03.09.18
CFO

CFO des Monats: Gérard Cordonnier

Für Gérard Cordonnier geht ein aufreibender Abwehrkampf zu Ende, Grammer ist den streitbaren Großaktionär Hastor endlich los. Jetzt kann der CFO nach vorne schauen – und da warten bereits einige Aufgaben.

Der 9. August dürfte Gérard Cordonnier noch lange in Erinnerung bleiben. Denn an diesem Tag endete für den Grammer-CFO ein 18-monatiger Abwehrkampf gegen den Großaktionär Hastor. Die bosnische Investorenfamilie teilte mit, ihre Anteile an dem Automobilzulieferer an den chinesischen Bieter Ningbo Jifeng zu verkaufen. Der krawallige Großaktionär gab auf, der weiße Ritter hat gesiegt.

Machtkampf mit Hastor belastete Grammer

Mit dem Ausstieg der Hastors geht ein nervenaufreibendes Kapitel für Finanzchef Cordonnier zu Ende: Der gebürtige Belgier musste in den vergangenen Monaten Banken, Ratingagenturen und Aktionäre beruhigen, sich mit juristischen Winkelzügen gegen eine feindliche Übernahme durch die Hastors wehren – und nicht zuletzt persönliche Attacken aushalten.

Nicht alles ist dem Juristen und Ökonomen Cordonnier ist dieser Zeit gelungen. So konnte er nicht verhindern, dass der Machtkampf mit der bosnischen Investorenfamilie deutliche Spuren in den Zahlen des Oberpfälzer Autositzspezialisten hinterließ. Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging im vergangenen Jahr von 73 auf 66,5 Millionen Euro zurück.

CFO Cordonnier fädelt Übernahme ein

Auf der Fremdkapitalseite gelang dem krisenerprobten Finanzer – 2009 stand Cordonnier als interimistischer Finanzvorstand von Continental mitten im Kreuzfeuer der Chaos-Übernahme durch Schaeffler – dagegen durchaus ein kleines Kunststück: Die Banken blieben in der Phase der extremen Unsicherheit im vergangenen Jahr nicht nur bei der Stange. Sie gewährten Grammer in diesem Frühjahr auch eine Brückenfinanzierung für die größte Übernahme der Firmengeschichte. 

Grammer-CFO Cordonnier konnte die Banken trotz der Unsicherheit davon überzeugen, die größte Übernahme der Firmengeschichte zu finanzieren.

Im Mai hatten die Oberpfälzer die 270 Millionen US-Dollar schwere Akquisition des US-Wettbewerbers Toledo Molding (TMD) angekündigt. Es war ein durchaus gewagtes Manöver, war zu diesem Zeitpunkt doch noch unklar, wer bei Grammer künftig das Sagen haben wird. Erst kurz darauf legten die Chinesen ihr Übernahmeangebot vor. Und die Bosnier waren mit 9 Prozent zu dem Zeitpunkt immer noch ein wichtiger Aktionär. 

Grammer holte Ningbo Jifeng als weißen Ritter

Im März 2016 waren sie bei Grammer eingestiegen – rund ein dreiviertel Jahr, nachdem Cordonnier den CFO-Posten von seinem Vorgänger Volker Walprecht übernommen hatte, der im Juni beim Krisenkonzern R. Stahl angeheuert hat. Knapp ein Jahr später versuchte der Investor, den Grammer-Vorstand sowie den Aufsichtsrat aus dem Amt zu drängen. Nach monatelangem Hin und Her scheiterte dieses Vorhaben aber am Widerstand der anderen Aktionäre, der Arbeitnehmer und der Politik.

In der Zwischenzeit präsentierte das Grammer-Management mit dem chinesischen Wettbewerber Ningbo Jifeng den Retter: Über eine Pflichtwandelanleihe erwarben die Chinesen zunächst rund 9,2 Prozent der Anteile an dem Oberpfälzer Autositzspezialisten. Im Mai diesen Jahres folgte schließlich das Übernahmeangebot. Parallel dazu bastelte CFO Cordonnier mit seinem Finanzteam an der Akquisition von TMD.

Ausfinanzierung des M&A-Deals steht an

Cordonnier und seine Vorstandskollegen mussten in dieser Zeit herbe Dämpfer einstecken: Weil der Großaktionär mit den wichtigen Grammer-Kunden Daimler und VW auf Kriegsfuß stand, hielten sich die Autobauer mit neuen Aufträgen zurück. Bei den Wolfsburgern hatte eine andere Hastor-Beteiligung 2016 sogar einige Tage die Produktionsbänder lahmgelegt.

Seit Ende August kontrollieren die Chinesen nun 84 Prozent der Anteile an dem Oberpfälzer Autozulieferer. Der Machtkampf ist entschieden. Grammer hat seine Selbstständigkeit verloren, dem selbstgewählten Partner allerdings umfangreiche Zugeständnisse bei Arbeitsplätzen und Patenten abgerungen.

Damit kann sich Finanzchef Cordonnier jetzt wieder dem Tagesgeschäft widmen. Das dürfte auch nötig sein: Die Oberpfälzer müssen nicht nur die verschreckten Kunden davon überzeugen, mit ihren Aufträgen zu Grammer zurückzukehren. Grammer muss auch die Brückenfinanzierung für den TMD-Deal am Kapitalmarkt ausfinanzieren. Cordonnier wird weiter gefordert sein.

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