an seine Tätigkeit bei Qimonda wechselt Majerus zu Phoenix Pharmahandel, wo er von 2009 bis 2013 als CFO tätig ist. Er ist für die Ressorts Finanzen, Controlling, Rechnungswesen und Steuern zuständig und verlässt den Konzern nach Abschluss der finanziellen Neuausrichtung. Seit Juli 2014 ist er CFO bei der SGL Group (SGL Carbon). Im August 2019 wird er nach dem Rücktritt von CEO Jürgen Köhler Interimschef des Kohlefaserspezialisten.

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In den Jahren danach stieß Majerus zahlreiche Konzernbereiche ab, was die Verschuldung weiter drückte und das Unternehmen eigentlich wieder besser steuerbar machen sollte.

Auf den Wachstumskurs kam SGL dadurch noch nicht zurück, aber die Lage schien sich zumindest stabilisiert zu haben.

Bis zur vergangenen Woche, als SGL Carbon mit einer völlig überraschenden Gewinnwarnung aufwartete: Der bereinigte operative Gewinn vor Sondereinflüssen (Ebit) soll nun in diesem Jahr nicht mehr auf dem Vorjahresniveau von 65 Millionen Euro verharren, sondern 10 Millionen Euro niedriger ausfallen.

Schlimmer noch war, dass SGL auch die Mittelfristziele strich – aufgrund mangelnder Visibilität. Denn Grund für die Gewinnwarnung war das Aufdecken schwerer Fehler im Controlling. Ein Großauftrag mit einem Windturbinenhersteller wurde falsch kalkuliert, was SGL bis zum Jahresende Verluste einbrocken wird. Erst danach hofft das Management, den Vertrag nachverhandeln zu können.

SGL-Aktie fällt in die Nähe des Allzeittiefs (1-Jahres-Chart)

Aktie auf Talfahrt, Investitionen in Gefahr?

Die Börse reagierte heftig mit einem Kursrutsch von über 30 Prozent bis in die Nähe des Allzeittiefs der in den Neunzigerjahren an die Börse gekommenen SGL-Aktie. Mittlerweile hat sich das Papier wieder etwas erholt. Aber der Kurs von aktuell 4,40 Euro wirft – genauso wie die Fehlerquelle Controlling – auch einen Schatten auf Majerus selbst. Immerhin notierte das Papier 2014, als der 58-Jährige zu SGL Carbon stieß, noch bei über 20 Euro.

Zumindest droht SGL offenbar keine Finanzierungskrise: Nach Berechnungen der Privatbank Berenberg wird der Leverage trotz der Gewinnwarnung unter 2,5x Ebitda bleiben – ein beherrschbarer Wert. Allerdings dürften die Investoren wenig gewillt sein, bei dem Dauerrestrukturierungsfall SGL einen noch höheren Verschuldungsrahmen als diesen zu tolerieren.

Sollte der Leverage wider Erwarten doch nach oben ausbrechen, könnte der noch zu findende neue SGL-Chef dazu gezwungen sein, ein groß angelegtes, geplantes Investitionsprogramm zu beschneiden. Mit dessen Hilfe wollten Majerus und Ex-Chef Köhler das Unternehmen eigentlich wieder zurück auf den Wachstumskurs steuern.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Mehr über die Karriere des SGL Carbon-CFOs erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Michael Majerus. Die Hintergründe der langjährigen Ertragskrise des Kohlenstoffproduzenten können Sie auf der Themenseite zu SGL Carbon nachverfolgen.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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