Muss nach dem erfolgreichen Fundraising die angemessene Allokationen der frischen Mittel überwachen: Flixmobility-CFO Anrd Schwierholz

Flixmobility GmbH

02.08.19
CFO

CFO des Monats: Arnd Schwierholz

Vor knapp drei Jahren verließ Arnd Schwierholz die trudelnde Fluggesellschaft Air Berlin, um beim Fernbuspionier Flixbus einzusteigen – ein Wechsel, der sich spätestens jetzt mächtig auszahlt.

Mitte des Monats konnte man bei Flixbus wieder einen weiteren Meilenstein verkündigen: Statt mit einem Börsengang holte sich das stark wachsende Jungunternehmen mit dem Private-Equity-Haus Permira und dem Wachstumsinvestor TCV zwei neue Geldgeber an Bord. Die Finanzierungsrunde mit einem Volumen von einer halben Milliarde Euro markierte einen neuen Rekord in der deutschen Start-up-Szene. Insgesamt wird das Unternehmen, das sich gerade zur umfassenden Mobilitätsplattform wandelt und deshalb jetzt Flixmobility heißt, nun mit mehr als 2 Milliarden Euro bewertet.

Das sind Größenordnungen, die auch die Rolle des Finanzchefs verändern. Mit Arnd Schwierholz leitet ein Manager das Finanzressort von Flixmobility, dem bei diesen Summen nicht bange werden dürfte – als Finanzchef von Air Berlin jonglierte er von April 2015 bis September 2016 mit noch viel größeren Summen, und das in einer ungleich schwierigeren Lage.

Sein Wechsel von Air Berlin zu Flixbus im Herbst 2016 erweist sich für den 49-jährigen spätestens jetzt als persönlicher Glücksgriff. Während die Airline implodiert ist, ist die Erfolgskurve von Flixmobility im Begriff, immer steiler zu werden. Und auch das Arbeitsumfeld scheint inspirierender zu sein. Anzug und Krawatte sind bei Schwierholz passé, der Manager gibt sich nun lässiger mit offenem Hemd und kernigem Bart.

FINANCE-Köpfe

Arnd Schwierholz, Flixmobility GmbH

Seine Laufbahn beginnt Arnd Schwierholz 1995 im Investmentbanking der UBS. Von 1999 bis 2002 engagiert er sich beim Aufbau des Internetunternehmens yoolia, das allerdings kein Erfolg wird. 

Es folgt der Wechsel in die Airline-Branche, zunächst zur Lufthansa, wo Schwierholz 2004 zum Leiter der M&A-Abteilung aufsteigt und im Jahr 2011 schließlich Finanzchef der Lufthansa-Tochter Sky Chefs wird.

Im Oktober 2014 wechselt er zu Air Berlin, zunächst als Stellvertreter des damaligen CFOs Ulf Hüttmeyer. Nach Hüttmeyers Wechsel zum Großaktionär Etihad übernimmt Schwierholz im April 2015 das CFO-Ressort von Air Berlin.

Zum 30. September 2016 übernimmt Schwierholz die Finanzen der Flixbus Gruppe. Der Fernbusbetreiber hat die CFO-Position neu geschaffen. Schwierholz verantwortet die Finanzen der Muttergesellschaft Flixmobility Holding sowie der Landesgesellschaften. 

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Flixmobility auf dem Weg zum Global Player

Von Beginn an konnte der langjährige Lufthansa-Manager bei Flixmobility sein Finanz- und M&A-Know-how voll ausspielen. Durch die Übernahmen von MeinFernbus und Postbus waren die Münchener damals gerade dabei, sich zum klaren Marktführer in Deutschland aufzuschwingen. Gleichzeitig schlugen sie erste Pflöcke im europäischen Ausland ein.

In Schwierholz‘ Verantwortung fielen dann die Übernahmen der österreichischen Fernbusmarke Hellö und der schwedischen Swebus. 2019 kauften die Münchener die Fernbusaktivitäten des französischen Mitbewerbers Transdev, dazwischen starteten sie ihr US-Geschäft und stiegen auch noch in den deutschen Zugverkehr ein. Ab dem nächsten Jahr sollen die grünen Busse auch in Südamerika und Asien fahren, und sogar im politisch schwierigen russischen Markt wagt sich Flixbus an den Start. Das Unternehmen macht sich auf, zum Global Player zu werden, und die jetzt eingesammelte halbe Milliarde ist eine starke Grundlage, um diese Vision in die Tat umzusetzen.

Konkurrenzkampf mit BlaBlaCar

Und das ist noch nicht einmal alles: Noch in diesem Jahr will Flixmobility mit „Flixcar“ sein Angebot um einen Mitfahrdienst ergänzen und dem französischen Platzhirsch BlablaCar Paroli bieten. Die Franzosen ihrerseits sind vor kurzem mit BlaBlaBus ins deutsche Busgeschäft eingestiegen. Es bahnt sich ein erbitterter Zweikampf zwischen dem deutschen und dem französischen Start-up an.

Schaut man sich die Kontrahenten genauer an, lässt sich kein klarer Vorteil für eine Seite erkennen: Beide sind in ihren Kerngeschäften die klaren Marktführer. Bei Flixmobility steht bei einem geschätzten Jahresumsatz von 500 Millionen Euro unterm Strich eine schwarze Null. Die 2006 gegründete Blablacar dürfte etwas weniger erlösen. Auf prallen Kriegskassen sitzen beide: So haben die Franzosen zwischen den Jahren 2010 bis 2018 in sechs Finanzierungsrunden über 400 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt und wurden schon im vergangenen Sommer mit 1,4 Milliarden Euro bewertet.

Ist das Finanzpolster wirklich so dick?

Das bedeutet: Durchatmen kann Schwierholz nach dem erfolgreichen Fundraising nur kurz. Bald schon muss er die angemessene Allokation der frischen Mittel überwachen. Den Angriff der ebenfalls aggressiv auftretenden Franzosen nimmt man in München sicher nicht auf die leichte Schulter, was Mehrkosten verursachen dürfte, die so sicher nicht eingeplant waren. Wie kostspielig diese in beiden Ländern ausgetragene Fehde wird und wie ökonomisch sinnvoll dies für beide Seiten ist, muss sich erst noch zeigen.

Gleichzeitig brauchen all die riesigen neuen Märkte, in die Flixbus vorstößt, Investitionen in Technologie, Marketing und das Angebot selbst. All dies zusammengenommen, wirkt die halbe Milliarde nicht mehr wie ein besonders dickes Finanzpolster. Die Zahl der Bälle, die die Flixbus-Gründer und ihr erfahrener CFO nun im Blick halten müssen, ist groß. Erfolg kann auch herausfordernd sein.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Mehr Infos zur Vita des immer bekannter werdenden Flixmobility-CFOs bietet das FINANCE-Köpfe-Profil von Arnd Schwierholz.

Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite „CFO des Monats“.