Der kriselnde Küchenbauer Alno ist stark abhängig von seinen Hauptgesellschaftern. Diese haben  millionenschwere fällige Darlehen bereits mehrfach verlängert.

Alno

31.08.16
CFO

Alno verschiebt Liquiditätssorgen ins Jahr 2017

Operativ mehr Gewinn, mehr Eigenkapital und weniger Schulden: Dies will der Küchenbauer Alno bis 2017 erreichen. CFO Ipek Demirtas hat sich durch Fremdkapital-Deals bisher aber nur Liquidität und Zeit gekauft.

Die Halbjahreszahlen, die der kriselnde Küchenbauer Alno in der vergangenen Woche vorgelegt hat, haben weder die Aktionäre noch die Bondholder beeindruckt. Die Aktie bleibt mit rund 50 Cent ein Pennystock, und die im Mai 2018 fällige 45 Millionen schwere Mittelstandsanleihe verharrt bei rund 55 Prozent ihres Ausgabekurses.

Operativ schreibt Alno – nachdem es zwischenzeitlich leichte Besserungsanzeichen gegeben hatte – wieder tiefrote Zahlen. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag nach den ersten sechs Monaten bei 13,5 Millionen Euro. Im Vorjahr stand – auch von Einmaleffekten positiv verzerrt – noch ein Gewinn von 20,8 Millionen Euro.

Der Rückfall in die Verlustzone und erneute Restrukturierungsaufwendungen fressen das Eigenkapital von Alno auf: Stand dieses vor einem Jahr noch mit rund 40,7 Millionen Euro in der Bilanz, verbucht der Küchenbauer aktuell ein negatives Eigenkapital von rund 63,7 Millionen Euro. 

CFO Ipek Demirtas sieht Alno auf einem guten Weg

Alno-CFO Ipek Demirtas sieht operativ trotzdem eine positive Entwicklung und schwört ihre Stakeholder auf die zweite Jahreshälfte ein. Diese sei bei Alno traditionell deutlich umsatzstärker, so die Finanzchefin. „Bis zum Jahresende wird unser Umsatz auf Grundlage der aktuellen Planungszahlen gegenüber dem Vorjahr im mittleren zweistelligen Millionenbereich steigen.“ Zur entscheidenden Ebitda-Prognose möchte Alno keine konkrete Aussage treffen. Doch auf eine Rückkehr zu deutlich positiven Erträgen wird es ankommen, wenn Alno seine hartnäckige Unternehmenskrise endlich überwinden will.

Die Umsatzziele immerhin sieht Demirtas in Reichweite. So seien die Bestandsveränderungen im ersten Halbjahr auf rund 10 Millionen Euro gestiegen. „Das sind bestellte und fertig produzierte Küchen, die bei zwei unserer Gesellschaften abnahmefertig im Lager stehen“, erklärt Demirtas. In beiden Fällen handele es sich um Projektaufträge, die erst mit der Abnahme ergebniswirksam verbucht werden. Außerdem seien die Auftragsbücher bei den Markten Pino und Wellmann zu 100 Prozent gefüllt und die technische Produktion damit voll ausgelastet.

Laut Demirtas gewinnt Alno zudem Marktanteile, vor allem in Deutschland, wo Alno zum ersten Mal seit 15 Jahren stärker als der Gesamtmarkt wachse. Aber auch im Ausland, wo die Umsätze im Jahr 2015 – ohne die im Jahr davor übernommene AFP Küchen AG – um rund 50 Prozent gewachsen sein sollen. Alno rechnet damit, dass sich dieser Trend auch dieses Jahr fortsetzt. Zum Halbjahr liege Alno laut Demirtas schon um 30 Prozent über dem Vorjahreswert.

Bunter Strauß an Gesellschafterdarlehen bei Alno

Die Investoren von Alno hoffen, dass die Planungen der Finanzchefin aufgehen. Der große Befreiungsschlag wäre aber auch ein besseres zweites Halbjahr nicht. Der Halbjahresbericht macht deutlich, dass sich CFO Ipek Demirtas und CEO Max Müller wieder einmal in erster Linie Zeit gekauft haben, ohne bei der Behebung der grundlegenden Probleme nennenswert voranzukommen. Müller ist über Comco mit 6,67 Prozent drittgrößter Alno-Aktionär und hat dem Küchenbauer 8,1 Millionen Euro geliehen. Das Darlehen war ursprünglich schon im April 2015 fällig, wurde zunächst bis Juli dieses Jahres und nun nochmals bis Juli 2017 verlängert. Müller gewährt über einen neuen Überbrückungskredit Alno außerdem weitere 11 Millionen Euro.

Ins Jahr 2017 verschoben hat Demirtas auch die Darlehen des aktuell noch größten Alno-Gesellschafters Whirlpool. Auch von Bauknecht Hausgeräte, einer Marke des Whirlpool-Konzerns, erhält Alno seit Jahren mehrere Gesellschafterdarlehen. Deren Rückzahlung wurde laut Halbjahresbericht seit 2015 ebenfalls zum Teil wiederholt verschoben.

Vom ursprünglichen Obligo des ersten Whirlpool-Darlehens über 41 Millionen Euro wurde die Rückzahlung von 25 Millionen Euro bis September 2017 ausgesetzt. Danach soll der Betrag in Stufen bis Juni 2018 zurückgeführt werden. Die übrigen 16 Millionen Euro werden allerdings schon bis Ende diesen Jahres fällig. Neben den Stillhalteabkommen laufen mit Whirlpool weitere Darlehn über insgesamt 35 Millionen Euro. Davon werden Ende September 1,5 Millionen Euro fällig. Die restlichen 33,5 Millionen Euro wurden bis Juli 2017 verlängert. 

Bis zum Jahresende schuldet Alno seinem Hauptaktionär damit 17,5 Millionen Euro. Im nächsten Jahr werden 33,5 Millionen Euro fällig, im Juni 2018 dann noch einmal 25 Millionen Euro. Dazwischen möchten im Mai 2018 aber auch die Gläubiger der Mittelstandsanleihe ihre 45 Millionen Euro zurück. Die kurz- und mittelfristigen Fälligkeiten sind also immer noch ein großer Unsicherheitsfaktor für die Sanierung von Alno.

Prevent springt Alno über Investmentvehikel Tahoe zur Seite

Da auch das Zahlungsziel mit „Key-Lieferanten“ laut Halbjahresbericht verlängert wurde, sind Demirtas und Müller die größten Liquiditätssorgen aber immerhin bis Juli 2017 zunächst einmal los. Da sich dann aber die Fälligkeiten ballen, muss eine Lösung spätestens im nächsten Frühjahr her. Die fälligen Gesellschafterdarlehen vollständig zurückführen kann Alno vermutlich nur, wenn es der Finanzchefin gelingt, eine große Refinanzierungslösung zu finden.

Derzeit sind die Fortschritte jedoch eher klein – aber sie schaffen ein Fundament, auf dem Alno eine neue Konzernfinanzierung aufsetzen könnte. Da ist zum einen ein Sale-and-Lease-Back-Deal eines Alno-Grundstücks. Der Küchenbauer hat daraus bereits eine Anzahlung über 15 Millionen Euro erhalten. Der genaue Verkaufspreis steht laut Halbjahresbericht allerdings noch nicht fest, weitere Cash-Zuflüsse könnten also noch folgen.

Außerdem hat Alno einen neuen Investor gefunden. Die Beteiligungsgesellschaft Tahoe, hinter der der Mischkonzern Prevent steckt, hat Alno 20 Millionen Euro Fremdkapital geliehen und weitere 15 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Damit dürfte die Rückzahlung der noch dieses Jahr fälligen Gesellschafterdarlehen abgesichert sein. Gänzlich überzeugt scheint Tahoe allerdings noch nicht zu sein, denn die zweite Kredittranche steht unter Vorbehalt.

Auf Equity-Seite hat sich Prevent – zuletzt als großer Widersacher von VW in Erscheinung getreten – über Tahoe eine Call-Option gesichert: Bis Ende Oktober kann Tahoe den kompletten Alno-Anteil von Whirlpool übernehmen. Das sind 14,08 Prozent.

Alno braucht frisches Eigenkapital

Angesichts der zahlreichen Verschiebungen, die Alno auf seiner Fremdkapitalseite derzeit zeigt, gerät die Dimension des Schuldenproblems beinahe außer Acht. Doch dies ist gewaltig: Alno schiebt Finanzschulden in Höhe von rund 158 Millionen Euro vor sich her. Die Zufuhr von frischem Eigenkapital in beträchtlicher Höhe erscheint unausweichlich.

Dafür kommen prinzipiell zwei Möglichkeiten in Betracht: Entweder werden die Gesellschafterdarlehen in Eigenkapital umgewandelt, oder Demirtas führt eine Kapitalerhöhung durch. Da die Alno-Aktie derzeit ein Pennystock ist, müsste das Grundkapital zunächst herabgesetzt werden, um über den für eine Kapitalerhöhung nötigen Aktienkurs von 1 Euro zu springen.

Demirtas räumt offen ein, dass Alno frisches Eigenkapital benötigt – verweist aber auf ihren Fahrplan bis Ende 2017: „Hierzu gehören die Stärkung des Eigenkapitals und die Reduktion der Verschuldung. Parallel werden wir kontinuierlich an der Verbesserung des operativen Ergebnisses arbeiten“, so die offizielle Sprachregelung. Die Schuldenlast ist durch die Fremdkapital-Deals mit Tahoe und den Gesellschaftern zum Halbjahr allerdings sogar noch gestiegen. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Der Küchenbauer hangelt sich seit Jahren von einer Krise zur Nächsten. Einen Überblick verschafft die FINANCE-Themenseite zu Alno. Der Mini-Bond-Emittent ist nicht das einzige Sorgenkind am Markt. Verfolgen Sie das Marktgeschehen mit der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.