Siemens AG

10.11.17
CFO

Siemens tauscht Medizintechnik-CFO kurz vor IPO aus

CFO Thomas Rathmann und Siemens Healthineers trennen sich wenige Monate vor dem geplanten Börsengang. Vieles deutet darauf hin, dass Siemens mit der Arbeit des Finanzchefs nicht zufrieden war.

Viel spricht dafür, dass Siemens mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitungen des Börsengangs, der einer der größten IPOs im kommenden Jahr werden dürfte, nicht zufrieden ist – und dafür zum Teil auch Rathmann für verantwortlich hält.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ etwa hatte erst vor wenigen Tagen berichtet, dass eine Finanzkommunikation unter Rathmann kaum stattfinde. Der CFO sei zwar ein exzellenter Controller, aber eben nicht als kommunikationsstarker Finanzchef eines börsennotierten Konzerns geeignet. Das hätte Siemens freilich bei der Vertragsverlängerung im April bereits bekannt sein können.

Ursprünglich sollte Siemens Healthineers bereits im Herbst dieses Jahres an die Börse gehen, schließlich verschob das Unternehmen die Erstnotierung ins ersten Halbjahr 2018. Zuletzt hieß es aber in Medienberichten, dass der Technologiekonzern diesen Zeitplan nicht wird einhalten können. Siemens betonte am gestrigen Donnerstag aber noch einmal, dass es keine Verschiebung geben werde.

Siemens scheint mit Rathmann unzufrieden zu sein

Kurz vor dem Börsengang herrscht im Management der Medizintechniksparte des Technologiekonzerns Siemens Unruhe. Wie die Münchener mitteilten, wird Siemens‘ bisheriger Konzern-Controller Jochen Schmitz Anfang Dezember den CFO-Posten bei der Tochter namens „Healthineers“ antreten. Der 51-Jährige folgt auf Thomas Rathmann, der die Medizintechniksparte dem Konzern zufolge „einvernehmlich“ verlässt.

Das ist insofern überraschend, als dass der Konzern Rathmanns Vertrag erst im April dieses Jahres um fünf weitere Jahre verlängert hatte. Der 53-Jährige hat seit 1985 für Siemens gearbeitet. Es fehlt auch die sonst übliche Formulierung, dass sich der scheidende Manager neuen Herausforderungen zuwendet. Das deutet darauf hin, dass die Entscheidung kurzfristig getroffen wurde und Rathmann möglicherweise noch keine neue Aufgabe gefunden hat.

Thomas Rathmann gilt nicht als kommunikationsstarker CFO, sondern nur als sehr guter Controller.

Neu-CFO Jochen Schmitz kennt Siemens Healthineers

Nun soll Jochen Schmitz Healthineers an die Börse bringen. Er ist seit 2011 als Leiter Accounting, Reporting und Controlling die rechte Hand von Siemens-Finanzchef Ralf Thomas. Neuer Chef-Controller des Siemens-Konzerns wird der 48-jährige Jürgen Wagner, derzeit Leiter des Bereichs Financial Disclosure & Corporate Performance Controlling.

Offenbar traut man Schmitz die Kommunikation eher zu als Vorgänger Rathmann, obwohl auch Schmitz bislang nicht in der CFO-Gesamtverantwortung und damit im Rampenlicht stand. Der neue Healthineers-Finanzchef Schmitz ist aber ein intimer Kenner der Medizintechniksparte und des Siemens-Konzerns.

Er arbeitet seit 2004 für die Münchener, war zunächst Leiter des Controllings der Medizintechniksparte, arbeitete später als CFO in verschiedenen Geschäftseinheiten der heutigen Healthineers. Von 2009 bis 2011 war Schmitz Finanzchef des Bildgebungsgeschäfts von Siemens, ehe er zum konzernweiten Controlling-Chef aufstieg.

Michael Sen war konsterniert über IPO-Vorbereitungen

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Michael Sen, Siemens AG

Bereits während seines Studiums an der Technischen Universität in Berlin arbeitet Sen auf Teilzeitbasis im Bereich Wirtschaftsplanung Gasturbinenwerk für die Siemens AG in Berlin und sammelt in der amerikanischen Niederlassung Praxiserfahrung. Nach seinem Abschluss 1996 wird er von Siemens Vollzeit angestellt und übernimmt im Standort München zahlreiche operative und strategische Projekt- und Führungsaufgaben in den Abteilungen Unternehmensplanung und -entwicklung und Finanzen.

Von 2001 bis 2002 hat er das Amt des Leiters für Bereichsprogramme zur Effizienz- und Wachstumssteigerung im Geschäftsbereich Siemens Mobile inne. Danach bekleidet Sen ein Jahr lang den CFO-Posten im Solutions-Geschäft, ehe er in selbiger Position 2004 in den Bereich Applications & Solutions wechselt.

Im Anschluss übernimmt Sen von 2005 bis 2007 die Leitung der Abteilung Strategy Transformation. 2007 bis 2008 ist er Leiter der Investor Relations, bevor er zum CFO des Sektors Healthcare und Mitglied der Geschäftsführung im Standort Erlangen aufsteigt.

Nach rund sieben Jahren in diesem Amt wird Michael Sen im Zuge des Konzernumbaus bei E.on von dem Energieriesen abgeworben und ist seit Anfang Juni 2015 dessen neuer CFO. Damit folgt er auf Klaus Schäfer, der fortan den Vorstandsvorsitz der neu gegründeten E.on-Gesellschaft Uniper innehat.

Im November 2016 erhält Sen ein Angebot seines früheren Arbeitgebers Siemens, zurückzukehren und im Vorstand die Verantwortung für die Bereiche Medizintechnik (Siemens Healthineers), Windkraft (Siemens Gamesa) und Global Services zu übernehmen. Sen nimmt dieses an und wechselt im April 2017 zu den Münchenern.

zum Profil

In seinen letzten beiden Jahren bei Healthineers hat Schmitz unter anderem intensiv mit Michael Sen zusammengearbeitet, der heute als Aufsichtsrat von Siemens Healthineers agiert und im Siemens-Vorstand für die Tochter verantwortlich zeichnet. Sen war von 2007 bis 2015 für die Medizintechniktochter tätig – zunächst als Investor-Relations-Chef, später als CFO – ehe er zum Energieriesen Eon wechselte und den Platz für Thomas Rathmann frei machte. Im April 2017 kehrte Sen dann zu Siemens in seiner jetzigen Funktion zurück.

Seine Aufgabe: Healthineers an die Börse bringen. Laut der „F.A.Z.“ soll Sen konsterniert über den Stand der Vorbereitungen gewesen sein. Neu-CFO Schmitz wird sich entsprechend schnell einarbeiten müssen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de 

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