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FINANCE-Resterampe: Wie die Basti-Formel Grenke rettete

Sebastian Hirsch hat sich erfolgreich gegen den Shortseller Fraser Perring gewehrt. Foto: Grenke
Sebastian Hirsch hat sich erfolgreich gegen den Shortseller Fraser Perring gewehrt. Foto: Grenke

Grenke-CFO Sebastian Hirsch verrät sein Shortseller-Geheimnis

Vielleicht geht es unseren Lesern ähnlich wie uns Redakteuren: Auch in der Finanzwelt darf es menscheln. Umso schöner ist es, wenn man in der Lokalpresse einen wirklich lesenswerten Artikel zu einem deutschlandweit bekannten Finanzchef liest.

So hat Grenke-CFO Sebastian Hirsch den „Badischen Neuesten Nachrichten“ (BNN) vor wenigen Wochen ein spannendes Interview (Paywall) gegeben. Hirsch zeigt sich in dem Gespräch offen, man erfährt zahlreiche Details. So wurde er früher „Kiki“ genannt in Anspielung an den damaligen Profifußballer Sergej „Kiki“ Kirjakow. Seine Sportkumpels, mit denen er immer noch regelmäßig zusammenkommt, nennen ihn wohl auch „Seb“ oder „Basti“.

CFO-Profil

Aus „Basti“ hat der begeisterte Hobby-Koch eine Formel abgeleitet, die auch anderen CFOs helfen könnte. Zur Erinnerung: Der Finanzdienstleister Grenke wurde vor rund zwei Jahren hart vom Shortseller Fraser Perring attackiert. Die wichtigsten Vorwürfe konnte Hirsch mit seinen Vorstandskollegen jedoch entkräften.

Bei der Parade der Angriffe besann er sich auf wichtige Grundsätze, die sich aus seinem Namen ableiten, wie er den „BNN“ erklärte. Die Basti-Formel sieht so aus:

B = Be cool
A = Absolute Aufmerksamkeit (für die Situation)
S = Skepsis
T = Team
I = Intuition

Unter anderem mit diesen Grundsätzen und mit der Unterstützung von Freunden und Familie habe er Perring letztlich Paroli geboten.

Dabei hatte Grenke Glück, dass Hirsch überhaupt CFO werden konnte. Eigentlich wollte der Cottbuser Profifußballer werden, wie man in dem Artikel erfährt. Der gelernte Libero war wohl schon auf dem Radar des FC Energie Cottbus. Doch die Eltern intervenierten, er solle doch Bankkaufmann werden. Der bekennende Goethe-Fan entwickelte daraufhin eine Leidenschaft für BWL-Themen, studierte unter anderem in Karlsruhe und heuerte letztlich bei der Baden-Badener Grenke an.

ProSiebenSat.1-CFO Gierig als Kartoffelsackpacker

Bleiben wir bei interessanten Einblicken aus dem Leben eines CFOs. Dieses Mal hat Ralf-Peter Gierig, seit Anfang des Jahres Finanzchef des Medienkonzerns ProSiebenSat.1, dem Medienportal „Turi2“ einige interessante Informationen gegeben. Auf die Frage, was sein kuriosester Aushilfsjob gewesen sei, antwortete er mit Kartoffelsackpacker. Das sei körperlich „extremst anstrengend“ gewesen, er habe das nur wenige Wochen gemacht.

CFO-Profil

Ralf Peter Gierig

ProSiebenSat.1 Media SE

Aber Gierig, der seit 25 Jahren im Finanzbereich der Münchener arbeitet, hat anscheinend auch andere berufliche Talente: „Ich würde auch als Autoverkäufer einen guten Job machen – das nötige Fachwissen habe ich“, glaubt er. Beim besten Geldrat seiner Eltern gibt er sich aber ganz CFO-like: „Einnahmen sollten die Ausgaben decken. Das beherzige ich natürlich seither konsequent.“

Anne Hathaway oder Berkshire Hathaway: Who cares?

Mit Künstlicher Intelligenz (KI) ist das so eine Sache: Auf der einen Seite wird sie als eine zentrale Zukunftstechnologie dargestellt, die ein Bewusstsein entwickeln und die Menschheit versklaven könnte. Auf der anderen Seite scheitert KI teilweise an einfachsten Fragestellungen.

Zuletzt gab es wieder ein Beispiel dafür, dass die Möglichkeiten von KI momentan noch begrenzt sind. So berichtete der frühere Investmentbanker Vaibhav Jain, der heute für die ETF-Plattform Wealthdesk arbeitet. Er hat unlängst von einem MIT-Researcher berichtet, dem aufgefallen war, dass die Aktien des US-Unternehmens Berkshire Hathaway immer nach oben schossen, wenn die Schauspielerin Anne Hathaway einen neuen Film herausbrachte. Es stellte sich heraus: Der genutzte Handels-Algorithmus konnte nicht zwischen den beiden Hathaways unterscheiden. Sobald im Internet positiv über Anne Hathaway diskutiert wurde, ging die Aktie von Berkshire Hathaway hoch. Solche Probleme tauchten immer wieder auf, schrieb Jain weiter.

Ähnliche Namen könnten Unternehmensaktien und deren Wert durchaus beeinflussen. Man kann der Technologie – oder den Menschen, die diese programmieren – also weiter nicht ganz vertrauen. Bleibt noch eine allerletzte Frage: Wie sehr hat der Konsumgüterhersteller Beiersdorf unter dem langjährigen und weniger erfolgreichen HSV-Manager Dietmar „Didi“ Beiersdorfer gelitten?

jakob.eich[at]finance-magazin.de

jakob.eich@finance-magazin.de | + posts

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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