Bei Grammer drängt die Zeit: Bis zum 3. März müsste Ningbo Jifeng im Besitz seiner Aktien sein, um auf der Hauptversammlung abstimmen zu dürfen.

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21.04.17
CFO

Gericht vertagt Entscheidung im Fall Grammer

Vor Gericht wehrt sich Grammer gegen eine einstweilige Verfügung aus dem Hastor-Lager, die den weißen Ritter Ningbo Jifeng derzeit ausbremst. Nun will das Gericht seine Entscheidung auf Mitte Mai vertagen. Bleibt es bei dem Termin, hätte Hastor auf der Hauptversammlung wohl freie Bahn.

Im Kampf gegen die befürchtete kalte Übernahme durch die bosnische Investorenfamilie Hastor wird es für den Automobilzulieferer Grammer langsam eng. Eine vor wenigen Tagen vom Landgericht Nürnberg-Fürth auf Antrag der Hastor-Seite erlassene einstweilige Verfügung, die den weißen Ritter Ningbo-Jifeng aus China derzeit ausbremst, bleibt bis auf Weiteres in Kraft.

Die einstweilige Verfügung untersagt es dem Unternehmen, die Wandlung einer Wandelanleihe zu vollziehen, über die sich der chinesische Investor Ningbo-Jifeng mit 9,2 Prozent an Grammer beteiligen sollte. Gegen den Erlass der einstweiligen Verfügung hatte Grammer Widerspruch eingelegt, doch eine für den gestrigen Donnerstag erwartete Entscheidung blieb aus. Stattdessen will das Gericht nun erst am 16. Mai entscheiden, bestätigte ein Grammer-Sprecher gegenüber FINANCE. Das wäre nur gut eine Woche vor der Grammer-Hauptversammlung, die für den 24. Mai angesetzt ist. 

Grammer will früheren Gerichtstermin erwirken

Final steht der Termin für die gerichtliche Entscheidung dem Grammer-Sprecher zufolge noch nicht fest. Das Unternehmen werde alles daran setzen, einen früheren Termin zu erwirken, und sei dazu mit seinen Anwälten im Gespräch.

Von dem Termin hängt für das Unternehmen viel ab: Sollte Ningbo Jifeng bei der Hauptversammlung am 24. Mai mit abstimmen wollen, müsste der Investor spätestens am 3. Mai im Besitz der Aktien sein, die für die Hauptversammlung als stimmberechtigt registriert werden sollen. Nur wenn die von Hastor-Seite erwirkte einstweilige Verfügung bis dahin vom Gericht aufgehoben wird, hätte Grammer überhaupt die Möglichkeit, die im Rahmen der Wandelschuldverschreibung geplanten neuen Aktien an Ningbo Jifeng auszugeben und es den Chinesen zu ermöglichen, mit ihren 9,2 Prozent auf der Hauptversammlung abzustimmen.

Hastor-Familie ist für die Hauptversammlung gut positioniert

Bleibt es bei dem Termin Mitte Mai, hätte die Investorenfamilie Hastor auf der Hauptversammlung wohl freie Bahn: Über zwei getrennt voneinander gewertete Vehikel hält die Familie derzeit jeweils mindestens 10 Prozent der Anteile. Beide Vehikel könnten bis 14,9 Prozent der Anteile aufstocken, ohne dies öffentlich vermelden zu müssen.

Stimmen beide Vehikel zu einem Punkt auf der Hauptversammlung gemeinsam ab, kämen sie damit auf mindestens 20 Prozent, vielleicht aber sogar auch schon auf knapp 30 Prozent der Stimmrechtsanteile. Die Präsenz auf den Grammer-Hauptversammlungen in den vergangenen Jahren lag jeweils zwischen 40 und 50 Prozent. Ohne die Stimmen von Ningbo Jifeng als Gegengewicht hätte der aktivistische Investor aus Bosnien damit gute Chancen, seine Interessen durchzusetzen. 

Grammer spürt Auftragsrückgang seit Hastor-Einstieg

Die Machtübernahme durch die Aktivistenfamilie Hastor, zu deren Unternehmensgruppe auch der Zulieferer Prevent gehört, der im vergangenen Jahr durch einen Lieferstopp die Bänder bei VW für mehrere Tage zum Stillstand gebracht hat, belastet bereits Grammers laufendes Geschäft. Grammer-Chef Hartmut Müller sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, das Unternehmen verspüre derzeit einen deutlichen Auftragsrückgang, Kunden zögerten mit Vertragsabschlüssen.

Für den kommenden Montag hat die IG Metall die Belegschaft des Zulieferers zu Protesten an allen Standorten aufgerufen. An den Protestaktionen sollen rund 5.000 Grammer-Mitarbeiter in Deutschland und Tschechien teilnehmen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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