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CFO Frankenbach verlässt Eintracht Frankfurt vorzeitig

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Oliver Frankenbach ist seit 2015 CFO von Eintracht Frankfurt. Foto: Eintracht Frankfurt
Oliver Frankenbach ist seit 2015 CFO von Eintracht Frankfurt. Foto: Eintracht Frankfurt

Mehr als ein Vierteljahrhundert hat er für Eintracht Frankfurt gearbeitet, nun nimmt Finanzvorstand Oliver Frankenbach seinen Hut. Frankenbach habe den Aufsichtsrat bei einer turnusmäßigen Sitzung darüber informiert, dass er seine Tätigkeit im Vorstand Ende Juni 2025 beenden werde, teilte der Fußballverein mit. Damit verlässt er die Eintracht genau ein Jahr vor dem Vertragsende 2026.

„Über ein Vierteljahrhundert im Finanzbereich eines so lebendigen und dynamischen Klubs zu arbeiten, die überwiegende Zeit davon in verantwortlicher Rolle, ist für mich ein großes Privileg, fordert aber auch alle Kraft“, erklärt Frankenbach die Gründe für seine Kündigung. „Ich suche deshalb für mich nochmal eine neue Orientierung und möchte mehr Zeit für meine privaten Aktivitäten verwenden.“ Ob der scheidende Finanzchef dann Privatier wird oder eine neue berufliche Herausforderung im Blick hat, ist nicht bekannt.

Frankenbachs berufliches Leben war bei der Eintracht

Frankenbach hat fast sein gesamtes bisheriges Berufsleben bei dem Fußballverein verbracht. Nach seinem Studium in Gießen hatte der Diplom-Kaufmann zunächst drei Jahre lang in einer Frankfurter Steuerberatungsgesellschaft gearbeitet.

Im Juli 1998 wechselte er zu Eintracht Frankfurt, wo er seitdem verschiedene Stationen durchlaufen hat. So war Frankenbach vor seiner CFO-Tätigkeit Angestellter, Abteilungsleiter und Bereichsleiter. Von 2001 bis 2010 hat er die Geschäfte der Tochter „Eintracht Frankfurt Sport-Marketing und Service“ geführt, gleichzeitig stieg er zum Prokuristen der Eintracht Frankfurt Fußball AG auf, die sich um das Profi-Geschäft der Adler kümmert. Im Jahr 2007 wurde er zudem Geschäftsführer des Eintracht Frankfurt Museums. Am 1. September 2015 machte ihn der Erstliga-Klub zum CFO, das Museum leitete er weiterhin.

Nachfolger für Eintracht-CFO gesucht

„Er genießt bei Eintracht Frankfurt und in der Bundesliga die allerhöchste Wertschätzung”, sagt Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer über seinen CFO. Seine „herausragenden Leistungen und Verdienste für Eintracht Frankfurt“ wolle er zu gegebener Zeit in einem angemessenen Rahmen würdigen.

Bis zu seinem Abschied im Juni 2025 will Frankenbach „meine Aufgabe mit voller Kraft ausüben“. Dafür ist ihm Holzer dankbar. Die Nachfolgesuche für das Finanzressort soll nun eingeleitet werden, wer in Frage kommt, ist jedoch noch nicht spruchreif. „Über die Nachfolge können wir uns noch nicht äußern“, teilte der Verein auf Nachfrage von FINANCE mit.

Offenbar hat Frankenbach schon länger mit seinem Beruf gehadert, und daraus auch kein Geheimnis gemacht: „Ich habe meine Vorstandskollegen und die Mitglieder des Aufsichtsrats bereits seit Längerem darüber informiert, dass ich mich mit einem vorzeitigen Ausscheiden beschäftige“, so der Finanzchef. Nun habe er „auch formell Fakten geschaffen“.

Frankenbach hinterlässt gut bestelltes Feld

Fakten hat der Finanzchef auch in seinem Ressort geschaffen: Der Eintracht geht es derzeit finanziell so gut wie schon lange nicht mehr. Rund 310 Millionen Euro betrug der Umsatz für das Geschäftsjahr 2022/2023, der Gewinn nach Steuern lag bei 17, 6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vor-Corona-Jahr 2019/2020 hatten die Frankfurter noch einen Umsatz von rund 278 Millionen Euro sowie ein Nachsteuerergebnis von 18,6 Millionen Euro verbucht.

„Das vergangene Geschäftsjahr war für uns in jeder Hinsicht ein Rekordjahr“, stellte Frankenbach im FINANCE-Interview im Sommer 2023 fest. Der CFO strebt eine Eigenkapitalquote von 30 Prozent an. Zum vergangenen Saisonende hatte er diese um 4,9 Prozent auf 24,7 Millionen Euro gesteigert – aber dennoch mit 16 Prozent erst rund die Hälfte erreicht­­.

Um das Eigenkapital zu stärken, hat der Fußball-Finanzer unter anderem bereits 2018 Aktien umplatziert und einen neuen Gesellschafter aufgenommen. 2021 orchestrierte er die Umverteilung der Gesellschafteranteile, in deren Folge ein neuer Investor 5 Prozent kaufte, das Eigenkapital wuchs um 22 Millionen Euro.

CFO ist für Private Equity in der DFL

Nebenher hat sich Frankenbach auch in die Finanzgeschicke des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Kommission Steuern & Abgaben und in die der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingebracht. Dort gehört er dem Lizenzierungsausschuss an und wurde 2012 in die „DFL Kommission Finanzen“ gewählt.

Zu dem heiß diskutierten Einstieg eines Private-Equity-Investors in die DFL vertritt er eine klare Position: „Aus meiner Sicht war die Ablehnung eines Private-Equity-Einstiegs eine Entscheidung gegen Wachstum. Und ich befürchte, dass wir im Vergleich mit anderen europäischen Ligen letztlich zurückfallen werden“, hatte Frankenbach bereits nach dem Scheitern des ersten Anlaufs im vergangenen Jahr erklärt. Seitdem hat sich die DFL zwar für einen Einstieg von Private Equity entschieden und mit Investoren verhandelt, letztlich jedoch aufgrund der anhaltenden Fan-Proteste den Plan wieder abgeblasen.

Erika von Bassewitz ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Philosophie und Französisch an der Humboldt-Universität in Berlin sowie an der Université de Genève studiert und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Vor FINANCE war sie mehr als acht Jahre Redakteurin in der Multimediaredaktion des Medienhauses der EKHN. Davor war sie unter anderem Redakteurin beim HR-Magazin von monster, freie Autorin bei Deutsche Welle TV und freie Mitarbeiterin bei der Westdeutschen Zeitung.